
Person der Woche: Diakon Sepp Schlecht
Von wegen „Hungermarsch“
Regensburg/Viechtach, 4. April 2025
Sepp Schlecht ist Diakon in der Pfarreiengemeinschaft Bodenmais-Böbrach-Bayerisch Eisenstein und Sprecher des Missionsausschusses im Dekanat Viechtach. Hier organisiert er seit fast 30 Jahren den Hungermarsch, der jährlich am Palmsonntag im Dekanat stattfindet. Vom Beginn einer ungeahnten Erfolgsgeschichte und der Freude, Spenden zu können erzählt unser Interview zur Person der Woche.
Der Hungermarsch findet dieses Jahr schon zum 29. Mal statt. Wie lange sind Sie schon an seiner Organisation beteiligt?
Wir haben ihn 1997 in Ruhmannsfelden begründet, damals mit dem Missionsausschuss der Pfarrei, auf Anregung von Misereor. Keiner hätte sich träumen lassen, dass daraus so eine Erfolgsgeschichte wird. Viele Ehrengäste waren dabei, unter anderem auch drei Chefs von Misereor Aachen, unser Bischof Rudolf, Landräte und Bürgermeister und viele weitere Ehrengäste.
Wie ist dieser überhaupt entstanden?
Damals hat Misereor die Anregung gegeben, solche Solidaritätsaktionen zu Fuß oder auch mit dem Fahrrad zu organisieren. Im Dekanat Viechtach gibt es seit über 30 Jahren einen Missionsausschuss mit derzeit rund 15-20 treuen Mitarbeitern aus den verschiedenen Pfarreien. Pfarrer Josef Renner und Pfarrer Josef Schmaderer haben damals als ehemalige Missionare motivierend angeschoben. So haben wir selbst die Coronapause 2020/2021 gut überwunden. Wir sind in diesen beiden Jahren in kleinen Gruppen gegangen, einmal sogar als Sternwanderung aus vier Richtungen.
Was ist das Hauptziel des Hungermarsches?
Wir wollen Misereorprojekte unterstützen, haben dafür aber immer uns bekannte Missionare ausgewählt, die den Erlös dann über das Hilfswerk weitergeleitet bekommen haben. Sogar bei Schlechtwetter haben wir in der Regel mit etwa 50 Teilnehmern rund 1000 Euro erwandert, bei gutem Wetter jeweils zwischen 2000-3000 Euro und bei Jubiläen, wie etwa dem 25jährigen, sogar rund 8000 Euro. Ich bin selbst beeindruckt von der Spendenfreudigkeit der Leute. Wobei immer noch der Grundsatz gilt: Wer mitgeht, sollte sich im Vorfeld Sponsoren suchen, die ihm pro gelaufenen Kilometer einen gewissen Beitrag zur Verfügung stellen, der auf den Laufkarten eingetragen wird. Diese Karten werden beim Start und den Zwischenstationen unterwegs gestempelt und man kann damit am Ende eine Spendenbescheinigung beantragen. Außerdem kann der Mitgeher damit seinen Sponsoren zeigen, dass er die Strecke auch wirklich gelaufen ist.
Wie hat sich die Beteiligung am Hungermarsch in den letzten Jahren entwickelt und welche Veränderungen gab es?
Wie bereits angedeutet, waren wir jedes Jahr zwischen 50-100 Teilnehmer. Das ist witterungsabhängig. Es gab aber auch Ausreißer und Höhepunkte, bei denen wir bereits die 200er-Grenze angekratzt haben. Auch jetzt gibt es noch ein Vorbereitungsteam, das die Strecke vorher erkundet, und ein Team aus den betroffenen Pfarreien, das sich um eine „faire“ Brotzeitstation kümmert, sowie auch um die Andachten zu Beginn und am Ende, nicht selten unterstützt von Chören oder Singgruppen aus den Pfarreien. Wir haben inzwischen alle Pfarreien und Seelsorge-Filialen im Alt-Dekanat Viechtach berührt und haben so ein großes Netz der Solidaritätsmärsche über unsere Region gelegt. Mehrfach waren wir auch grenzüberschreitend zum Bistum Passau unterwegs oder letztes Jahr sogar nach Böhmen ins Bistum Budweis.
Was ist Ihre Motivation hinter all dem? Immerhin machen Sie das schon seit 1997, fast 30 Jahre. Manch anderer würde da vielleicht sagen, dass es irgendwann genug ist…
Ich habe als Diakon das Engagement in der Missionsarbeit immer als eine meiner wichtigsten Aufgaben angesehen. Aufgewachsen im Verband der KLJB-Landjugendbewegung, bekam ich schon in Jugendjahren den Kontakt über die Aktion Minibrot zum Senegal und weiteren Entwicklungsländern. In meiner ersten Dienststelle in Ruhmannsfelden von 1984-2004 konnte ich einen hochmotivierten Missionsarbeitskreis gründen, der sich bald auf das ganze Dekanat Viechtach ausgeweitet hat. Immer wieder hatten wir Gäste aus der Weltkirche, die unsere Motivation noch verstärkt haben. Als wir den ersten Hungermarsch in der Pfarrei Ruhmannsfelden auf Anregung von Misereor entwickelt haben, kamen von Anfang an Vertreter aus den Nachbarpfarreien dazu. Damals wurden wir noch belächelt wegen des Begriffs „Hungermarsch". Unterwegs gab es eine Brotzeit, es war also weit weg davon, hungern zu müssen. Keiner hätte je gedacht, dass diese Geschichte einen solchen Erfolgsverlauf nehmen würde.

Nach welchen Kriterien legen Sie die Strecke fest?
Ziel war bei der Entwicklung von Anfang an, dass wir alle Pfarreien und Seelsorgestellen in unserem Dekanat Viechtach - insgesamt sind es 17 - mit dem Hungermarsch berühren und in den Streckenablauf einbinden. Das ist inzwischen gelungen, letztes Jahr haben wir mit Bayerisch Eisenstein die letzte Lücke geschlossen. Ein kleines Vorbereitungsteam sucht mit dem Radl nach schönen Wegen, weg von Hauptstraßen, die nicht so bekannt bei den Leuten sind. Unsere Stammteilnehmer sagen oft, dass sie durch den Hungermarsch die Heimat noch viel besser kennengelernt haben, weil wir jedes Mal wieder sehr reizvolle Wege auswählen, die eben nicht zu den ausgeschriebenen Wandertrassen der Region gehören. Und so ist es auch heuer wieder von Kollnburg über den Distelberg und entlang des Pfahls nach Viechtach. Einzigartig schön!
Welchen persönlichen Gewinn ziehen Sie für sich daraus?
Für mich ist es weiterhin eine Freude, wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass wir zumeist uns bekannte Missionare mit Spenden unterstützen können. Pfarrer Renner war 20 Jahre unser Dekan und Pfarrer in Kollnburg. Sein vorbildlicher Einsatz hatte verstärkende Wirkung. Er war immer bei den Treffen dabei und hält auch jetzt im Alter von Ghana aus lebendigen Kontakt zu uns. Der größte Gewinn ist immer die Rückmeldung und Bestätigung, dass unsere Spenden sinnvoll eingesetzt wurden und viel Leid und Not lindern konnten, das genügt!
Leider ist der Missionsarbeitskreis inzwischen sehr klein geworden, aber wir sind fest entschlossen, weiterzumachen. Nächstes Jahr wäre dann der 30. Hungermarsch, und darauf freuen wir uns besonders!
Interview: Katharina Winterlich
(kw)
Weitere Infos
Der diesjährige Hungermarsch findet am Misereor-Sonntag, den 6. April 2025 statt.
Beginn: 13 Uhr mit einer Einstimmung in der Pfarrkirche Kollnburg zum Misereormotto.
Schirmherren sind Landrat Dr. Ronny Raith, Bürgermeister Herbert Preuß aus Kollnburg und Bürgermeister Franz Wittmann aus Viechtach. Die Strecke führt ca. 10 km über den Distelberg und den Pfahl nach Viechtach. Unterwegs gibt es Infos zum neuen Hungertuch, zur diesjährigen Misereor-Fastenaktion „Auf die Würde, fertig, los!“ und zum Schulprojekt von Pfarrer Josef Renner in Chamba/Nordghana.
Ende: ca. 17 Uhr mit einer Dankandacht in der Stadtpfarrkirche Viechtach, Einsammeln der Streckengelder und Bekanntgabe des Erlöses.
Bischof Rudolf Voderholzer übernahm 2016 die Schirmherrschaft des 20. Hungermarsches im Dekanat Viechtach und lief auch selbst mit. Weiterer Ehrengast war Misereror-Präsident Pirmin Spiegel. Den Bericht zum 20. Hungermarsch können Sie hier lesen.