„Nana“ und ihre Kinder im Frühjahr 2025.

Von Odessa bis Regensburg im Hilfstransport

Nana und ihre Kinder


Regendorf / Regensburg, 4. April 2025

Vor drei Jahren brachte ein Hilfstransport der Caritas Kinder aus Odessa nach Regensburg. Wie geht es ihnen heute?

Veronika (16) sitzt in der Küche des Pfadfinderheims Burg Regeldorff und spielt ein Tik-Tok-Video ab: Das Video ist mit dem Datum 20.03.2025 überschrieben und zeigt eine Hafenstadt, die im Dunklen liegt, Rauchwolken steigen zum Nachthimmel auf, Bomben explodieren. „Massive russische Luftangriffe auf Odessa“ – so berichteten Nachrichtenportale. 

Vor drei Jahren, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, brachte ein Hilfstransport der Caritas Veronika und weitere Kinder aus Odessa nach Regensburg. Mehrere Tage waren sie auf der Flucht gewesen, von Odessa nach Warschau und schließlich von dort mit der Caritas nach Regensburg. 

Fünf der Kinder, die damals im Bus saßen, sind Pflegekinder, die seither in Burg Regeldorff leben. Die Sozialarbeiterin und Psychologin Nadiia aus Odessa ist deren Erziehungsberechtigte und die Mutter von drei weiteren Kindern. Zu neunt flüchteten sie damals bis nach Regendorf, am Flüsschen Regen, fernab des Schwarzen Meeres.

Die Erziehungsberechtigte Nadiia wird von allen liebevoll „Nana“ genannt. Wer sie fragt, wie sie das schafft, geflohen vor dem Krieg, mit den Kindern im Exil, erhält die Antwort: „Ich bin schon sehr lange Mutter. Ich bin es gewohnt, für die Kinder da zu sein.“ Kein Wort der Überforderung oder der Erschöpfung, ihr Blick stolz. Die Psychologin hat zudem zwei Jobs: einen Minijob im Kindergarten und einen als Pflegehelferin im Altenheim. 

In der Burg-Regeldorff-Küche bieten die Kinder Tee an und erzählen vom Ankommen in der Fremde. Artjom (17) ist bei der Freiwilligen Feuerwehr, Veronika führte in der Schultheatergruppe „Die Zauberflöte“ auf. Ihr Deutsch ist fließend und Artjom sagt, es ärgere ihn, wenn Lehrer seine Fehler nicht korrigierten, weil sie ihn schonen wollten. 

Die Jüngste, Jaroslava, war vier Jahre jung, als sie nach Burg Regeldorff kam. Sie besucht heute die erste Klasse. Fast ihr halbes Leben hat sie in der Oberpfalz verbracht. Die Älteste, Anastasia, ist neunzehn und besucht die Wirtschaftsschule. Bald macht sie ihr Fachabitur. Maria besucht die dritte Klasse, Alina, Vladislav, Veronika und Mikola gehen auf die Realschule und Artjom macht die Vorklasse zur Fachoberschule. Alle sind sich einig: Die größte Hürde war die deutsche Sprache. Und alle haben sie gemeistert.

Bevor es Abendessen gibt, sammeln sich die Kinder um Nana für ein Foto vor der Haustür. Vor drei Jahren ließen sie sich an derselben Stelle fotografieren. Damals war die Jüngste nicht im Bild, heute fehlt die Älteste. Vladislav (12) sucht sich auf dem Foto von damals, und sagt von sich selbst ganz überrascht: „Wie groß ich jetzt bin“.

Fotos: Susanne Schophoff

Text: Caritas Regensburg

(lg)
 



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