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Wo steht die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste?

Zeit heilt Wunden

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Regensburg / Graz / Krems, 30. September 2022. Prof. Dr. Günter Josef Krejs (rechts im Porträt) ist Präsident der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste mit Sitz in München. Kürzlich erst hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer über das Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft im Rahmen einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 200. Geburtstags Gregor Mendels in Regensburg gesprochen, der die moderne Genetik begründet hat. Einstweilen spricht Präsident Krejs im Interview über den Stand der Akademie, die im Übrigen auch eine Naturwissenschaftliche Klasse unterhält. Im Übrigen wirkt die Akademie ein wenig nach der Art des heiligen Nepomuk (siehe Bild im äußeren Bereich): verbindend.

Herr Präsident Prof. Krejs, wie ist es heute um die Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste bestellt?

Unsere Akademie hat sich ihren Platz im Reigen der anderen sudetendeutschen Einrichtungen und auch zunehmend darüber hinaus erarbeitet. Das ist auch eine Frage der Qualität der vorgelegten Leistungen. Ich darf in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass wir in unseren Reihen Nobelpreisträger, führende Persönlichkeiten in der Atomwissenschaft, in der Medizin und auch hohe geistliche Würdenträger haben. Das breite Spektrum der Tätigkeitsbereiche der Mitglieder zeigt sich auch in den jährlich herausgegeben „Schriften der Akademie“. Diese werden im Zyklus von Geisteswissenschaftlicher, Naturwissenschaftlicher und Kunst-Klasse verfasst. Die jeweils aktuellen Veranstaltungen der Akademie sind auf unserer Homepage zu finden.

Wie geht es mit der Akademie weiter?

Herkunft, Tradition und viele Themen verbinden uns miteinander. Daran möchten wir in Zukunft weiterarbeiten. Beim Präsidentenamt hat nun ein Generationenwechsel stattgefunden. Mein Vorgänger Prof. Rudolf Fritsch war 1939 als Sohn Egerländer Eltern in Ostpreußen geboren und gehörte der ersten Generation an. Ich, der ich sein Nachfolger sein darf, bin bereits in Österreich geboren. Meine Großeltern waren aus Iglau. Ressentiments, die auf das unmittelbare eigene Erleben der Vertreibung zurückgehen, werden abnehmen. Die Zeit heilt Wunden, wenngleich die Vertreibung ein schreckliches Unrecht war. Mit der Zeit kann man an die Geschichte, mit der man persönlich verbunden ist, unbefangener herangehen.

Die Zeichen stehen auf Zukunft?

Ja, das würde ich so sagen. Ich blicke mit Interesse und Freude dem entgegen, was Neuberufene künftig tun und beitragen werden.

Wie kam es zur Gründung der Akademie?

Die Akademie wurde 1979, also vor über 40 Jahren, als eine der sudetendeutschen Einrichtungen gegründet. Man hatte gesehen, dass es zahlreiche sudetendeutsche Wissenschaftler und Künstler gibt, darunter übrigens auch Frauen, die in ihren Bereichen führende Positionen einnehmen. Sie kamen hauptsächlich aus Deutschland und ebenfalls aus Österreich. Wir sind international. Mitglieder leben in der Schweiz oder in Los Angeles, um nur einige Orte zu nennen.

Was steht konkret an?

Wir müssen uns unter anderen Akademien etablieren, die ein paar hundert Jahre alt sind. Gewiss wird uns von vielen Seiten Akzeptanz entgegengebracht. In München hat die Eröffnung des neuen und architektonisch phantastischen Sudetendeutschen Museums vor wenigen Jahren stattgefunden, in das die Akademie übrigens involviert war. Eines unserer Mitglieder hat für das Museum den Ring gestiftet, den sein Urgroßvater als Stadtschreiber von Reichenberg getragen hatte.

In der Akademie spielen auch nicht spezifisch sudetendeutsche Themen eine Rolle?

In den jüngst vergangenen Jahren hat eine Öffnung stattgefunden. Mussten Mitglieder der Akademie in der Vergangenheit einen unmittelbaren familiären Bezug aufweisen, qualifiziert jetzt auch ein hervorragendes Interesse an den einschlägigen Gebieten für eine Aufnahme. Ein solches Interesse betrifft die deutsch-tschechische Zusammenarbeit sowie überhaupt die deutsch-tschechische-sudetendeutsche Kultur.

Auch Otfried Preußler war Mitglied.

Bei seinem Ableben vor zwei Jahren hat dies ein breites Echo in der Öffentlichkeit hervorgerufen. Er ist eines unserer berühmten Mitglieder und wir sind stolz auf ihn. Räuber Hotzenplotz kennt praktisch jeder.

Der Name des Gustav Mahler wird ebenfalls genannt.

Der Präsident der Sudetendeutschen Akademie legt bei offiziellen Anlässen seine Amtskette an. In die Glieder sind die Namen berühmter Persönlichkeiten eingraviert, die hier in Frage stehen. Auch der Name Gustav Mahlers findet sich darunter.

Was haben die Sudetendeutschen zur Gestaltung der Zukunft beizutragen?

In politischer Hinsicht sind wir nicht aktiv, sehen aber mit Freude, dass es auf tschechischer Seite eine Öffnung und ein gewisses zunehmendes Interesse an unseren großen Veranstaltungen gibt. Die Europäische Union (EU) hat hier vieles Gute gewirkt. Ich erinnere an die Bedeutung von Südtirol heute. Auch in Opatija sieht es sehr österreichisch aus und im Rahmen der EU hat die Region eine gute Entwicklung genommen. Es ist gut, dass Tschechien, Österreich und Deutschland EU-Mitglieder sind. Das stiftet Einheit. Das Nationale braucht nicht besonders betont zu werden.

Wäre eine Kooperation mit einer tschechischen Akademie denkbar?

Das wäre denkbar und wird vielleicht kommen. Wir haben Mitglieder, die in Tschechien leben und am Zustandekommen einer solchen Kooperation arbeiten. Zu Beginn der Geschichte der Sudetendeutschen Akademie standen die Zeichen eher auf Abgrenzung. Hier zeichnen sich nun wirklich gute Wege ab. Unter jungen Wissenschaftlern gibt es bereits Formen der Zusammenarbeit. Drei Mitglieder unserer Naturwissenschaftlichen Klasse sind in Tschechien zu Hause. Die Zusammenarbeit auf persönlicher Ebene wird zunehmen. Und eine Zusammenarbeit zwischen den Akademien wird in Zukunft aller Voraussicht nach sehr gut möglich sein. Interview: Prof. Dr. Veit Neumann

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