News Bild „Singt dem Herrn ein neues Lied!“ - Zur liturgischen Dimension gottgeweihten Lebens

„Singt dem Herrn ein neues Lied!“ - Zur liturgischen Dimension gottgeweihten Lebens

Home / News

Am vergangenen Samstag, 7. Juni 2008, kamen 27 junge Ordensleute und Kandidatinnen aus den verschiedenen Gemeinschaften des Bistums im Kloster Seligenthal zur diesjährigen Studientagung zusammen. Thema der Tagung war „die liturgische Dimension gottgeweihten Lebens“.

Äbtissin M. Petra Articus O. Cist. begrüßte zu Beginn alle Teilnehmer. Der Studientag begann mit der Eucharistiefeier, die PD Dr. Christoph Ohly in der Afra Kapelle des Klosters feierte. In seiner Predigt ermutigte der Zelebrant im Herzen Marias alles zu finden, was ein gottgeweihtes Leben ausmacht. Im Herzen Jesu fänden wir alle Gaben und Gnaden, die ein solches Lebens sinnvoll machen.

Im Anschluss an die Heilige Messe erinnerte Dr. Christoph Ohly in seinem Vortrag an den 25. Jahrestag des kirchlichen Gesetzbuches am vergangenen 25. Januar 2008. Als Johannes Paul II. den „Codex Iuris Canonici“ der Öffentlichkeit übergab, betonte er, dass der Codex vielmehr darauf abzielt, der kirchlichen Gesellschaft eine Ordnung zu geben, die der Liebe, der Gnade und dem Charisma Vorrang einräumt und deren geordneten Fortschritt erleichtern soll. Diese Intention liegt auch dem Ordensleben zu Grunde: „Das Ordensleben macht als Weihe der ganzen Person eine von Gott gestiftete wunderbare Verbindung in der Kirche sichtbar und ist ein Zeichen der kommenden Welt. So vollzieht der Ordensangehörige seine völlige Hingabe gleichsam als ein Gott dargebrachtes Opfer, wodurch sein ganzes Dasein zu einer beständigen Verehrung Gottes in der Liebe wird“ (Can. 607 § 1).

Mit anderen Worten, bekräftigte der Referent: „Das Ordensleben trägt in sich die Kraft und die Schönheit einer gleichsam liturgischen Existenz, welche die Gegenwart des auferstandenen Herrn verkündigt und somit auf die bereits auf Erden wahrnehmbaren Züge jenes ewigen Lebens verweist, von dem Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Spes salvi“ sagt: Ewigkeit ist so „etwas wie der erfüllte Augenblick, in dem uns das Ganze umfängt und wir das Ganze umfangen“. Es ist so etwas wie „der Augenblick des Eintauchens in den Ozean unendlicher Liebe, in dem es keine Zeit, kein Vor- und Nachher mehr gibt“. Es ist schon hier das „immer neue[s] Eintauchen in die Weite des Seins, indem wir einfach von der Freude überwältigt werden“ (Nr. 12).

Die Verbindung der beiden Begriffe „ewiges Leben“ und „völlige Hingabe“ lassen erahnen, dass es sich bei dieser bezeugenden – eben „prophetischen“ – Existenz des Gottgeweihten nicht um eine Frage des Augenblicks, sondern der treuen Beständigkeit handelt, die das geweihte Leben zu einer dauerhaften Verehrung Gottes macht“. Als Zeichen der kommenden Welt kündigen die Ordensleute den auferstandenen Herrn an und weisen auf das ewige Leben hin. Durch die Hingabe der ganzen Person erinnern sie daran, dass gottgeweihtes Leben eucharistische Züge annimmt (Vgl. LG 45). Die ständige Verehrung Gottes, die ein solches Leben kennzeichnet, weist auf die liturgische Dimension dieses Lebens hin: „Zum Lob Seiner Herrlichkeit“ (Eph 1,14).

Das Leben wird zur Liturgie, zum Verweis auf jenes unverfügbare Geheimnis, in dem Gott und Mensch sich berühren. Das Leben wird zur Liturgie, weil Gott selbst in ihm und durch es handelt. Das Leben wird aber auch zur Liturgie, indem der Mensch sich selbst hineinstellen lässt und hineinstellt in die Lebenshingabe des Herrn und sich so in der heiligen Alltäglichkeit darbringt zum Wohlgefallen und zum Lob der göttlichen Herrlichkeit. So vermag der Mensch „veluti sacramentum“ (LG 1) zu sein, heiliges und wirkmächtiges Zeichen in dieser Welt, in dem und durch das Gott handelt und gegenwärtig wird, in dem und durch das Gott geehrt, gelobt und gepriesen wird.

„Die Beziehung zwischen geglaubtem und gefeiertem Mysterium zeigt sich in besonderer Weise im theologischen und liturgischen Wert der Schönheit. Die Liturgie hat nämlich, wie übrigens auch die christliche Offenbarung, eine innere Verbindung zur Schönheit: Sie ist veritatis splendor. In der Liturgie leuchtet das Pascha-Mysterium auf, durch das Christus selbst uns zu sich hinzieht und uns zur Gemeinschaft ruft“ (Papst Benedikt XVI., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum Caritatis, Nr. 35, 22.02.2007).

Mit dem liturgischen ausdrucksstarken Zeichen des Weihrauchs verdeutlichte Dr. Ohly ein Bild, das als besonders schöne Beschreibung des gottgeweihten Lebens gelten kann: Das Bild vom Duft. Bezug nehmend auf den spanischen Jesuiten Tomás Morales (1908-1994, Gründer des Säkularinsituts „Cruzadas de Santa María“) sagte dieser über die Schönheit des geweihten Lebens, dass es unscheinbar bliebe, da sein Reiz nach außen hin nicht immer erkennbar sei, aber im Stillen den „Duft der Ewigkeit“ und den „Wohlgeruch des Himmels“ verströme. Jeder, der mit diesem gottgeweihten Leben in Berührung käme, müsse – so P. Morales – diesen wohlriechenden Duft des Himmels wahrnehmen können. Mehr noch: Der Weihrauch verbindet sich mit dem Menschen, der ihn aufsteigen lässt, so sehr, dass er zu seinem Boten vor Gott wird. Im Weihrauch tritt der Mensch gleichsam selbst vor den Herrn, um sich darin als lebendiges Opfer darzubringen. So sprechen wir es im III. Eucharistischen Hochgebet mit der ganzen Kirche aus: „Er mache uns auf immer zu einer Gabe, die dir wohlgefällt, damit wir das verheißene Erbe erlangen mit deinen Auserwählten“. – Liturgie auf Erden, die in der Liturgie des Himmels ihre Erfüllung findet! Wie das im Alltag geschehen kann, erklärte der Referent durch den Vollzug der evangelischen Räte.

Nach dem Vortrag gab es für die Teilnehmer die Möglichkeit die Gedanken in Gesprächskreisen zu vertiefen. Sr Dr. Katharina Hauschild O.Cist. bot eine Kirchenführung in der Klosterkirche an. Es folgte das Chorgebet mit den Schwestern im Nonnenchor und das gemeinsame Mittagessen im Refektorium des Klosters. Sr. Katharina führte auch in die Afra Kapelle und stellte die historische Bedeutung der Kappelle dar. Im abschließendem Plenum wurden noch viele Anregungen und Gedanken ausgetauscht, die zu Bereicherung und Vertiefung der je eigenen Berufung dienten.