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Sechs neue Diakone für das Bistum Regensburg

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Durch Handauflegung und Gebet hat Bischof Gerhard Ludwig Müller am Samstagvormittag sechs Männer zu Diakonen geweiht. Dazu hatten sich rund 1000 Gläubige, darunter zahlreiche Priester, Diakone und Seminaristen in der Pfarrkirche St. Martin in Pfeffenhausen versammelt.

In seiner Predigt hob Bischof Gerhard Ludwig die unverzichtbare Bedeutung des christlichen Glaubens zur Überwindung der moralischen Krise der heutigen Gesellschaft hervor. Die zahlreichen Phänomene dieser Krise – von den wirtschaftlichen Verwerfungen bis hin zur Bedrohung von Ehe und Familie – wurzelten letztlich in einer materialistischen Weltsicht und einem zunehmend aggressiven Atheismus, welcher Kirche und Glauben aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen suche. In diese Situation hinein gelte es die Botschaft Jesu Christi mutig und voll Überzeugungskraft zu verkünden. Dazu seien die neuen Diakone berufen und gesandt. Die zölibatäre Lebensform sei mit diesem Auftrag eng verbunden, ermögliche sie doch die volle Hingabe für den Dienst am Nächsten. „Nach dem apostolischen Vorbild werden heute junge Männer aus der Mitte der Kirche berufen, damit sie durch Handauflegung und Weihegebet Anteil erhalten an der Sendung und Vollmacht Jesu Christi. Wer zu diesem Dienst berufen ist, muss dies aus vollem Herzen heraus tun. Nur derjenige, der selbst von der Liebe Christi getragen ist, kann der hohen Berufung entsprechen“, so Bischof Gerhard Ludwig. Wo es aber an menschlicher Kraft und Fähigkeit mangle, dort helfe Jesus Christus mit seiner Gnade: „Das trifft auch auf die zölibatäre Lebensform zu, die von den Diakonen heute aus freiem Herzen versprochen wird. So können sie voll und ganz als Diener Christi ihr kirchliches Amt ausüben.“

Rund 150 Ministranten, Seminaristen, Diakone und Priester hatten die Weihekandidaten in feierlicher Prozession in die vollbesetzte Pfarrkirche St. Martin begleitet. In seiner Begrüßung gab der Ortspfarrer Günther Müller seine Freude darüber zum Ausdruck, dass Pfeffenhausen als Ort des Weihegeschehens ausgewählt worden war. Dies sei für die Pfarreiengemeinschaft Pfeffenhausen, Rainertshausen, Pfaffendorf und Niederhornbach eine große Ehre.

Nachdem die sechs Weihekandidaten zu Beginn der Feier namentlich aufgerufen und vor den Bischof getreten waren, bekundeten sie nach der Predigt und der Anrufung des Heiligen Geistes in den Weiheversprechen ihre Bereitschaft, „in selbstloser Hingabe“ das Diakonenamt auszuüben, „den Schatz des Glaubens treu zu hüten und gemäß dem Evangelium und der Überlieferung der Kirche in Wort und Tat zu bekunden“, „zum Zeichen der Hingabe an Christus um des Himmelreiches willen ehelos zu leben“, „Männer des Gebetes“ zu werden, „den Armen und Kranken beizustehen“ und „nach dem Wort und Beispiel Christi ihr eigenes Leben zu gestalten“. In die Hand des Bischofs leisteten sie das Versprechen des Gehorsams und der Ehrfurcht gegenüber Bischof Gerhard Ludwig und seinen Nachfolgern. Während der Allerheiligenlitanei, in der alle die Gnade Gottes für die Weihekandidaten erbaten, lagen diese zum Zeichen ihrer Hingabe ausgestreckt auf dem Boden. Schließlich wurde ihnen durch die Handauflegung des Bischofs und das Weihegebet die Gabe des Heiligen Geistes für das Diakonenamt übertragen. Was sich so in heiligen Zeichen vollzogen hatte, wurde in den ausdeutenden Riten – dem Anlegen von diakonaler Stola und Dalmatik und der Überreichung des Evangeliars – sinnenfällig erschlossen. Der Bischof umarmte jeden einzelnen der neugeweihten Diakone und besiegelte somit ihre Aufnahme in das neue Amt. Auch die anwesenden Diakone umarmten die Neugeweihten, mit denen sie im gemeinsamen Dienst stehen werden.

Die neuen Diakone sind:
Franz Becher aus Penting-St. Nikolaus, Paul Gebendorfer aus Rainertshausen-St. Erhard, Wilhelm Karsten aus Regensburg-St. Konrad, Thomas Kohlhepp aus Riedenheim-St. Laurentius, Bernard Mallmann aus Glonn-St. Johannes der Täufer, Maximilian Roeb aus Landshut-St. Pius


Die Predigt im Wortlaut:

"Liebe Mitbrüder im Priester- und Diakonenamt,
liebe Brüder und Schwestern aus dem Ordensstand,
liebe Brüder und Schwestern in unserem gemeinsamen christlichen Glauben!

Es ist offensichtlich, dass wir uns in einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise befinden, hinter der sich eine tiefe Krise der gesamten Gesellschaft verbirgt. Wir alle wissen aber auch darum, dass diese Krise nicht einfach auf eine mangelnde Kenntnis des „großen Einmaleins“ der wirtschaftlichen Gesetze zurückzuführen ist, sondern im Innersten eine moralische Krise ist. Die überkommenen Prinzipien der Ethik und der Moral sind in die Diskussion geraten und haben ihre Allgemeingültigkeit eingebüßt. Hier ist der Auslöser der Auflösungserscheinungen in unserer Gesellschaft zu finden. Die moralische Krise der Institutionen setzt sich fort in einer mentalen Krise, dort, wo mens, der Geist, der Verstand des Menschen einsetzt, die umfassende Orientierung menschlicher Existenz.

Wenn Gesellschaften wirtschaftlich, moralisch und mental in eine Krise geraten und sich keine Lösungsmöglichkeiten abzeichnen, ist die Versuchung groß, sich einen Sündenbock zu suchen, dem man alle Schuld auflädt. In Deutschland und Europa kann man sich derzeit nicht des Eindrucks erwähren, dass die katholische Kirche und ihre Repräsentanten in diese Rolle des Sündenbocks gedrängt werden: Der Papst ist an allem schuld. Anstatt die Kirche in ihrer Sendung zu erkennen und sich auf die christlichen Wurzeln unserer europäischen Kultur und Zivilisation zu besinnen, sind Heerscharen von Pseudo-Journalisten tagtäglich unterwegs und erwecken auch bei den Gläubigen den Eindruck, die Kirche habe den Zugang zu ihren Wurzeln verloren. Die Kirche sei an allem schuld, sei korrupt und mache alles falsch. Dabei müsse sie sich doch nur dem Zeitgeist anpassen, dann fände sie auch wieder Gnade in den Augen der Welt.

Die Kirche aber taugt nicht zum Sündenbock: Denn überall dort, wo man die Lehre der Kirche praktiziert, die zehn Gebote beachtet und nach dem Geist der Seligpreisungen lebt, kann eine Gemeinschaft und die Gesellschaft gut vorankommen. Dort wächst der Geist der Solidarität und des Zusammengehörigkeitsgefühls, es bildet sich ein Sinn für soziale Gerechtigkeit aus und Freiheit, Frieden und die Personenwürde eines jeden Menschen sind gewährleistet.
Die Kirche ist das Heilmittel für die Welt in unserer Zeit! Sie ist von Christus eingesetzt als Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Sie ist das pilgernde Gottesvolk. In Jesus Christus ist die Kirche „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (Lumen gentium 1). Der Materialismus aber, der letztlich nichts anderes beinhaltet als eine Leugnung Gottes, und der Atheismus sind die eigentlichen Ursachen der Krise unserer Zeit. Diejenigen, die noch nicht an Gott glauben, aber die Wahrheit aus ehrlichem Herzen suchen, sind uns näher als jene Getauften, die sich innerlich und äußerlich von der Kirche distanziert haben. Ihr Verhältnis zu Gott ist durch Negation, Ablehnung und Hass bestimmt und nicht durch die Sehnsucht nach der Wahrheit, wie das bei den Gottsuchern der Fall ist. Menschen, die Gott suchen, besitzen die Bereitschaft des Herzens, nicht aus Eigennutz und Selbstsucht heraus zu handeln, sondern sich vom Geist der Liebe prägen zu lassen. Wer sich so verhält, der ist nicht weit vom Reich Gottes.

In der Lesung aus der Apostelgeschichte (Apg 8,26-40) sind wir heute einem Mann begegnet, einem einflussreichen äthiopischen Hofbeamten, der zwar nicht von Geburt zum erwählten Gottesvolk Israel gehört, der sich aber trotzdem auf den schweren und gefährlichen Weg nach Jerusalem aufgemacht hat, um dort den wahren Gott Israels, den Schöpfer des Himmels und der Erde, anzubeten und zu verehren. Sein Geist und sein Herz sind offen, er forscht in den Heiligen Schriften, der Heilsgeschichte Israels und stößt dort auf den Propheten Jesaja, der hinweist auf Christus, der gekommen ist als der Erlöser der Welt. Christus ist der Mittler, der Heiland und Heilbringer, der die Kirche als Heilmittel prägt. Durch das erklärende Wort des Philippus wird dieser Mann zur Erkenntnis Christi geführt: In Jesus Christus, dem Gottesknecht, sind die Gnade und das Heil Gottes wirksam geworden und in die menschliche Geschichte eingetreten.

Christus hat sein Leben für uns dahingegeben, so wie der gute Hirt sein Leben hingibt für seine Schafe (vgl. Joh 10,11), damit wir vor allen Gefahren geschützt und in die Gemeinschaft des Heils hineingeführt werden.
Sein Heilswirken aber hat Christus den Menschen anvertraut. Er hat den Aposteln, die er aus dem Kreis der Gläubigen erwählt und berufen hat, Vollmacht gegeben, das Gottes Reich zu verkünden, sich den kranken, leidenden und suchenden Menschen zuzuwenden und durch das Wirken der Gnade Gottes in den Sakramenten jeden Menschen das Heil Gottes zu vermitteln. Hier liegt der Ursprung für eine rechte mentale und moralische Orientierung des Menschen, von der her es möglich ist, dass das politische, kulturelle und wissenschaftliche Leben gefördert und nicht als Instrument für die Selbstsucht Einzelner missbraucht wird und so destruktive Kräfte die Oberhand bekommen könnten.

Manch einer wird nun fragen: Warum schickt Christus für diese Aufgabe keine vollkommenen Engel vom Himmel, sondern erteilt schwachen und sterblichen Menschen den Auftrag, als Instrumente seiner Gnade zu wirken? Hat er sich in seiner Wahl etwa geirrt? Warum greift er nicht auf die großen Geister des Volkes Israel zurück, sondern beruft stattdessen Sünder und Zöllner, Menschen aus einfachen handwerklichen Berufen? – Das ist das Geheimnis der Weisheit Gottes, die stärker ist als alles Menschliche, stärker als alle Sünde. Gott ist Mensch geworden; darum wird das Evangelium auch durch Menschen verkündet. Keine engelgleichen Geschöpfe sondern Menschen sind es, die dazu berufen werden, die Kirche Gottes zu leiten, zu heiligen und zu lehren in der Kraft des Evangeliums.

So werden auch heute nach apostolischem Vorbild junge Männer aus der Mitte der Kirche berufen, damit sie durch Handauflegung und das Weihegebet Anteil an der Sendung, der Weihe und der Vollmacht Jesu Christi empfangen. So kommen das katholische Kirchen- und Amtsverständnis zum Ausdruck. Entscheidend für die Vergegenwärtigung Christi ist also nicht, dass einer herausragende Fähigkeiten im Reden oder Organisieren besitzt; entscheidend ist einzig und allein die Berufung durch Christus, die sich hier und heute durch den Bischof als Nachfolger der Apostel in der apostolischen Vollmacht ereignet. Wer berufen ist zu diesem Dienst, der kann ihn nur aus vollem und ganzem Herzen tun. Er darf niemals ein Funktionär sein, gleichsam „ein bezahlter Knecht“, dem an „den Schafen nichts liegt“ (Joh 10,13). Nur wer selber von der Liebe Christi getragen und erfüllt ist, kann auch das hohe, würdige und verantwortungsvolle Amt des Diakons, des Priesters, des Bischofs übernehmen und ausführen.

Wenn Priester im Herzen verbittern, dann liegt dies nicht am Amt, das ihnen übertragen worden ist, nicht an der Last, die einen Menschen überfordern würde, oder am Zölibat. Diese innere Verbitterung ist vielmehr das Ergebnis mangelnder Liebe, des nicht Treubleibens der Sendung Jesu Christi gegenüber. Christus überfordert keinen Menschen. Wo es uns Menschen an Kraft und Fähigkeit mangelt, da kommt er uns mit seiner Gnade zuvor. „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt“, so sagt der Apostel Paulus (Phil 4,13). Das trifft auch auf die zölibatäre Lebensform zu. Die zukünftigen Diakone versprechen dies heute aus freiem Herzen, damit sie so voll und ganz Diener Christi, Zeugen und Verwalter seiner Geheimnisse sein können, so wie der Apostel Paulus das Apostelamt und damit das Hirtenamt auch beschrieben hat (vgl. 1 Kor 4,1).

Wir wissen es und wollen es in dieser Stunde auch offen ansprechen: Diese Lebensform widerspricht dem „Dogma“, das die Gesellschaft von heute beherrscht, in diametraler Weise. Wir begegnen allerorten der Meinung, der Mensch finde seine Erfüllung nur dann, wenn er seine Sexualität auch auslebt. Ohne dies sei alles nutzlos. Hinter dieser Haltung verbirgt sich ein Menschenbild, das nur auf Eigennutz und Lebensgenuss ausgerichtet ist. Die Bestimmung des Menschen aber liegt darin, über sich und die eigenen Bedürfnisse hinauszuwachsen und ein liebender Mensch zu werden: als liebender Vater, als liebende Mutter, als liebender und fürsorglicher Priester und Seelsorger. Es gilt, sich voll und ganz für den Dienst am anderen einzusetzen.

Der Ursprung dieser Lebensform, die freiwillig auf sich genommen wird – Ich will es ganz deutlich sagen: Es gibt keinen Zwangs- und Pflichtzölibat! – wurde uns im heutigen Evangelium verkündet (Mt 19,3-12). Nicht das, was in irgendwelchen Programmen oder Memoranden gefordert wird, was sich in Umfrageergebnissen spiegelt oder von einer unverständigen Mehrheit für richtig gehalten wird, ist das Kriterium für eine Reform und Erneuerung der Kirche. Wir gehen vielmehr beim alleinigen und einzigen Lehrer der Christenheit in die Schule: nämlich bei Jesus Christus selber!

Im Evangelium wird der Herr gefragt, wie es eigentlich um die Ehe bestellt ist. Jesus räumt alle menschlichen Bedenken und Maßnahmen beiseite und führt uns zurück zum ursprünglichen Schöpfungswillen Gottes: So wie Gott sich den Menschen denkt, so ist es auch um uns Menschen bestellt: Der Mensch ist geschaffen als Mann und Frau, als Ebenbild Gottes. So wird die innere Liebe von Mann und Frau zueinander, die sich auch in Kreuz und Leid treu bleibt, zur Darstellung der Liebe Christi zu seiner Kirche. Sie wird zum Sakrament: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mt 19,6).

Daneben aber zeigt uns Jesus noch einen anderen Weg, der von allen, die diesen Weg wählen, in Freiheit angenommen werden, von den anderen aber auch mitgetragen werden muss: „Nicht alle können dieses Wort erfassen“, spricht Jesus, „sondern nur die, denen es gegeben ist. Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht, und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es“ (Mt 19,11f.). Gottes Gnade ist die Kraft, durch die ein Mensch einen solchen Weg „um des Himmelreiches willen“ in würdiger, guter und menschlich erfüllender Weise gehen kann. Der unverheiratete, zölibatär lebende Priester ist kein Junggeselle, der ein bequemes Leben sucht und sich weigert, Verantwortung für eine Familie zu übernehmen. Er führt auch kein freud- oder glückloses Leben, für das er bedauert werden müsste. Die freiwillige Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen verbürgt vielmehr die Möglichkeit, ganz frei zu sein für die Verkündigung des Evangeliums. Priestersein bedeutet, Christus als den Bräutigam der Kirche zu repräsentieren.

Das Verhältnis, das ein Vater zu seiner Familie hat, ist ein Bild für das Verhältnis des Priesters zu seiner Pfarrfamilie und zur ganzen Familie Gottes, die die Kirche ist. Ein Priester steht also nicht allein sondern inmitten der Menschen, die ihm als Brüder und Schwestern im Glauben anvertraut sind.

Darum wollen wir als gute katholische Christen verständig reden und handeln und unsere Priester nicht auf die Weise eines falschen Mitleids bedauern. Es gilt vielmehr die Würde ihres Amtes zu achten. Auch die Priester selber sind gefordert, die Würde ihres Amtes immer wieder neu zu erkennen. Das übertragene Amt darf nicht zur Überheblichkeit führen! Als Getaufte sind wir verbunden in einer geschwisterlichen Kirche, welche die Familie Gottes ist. Aus ihrer Mitte heraus beruft Christus einige, die deutlich machen, dass sich die Kirche nicht als ein von Menschen gemachter Verein weltlicher Prägung, sondern als Stiftung Gottes versteht.

Es ist eine große innere Erfüllung, wenn man den Menschen im Auftrag Jesu Christi das Evangelium, die frohe Botschaft von der „Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21) verkünden darf, wenn man Eltern begegnet, die die Gnade der Gotteskindschaft in der Taufe für ihre Kinder erbitten, wenn man Sündern im Namen Gottes und seiner Kirche das Wort der Vergebung zusprechen, Kranke besuchen, Trauernde trösten und Liebende auf den Weg in den heiligen Stand der Ehe begleiten darf. Es ist etwas Wunderbares, Menschen zum „Ja“ zu einer Familie ermutigen zu dürfen. Familie und Kinder sind für einen Katholiken keine Belastung und kein Hemmnis auf dem Weg zur Verwirklichung des eigenen Lebensentwurfs. Wie könnten wir denn allen Ernstes zu einem Kind, das uns von Gott geschenkt wird, sagen: „Du bist eine Last für mich“? Was könnte es Höheres geben in der Schöpfung Gottes als den Menschen? – Wir alle sind Kinder Gottes, untereinander aber sind wird Schwestern und Brüder! Dieses Wissen soll unser Denken und Handeln in allen Bereichen unseres Lebens prägen: in Familie und Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz, in Politik, Rechtswesen, Wissenschaft und Wirtschaft. Nur so kann das Ganze in Liebe zum Wohl aller aufgebaut werden.

So wollen wir nicht wie Zuschauer von außen auf diese jungen Mitchristen blicken, sondern als Gemeinde Christi und gläubige Christen diese heilige Handlung vollziehen. Es ist eine Stunde der Gnade für alle, die hier sind, für die Kirche von Regensburg, für die ganze Kirche Gottes.

Die Krise unserer Zeit in ihrer vielfältigen Gestalt kann gemeistert und überwunden werden, wenn wir von den richtigen Voraussetzungen ausgehen, wenn wir unser Herz von der Liebe Gottes erfüllen lassen, wenn wir bereit sind, in unserem Denken auch die guten Werke zu tun, die uns aufgetragen sind. So kann Gott, der Herr, in uns wirksam werden und wir können in einer guten Weise des Miteinanders als brüderliche und schwesterliche Gemeinschaft der Kirche seine Liebe in der Welt bezeugen.

Als Christen müssen wir uns voll und ganz mit der Kirche Gottes identifizieren. Unser Blick soll sich nicht zuallererst auf die Fehler und Schwächen der anderen richten, sondern vielmehr die eigenen Sünden in Blick nehmen. „Erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben“, so hat uns der Herr zu beten gelehrt (Mt 6,9).

Darum lassen wir, liebe Schwestern und Brüder, in unseren Herzen keine innere Distanzierung, keinen inneren Abstand zu unserer Kirche wachsen! Wir wollen in der Kirche bleiben und nicht aus ihr „auswandern“. Schauen wir auf Jesus Christus, unseren Lehrer, der unser Herz und unseren Verstand erfüllen will. Bei ihm finden wir das Heilmittel für die Krisen unserer Zeit: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft“ – „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 12,30f.). Das ist das Heilmittel für die Krisen unserer Zeit!
Diese neuen Diakone sind gesandt, das Heilige darzustellen, zu verkündigen und im eigenen Leben glaubwürdig zu machen, so dass die Kirche zusammenwächst zum einen Volk Gottes, das am Ende im Heiligen Geist vollendet werden wird. „Ihr seid das Licht der Welt“, hat Jesus Christus gesagt (Mt 5,14), der gekommen ist, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Der Diakon, der Priester, der Bischof sind SEINE Diener. Amen."