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Zur Neuigkeit
Schmuckstücke im Bistum: Der Taufstein in Chamerau
Getauft im Kreise der Apostel

Chamerau/Regensburg, 29. Mai 2026
Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer Reihe „Schmuckstücke im Bistum“ stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserem aktuellen Beitrag führt uns der Kunsthistoriker zu einem frühgotischen Taufstein in Chamerau.
Die Chamerauer Pfarrkirche St. Peter und Paul liegt direkt am Ufer des Regens. Schon von außen sieht man ihr deutlich zwei Bauphasen an: im Osten Langhaus, Chorraum und Turm, die nach Zerstörungen im 30-jährigen Kriege 1669 wieder errichtet wurden; und im Westen ein großer achteckiger Anbau mit Zeltdach, der um 1960 als Erweiterung errichtet wurde. Das Innere des Altbaus weist eine einheitliche Ausstattung im Stile des Rokoko aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts auf, die Ausstattung des Neubaus trägt mit der Emporenbrüstung und dem großen Christophorusfenster eine moderne Formensprache.
In diesem Neubau, unter der Empore, befindet sich aber auch das älteste Ausstattungsstück der Chamerauer Kirche: ein frühgotischer Taufstein aus Granit, der vermutlich in der Mitte des 13. Jahrhunderts geschaffen wurde. Imposant ist seine Größe, und beeindruckend ist seine Gestaltung: Unter einer Arkade aus Kleeblattbögen mit unterschiedlich gestalteten Stützen sind die zwölf Apostel aufgereiht. Ihre Erscheinung ist archaisch, dennoch weisen sie eine individuelle Gestaltung auf. Viele tragen Bücher, Petrus, zugleich der Kirchenpatron, trägt einen großen Schlüssel; ein Apostel streckt zu einem anderen die Hand aus, als suchte er das Gespräch mit ihm. Der Kreis der Apostel versteht sich so als symbolische Einfassung des Taufwassers: Die Jünger Jesu empfangen die neuen Christen, die durch die Taufe in die Kirche aufgenommen werden.
Wie Chamerau zu seinem großen und aufwendig gestalteten Taufstein kam, ist nicht bekannt. Es fällt auf, dass sich vergleichbare Becken in der Chamer Gegend häufen: Chammünster, die Missionszelle für den Oberen Bayerischen Wald, verfügt über gleich zwei große Taufsteine; einer davon – wahrscheinlich der ältere von beiden – ist auch mit Darstellungen der Apostel versehen und dürfte nur wenige Jahrzehnte älter sein als der Chamerauer Stein. Und auch die Kötztinger Pfarrkirche verwahrt einen ähnlichen, aber etwas jüngeren Taufstein: Auch an seiner Wandung sind unter frühgotischen Arkaden Figuren aufgestellt, allerdings nur neun, die eine Darstellung der Kreuzigung begleiten.
Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz, Fotos: © Kunstsammlungen im Bistum Regensburg
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