Die Guntherfestspiele in Rinchnach

Brauchtum in Ostbayern: Die Guntherfestspiele in Rinchnach

Vom Grafen zum Einsiedler


Regensburg, 29. Mai 2026

Der Ort Rinchnach, im Bayerischen Wald allen als „Klouster“ bekannt, kann auf eine über 1000-jährige Geschichte zurückblicken. Damit ist Rinchnach die älteste Kulturstätte des Bayerischen Waldes. Der ehemalige Klosterort ist stolz auf seine Geschichte, die heuer erstmals nach fünfzehn Jahren mit den historischen Guntherfestspielen auf der imposanten Freilichtbühne im Ortsteil Gehmannsberg wieder zum Leben erweckt wird.

Dunkle Zeiten

Das Stück führt die Zuschauer zurück in das Jahr 1011 und gibt einen Einblick in das Leben des Ortsgründers St. Gunther. Im Jahr 1954 wurde das Freilichtspiel zum ersten Mal aufgeführt und ist damit das älteste seiner Art im Bayerischen Wald. Über hundert begeisterte Laienspieler und eine aufwändige, moderne Ton- und Lichttechnik drehen im ehemaligen Steinbruchgelände die Zeit um über 1000 Jahre zurück. Es ist eine dunkle, geheimnisvolle Zeit, in der dieser Gunther gelebt hat, und die Zuschauer werden Zeugen eines Bruderkampfes um eine hübsche Hofdame, erleben ein großes Fest am Fuße der Burg, einen wahnsinnigen Mönch und einen ganz besonderen Koch.

Vom Grafen zum Mönch

„Gunther“ beginnt im Jahr 977 in Thüringen und endet 1040 in Rinchnach. Die fünf Akte des Stückes zeigen fünf verschiedene Lebensstationen der Hauptfigur auf. Deshalb wird die Rolle Gunthers auch von drei Spielern dargestellt. 
Reichsgraf Gunther von Thüringen gehört der Führungsschicht des Hochadels an. Bis zu seinem 50. Lebensjahr geht ihm sein ritterliches Leben über alles. Er bekleidet hohe weltliche Ämter, nimmt an Heerzügen nach Italien teil und erwirbt sich Verdienste um das Reich. Doch dann tritt plötzlich eine innere Wandlung ein. Gunther trennt sich von allen weltlichen Gütern und Freunden und tritt als Mönch in den Benediktinerorden des Klosters Niederaltaich ein. Sein großes Ziel ist die Rodung des Nordwaldes, heute der Bayerische Wald, um hier neues Weide- und Ackerland zu schaffen. Schließlich gründet Gunther im Jahr 1011 in Rinchnach ein Kloster. 
Doch sein Leben im Kloster war nicht leicht. Das Stück erzählt die wechselvolle Geschichte des Mönchs. Noch immer eingebunden in die Politik seiner Zeit wird er mit den Gefahren des Urwaldes, den Problemen der Mitbrüder und den ersten Siedlern von Rinchnach konfrontiert.

Historische Fakten

Der spätere Mönch Gunther war ursprünglich ein thüringischer Gaugraf, über dessen Herkunft keine gesicherten Daten überliefert sind. Er wurde möglicherweise um 955 geboren. Am Weihnachtstag 1005 entsagte er dem weltlichen Leben und trat dem Benediktinerorden bei. Nach einer Pilgerreise nach Rom wurde Gunther ein Jahr später als Novize im Kloster Niederaltaich aufgenommen. 1008 ging er als Einsiedler in den Bayerischen Wald und lebte einige Jahre auf dem Ranzigerberg bei Lalling, bis er schließlich 1011 mit einer Gruppe von Benediktinern tiefer in die Wälder zog, um dort ein Kloster zu errichten. Nach acht Jahren waren die Rodungs- und Bauarbeiten soweit abschlossen und am 29. August 1019 konnte der Passauer Bischof die Weihe vornehmen. 

Empfohlener Heiliger

Das Kloster war zu dieser Zeit die erste Siedlung im mittleren Bayerischen Wald und wurde zum Ausgangspunkt für die Kolonisation des Bayerischen und Böhmerwaldes. 
Im hohen Alter gab Gunther 1040 die Leitung des Klosters ab und wanderte in den Böhmerwald, wo er sich in einer unbesiedelten Gegend am Bayerischen Steig als Einsiedler niederließ. Er starb am 9. Oktober 1045 in seiner Einsiedelei unterhalb des Guntherfelsens am 1006 m hohen Guntherberg (Březník), der heute im tschechischen Nationalpark Šumava, nah an der Grenze bei Bayerisch Eisenstein liegt. 

Der Felsen ist ein wichtiges Etappenziel am Gunthersteig, einem Pilgerweg, der von Niederalteich bis nach Böhmen führt. 

Gunther ist bis auf den heutigen Tag nicht offiziell heiliggesprochen. Seine Verehrung als Heiliger wurde jedoch von verschiedenen Päpsten, darunter Urban VIII. im Jahr 1634, gutgeheißen und empfohlen. Papst Benedikt XIV. bezeichnete ihn im Jahr 1753 in einem Schreiben als „Heiliger Gunther“.

Sein Gedenktag ist der 9. Oktober.


Premiere der Guntherfestspiele in Rinchnach ist am 30. Mai.

Weitere Vorstellungen finden jeweils am 3., 5., 6., 11., 12., 13., 19. und 20. Juni statt.

 

Text: Judith Kumpfmüller

Bild: Gemeinde Rinchnach



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