Wallfahrer ziehen ein

Konnersreuther Fußwallfahrt

120 Kilometer Fußmarsch


Regensburg/Konnersreuth, 29. Mai 2026

Die Pfarrei Konnersreuth pilgerte zum 220. Mal nach Marienweiher. 46 Fußwallfahrer nahmen die insgesamt 120 Kilometer Fußmarsch auf sich. Der 69-jährige Michael Betzl pilgert seit 50 Jahren mit. Vorbeter Peter Plaß berichtet von der jüngsten Wallfahrertruppe aller Zeiten. Heuer waren 20 Jugendliche dabei.

Eine der wohl ältesten Fußwallfahrten ist die Wallfahrt an Pfingsten von Konnersreuth ins oberfränkische Marienweiher. Heuer fand die dreitägige Fußwallfahrt zum 220. Mal statt. Mit dabei waren 46 Pilger, wobei in den letzten Jahren die Zahl der Jugendlichen immer mehr zunimmt. Heuer waren zwanzig Jugendliche im Alter zwischen 16 und 26 Jahren dabei", freut sich Vorbeter Peter Plaß über das wachsende Interesse. Keine Frage, die Konnersreuther Fußwallfahrt erlebt eine Renaissance, nachdem es schon mal eine Zeit gab, wo das Interesse nachzulassen schien. Und es gab keinen einzigeb Ausfall oder Aufgabe.

Beginn war am Freitagmorgen um 4 Uhr mit einem Gottesdienst in der Konnersreuther Pfarrkirche, zelebriert von Ortspfarrer Pater Benedikt Leitmayr. Gestärkt mit dem Pilgersegen ging es auf den rund 60 Kilometer langen Fußmarsch. Pater Benedikt Leitmayr ließ es sich nicht nehmen, persönlich die Strapazen mit auf sich zu nehmen. Den Hinweg nach Marienweiher ging es komplett mit, auf dem Rückweg schloss er sich in Bernstein der Wallfahrergruppe an, schließlich musste er an Pfingsten in Konnersreuth Gottesdienste halten. Auf dem Hinweg macht die Gruppe an fünf Stationen Halt und Pause. Rast ist in Thiersheim, Röslau, Weißenstadt, Zell und Stammbach. Die Organisation der Pausen und die Verpflegung wird von Stefan Siller organisiert, der mit einem Kleinbus die Wallfahrer begleitet und sie sichert. Siller organisiert in Marienweiher auch die Unterkünfte für die Pilger, wobei viele schon Stammquartiere dort haben. Das Wetter von Freitag bis Sonntag war schon herausfordernd, 25 Grad und blauer Himmel, kein Wind. "Du musst da unterwegs viel trinken", sagt Peter Plaß, der 63-jährige gebürtige Konnersreuther war heuer zum 38. Mal mit dabei, seit 16 Jahren ist er Vorbeter. "Ich mache dies aus Überzeugung, aus meinem Glauben heraus", sagt Plaß, der seit vielen Jahren im oberfränkischen Schirnding lebt und dort auch als Pfarrgemeinderat und Lektor mitwirkt. Das Besondere heuer, nicht nur Peter Plaß war dabei, sondern auch seine Brüder Hubert, Gerhard und Thomas. "Wenn du einmal mit dabei warst, freust du dich schon auf nächstes Jahr, dass ist wie eine Sucht", sagt Peter Plaß, der mit viel Herzblut und Leidenschaft dabei ist. 

Am Freitagabend wurde die Konnersreuther in der Basilika von Marienweiher von Pater Benedykt, einem polnischen Geistlichen, begrüßt. "Der Einzug in die Basilika ist immer wieder ein erhebendes Gefühl", sagte Peter Plaß. Danach wurden die Konnersreuther auf die einzelnen Quartiere verteilt. Der Samstag begann um 9 Uhr mit einem Gottesdienst und anschließendem Kreuzweg rund um die Basilika. Um 17.30 Uhr war Andacht im Freien vor der Lourdesgrotte, gestaltet von Peter Plaß. Höhepunkt dann um 19.30 Uhr der Festgottesdienst mit Bambergs Diözesanbischof Herwig Gössl in der Basilika. Insgesamt zwölf Geistliche, darunter auch Pater Benedikt Leitmayr, feierten den rund zweieinhalbstündigen Gottesdienst mit Lichterprozession. Höhepunkt war die Ehrung für Fußpilger, die schon seit Jahrzehnten mit dabei sind. Michael Betzl, geboren in Geierhut (Markt Konnersreuth), er lebt heute in Münchenreuth geht seit 50 Jahren mit. Seine Laufleistung für die Fußwallfahrt hat sich auf kaum glaubliche 6000 Kilometer gesteigert. Weiter wurden geehrt, Petra Grillmeier 35 Mal, Michaela Günthner 30 Mal und Julia Janke für 20 Mal. Für viele war der Gottesdienst ein erhebendes Gefühl, wie sie nach der Rückkehr betonten. Am frühen Sonntagmorgen machten sich die Pilger wieder auf den Heimweg, Konnersreuth erreichten sie pünktlich um 20 Uhr, wo sie von einer großen Menschenmenge schon erwartet wurden. Beim Durchmarsch durch Arzberg ließ Pfarrer Stefan Prunhuber zu Ehren der Konnersreuther gar die Kirchenglocken erklingen. Beim Einzug in die Pfarrkirche St. Laurentius kullerten über so manchem Gesicht Freudentränen, über die glückliche Heimkehr.

Am Dientagmorgen berichteten einige Teilnehmer über ihre Erfahrungen. Peter Plaß, der förmlich für die Wallfahrt brennt, sagte, "wenn dich einmal das Fieber gepackt hat, dann willst du immer wieder mitgehen". Schon zum fünften Mal dabei war die 21-jährige Maria Grillmeier, die als Technikerin am Amt für Ländliche Entwicklung arbeitet. Ihr gefällt vor allem der Zusammenhalt der Gruppe. Mit dabei waren heuer noch ihre beiden Schwestern, die 17-jährigen Zwillinge Lisa und Eva, sowie ihre Mutter Petra, die heuer das 35. Mal dabei war. Die 16-jährige Realschülerin Lena Richtmann ging heuer zum dritten Mal mit, mit dabei noch ihre Schwester Paula. Beide genossen die drei Tage voller Glauben und den Zusammenhalt. Zum vierten Mal dabei war der Pechtnersreuther Lukas Forster. "Mich hat Michael Betzl motiviert, doch einmal mitzugehen, also wagte ich es". 

Auch er bezeichnet die Gemeinschaft einfach als großartig. "Aus unserer Pfarrei Münchenreuth waren wir heuer zu siebt", sagt Forster, der weiter betont, "es muss weitergehen mit unserer Kirche, da gehört dieses Erlebnis einfach mit dazu". Schon zum 30. Mal machte sich heuer die 51-jährige Michaela Günthner auf den Weg. "Als ich das erste Mal mitging war ich 16 Jahre alt. Ich bin immer wieder von der Fußwallfahrt ergriffen, es ist schon etwas Besonderes, hier dabei zu sein". Weiter sagte sie, "die Fußwallfahrt ist Wellness für die Seele, ein Wallfahrt entschleunigt, die Gemeinschaft schweißt zusammen". Fast alle haben Michael Betzl zum Vorbild, "der 69-jährige reißt uns immer wieder mit, selbst wenn wir mal ein Tief erleben", sind sie überzeugt. Vorbeter Peter Plaß stellte vor allem das Positive heraus, "eine Wallfahrt muss man spüren und erleben". Für Maria Grillmeier war vor allem der Einzug in die Konnersreuther Kirche recht emotional, wo sie von ihrer Familie und Freunden erwartet wurde. "Gleichzeitig war ich aber auch traurig, dass es wieder vorbei ist", sagte sie. Übrigens gab es in der Konnersreuther Pfarrkirche stehende Ovationen für Michael Betzl, als ihn Pater Benedikt Leitmayr nochmals für 50 Jahre Fußwallfahrt ehrte. "Da lief uns allen schon die Gänsehaut runter", sagte Michaela Günthner. Mit dem Lied "Leise sinkt der Abend nieder" endete die Dankandacht, "spätestens da brechen alle Dämme", sagte Michaela Günthner. Alle sind sich sicher, dass sie auch im kommenden Jahr wieder mit dabei sind.

Text und Fotos: Josef Rosner 
(chb) 



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