prozessionsstangen

Schmuckstücke im Bistum: Die Prozessionsstangen in Vilseck

Die „Stangerlsitzerheiligen“


Vilseck, 20. April 2026

Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer Reihe „Schmuckstücke im Bistum“ stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. Für unsere aktuelle Folge hat unser TV-Redakteur Harald Beitler den Kunsthistoriker nach Vilseck begleitet. In unserem TV-Beitrag zeigt uns Daniel Rimsl dort die traditionsreichen Prozessionsstangen.

 

Fronleichnam heißt in Bayern auch der Prangertag: Das Allerheiligste wird an diesem Tag in der Monstranz, dem größten und prächtigsten Behältnis, gezeigt und durch die Straßen getragen, Blumenteppiche werden ausgestreut und die Häuser geschmückt. Größtmögliche Pracht entfaltet sich an diesem Tag.

Auch die Zünfte, die örtliche Zusammenschlüsse der einzelnen Handwerke, zeigten sich an diesem Tag. Spätestens seit der Barockzeit war es verbreitet, dass sie bei der Prozession künstlerisch gestaltete Stangen mittrugen, auf denen ihre Zunftzeichen und Schutzpatrone sichtbar waren. Entsprechende Heiligenfiguren nennt man daher umgangssprachlich auch Stangerlsitzerheilige. 

In der Vilsecker Pfarrkirche St. Ägidius haben sich insgesamt 20 Stangen erhalten, die paarweise als Gegenstücke gestaltet sind. Sie stammen im Wesentlichen aus dem 18. Und 19. Jahrhundert. Eine große Besonderheit sind aber zwei Stangenaufsätze in Konsolenform, auf denen je eine Kerze aufgesteckt werden kann: Jeweils drei Engel sind um sie aufgereiht, die jeder einen Schild halten, auf denen vielleicht Zunftzeichen abgebildet waren. Sie stammen noch aus der Spätgotik, wahrscheinlich aus dem frühen 16. Jahrhundert. Sie sind die ältesten Stücke der Vilsecker Prozessionsstangen.

Aus konservatorischen Gründen werden die Stangen nicht mehr bei Prozessionen mitgeführt, aber von Fronleichnam bis Oktober werden sie in der Pfarrkirche aufgestellt und können besichtigt werden.

Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz
Fotos: © Daniel Rimsl, © Harald Beitler
(jas)



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