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Zur Neuigkeit
Schmuckstücke im Bistum: Die Heilsgeschichte in sieben Fenstern
Die Buntglasfenster in Neunburg vorm Wald

Neunburg, 30. März 2026
Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer neuen Reihe stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserer aktuellen Folge stellt uns Daniel Rimsl die Glasfenster in der Pfarrkirche St. Josef in Neunburg vorm Wald vor.
Der Innenraum der Pfarrkirche St. Josef in Neunburg vorm Wald bietet ein seltsames Bild: An ein gotisches Langhaus – eine dreischiffige Basilika aus dem 15. Jahrhundert – fügt sich im Osten ein weiteres Langhaus an. Dieses wurde 1965–67 nach Abbruch des ursprünglichen Chorraumes erbaut, um der angewachsenen Pfarrgemeinde mehr Platz zu bieten. Der Altar befindet sich freistehend an der Nahtstelle der beiden Teilräume; der etwas richtungslos erscheinende Raum ist also auf seine Mitte hin zentriert. 1967, nach Abschluss dieser durchgreifenden Maßnahme, wurde die Kirche dem heiligen Josef geweiht; davor hatte sie Georg zum Patron.
Der Neubau erhielt eine Ausstattung mit farbigen Glasfenstern, die nach Entwürfen des vielbeschäftigten Ottobeurer Malers Erich Schickling (1924–2012) ausgeführt wurden und 1991 abgeschlossen waren. Besonders eindrucksvoll sind die großen, figurenreichen Fenster in der Südwand, die mit Darstellungen aus dem Alten und dem Neuen Testament gefüllt sind. In sieben Fenstern breitet sich hier die biblische Heilsgeschichte von ihrem Anfang bis zum Ende aus.
Im ersten Fenster von Osten erscheint die Schöpfung: Die Ureltern stehen im Garten Eden, umgeben von den Tieren des Wassers und des Landes.
Das zweite Fenster stellt den Baum der Erkenntnis und die Vertreibung aus dem Paradies dar. Kain erschlägt Abel. Rechts stürzt der Tum zu Babel um; ein Schlüsselkind steht sinnbildlich für die Entzweiung der Menschen.
Das dritte Fenster zeigt die Prüfung Abrahams, der bereit ist, seinen Sohn Isaak zu opfern; unten die Arche Noah und die Rettung des kleinen Moses durch die ägyptische Königstochter; rechts Moses, der das rote Meer teilt, darüber der Empfang der Gesetzestafeln am Berge Sinai und die Eherne Schlange, links oben den Traum Jakobs von der Himmelsleiter.
Die folgenden zwei Fenster markieren den Übergang vom Alten zum Neuen Bund: Zuerst der Stammbaum Jesu aus der Wurzel Jesse, des Vaters des Königs David, umgeben von den vier großen Propheten Daniel, Jeremias, Ezechiel und Jesaias.
Im fünften Fenster steht links oben der alttestamentliche Priester Zacharias, der Sohn Johannes‘ des Täufers. Darunter ist der Tanz der Salome dargestellt, die den Kopf des unbequemen Mahners fordert. Der rot Gekleidete mit dem Pferd könnte als römischer Soldat daran erinnern, dass Israel damals unter römischer Besatzung stand. Die Hauptszene darüber stellt Jesus in der Wüste dar, der vom Satan versucht wird, der als rote Gestalt aus den Flammen aufsteigt.
Im sechsten Fenster erscheint Jesus groß vor dem Segel eines Schiffs, was für Jesu Predigt vom Boot aus oder für den Sturm auf dem See stehen kann oder auch allgemeiner für die Kirche als das Schiff Petri. Von links wird der blinde Bartimäus herangeführt, den Jesus heilen wird. Oben sind die Hochzeit zu Kana und das Gebet am Ölberg dargestellt. Rechts erscheint Maria mit dem Kind in Gestalt der Vision aus der Offenbarung des Johannes, bekleidet mit der Sonne, den Mond zu Füßen; zugleich ist die Darstellung überblendet mit zwei weiteren Glaubensgeheimnissen: zum einen mit der unbefleckten Empfängnis, also dem Freisein von Erbsünde, worauf die Schlange hinweist, auf die Maria tritt; zum andern mit der jungfräulichen Geburt und die Zeugung Jesu durch den Heiligen Geist, der in der Gestalt der Taube auf Maria zufliegt.
Das siebte Fenster stellt unter der Segenshand Gottes links oben den barmherzigen Samariter und den zwölfjährigen Jesus im Tempel dar. Den größten Raum nimmt das letzte Abendmahl mit der Fußwaschung ein, umgeben von einem Weinstock. Darüber begleitet Christus die zwei Jünger nach Emmaus.
So begleitet die biblische Erzählung den Neubau der Neunburger Pfarrkirche vom Eingang weg und zieht sich bis zum Altar. Dabei fängt sie buchstäblich bei Adam und Eva an und schließt mit der Offenbarung auch das letzte Buch des Neuen Testaments ein. In den letzten Jahren erhielt der Neubau durch den Einbau einer großen Empore ein neues Gesicht, eine Neugestaltung des Altbaus steht noch aus. Die großen erzählfreudigen Fenster prägen weiterhin den Raum, entweder als große Bilderzählung hoch über den Köpfen der Kirchenbesucher oder als Farbenspiel, das die Mittagssonne auf den Kirchenboden wirft.
Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz, Fotos: © Diözese Regensburg, Abteilung Kunst und Denkmalpflege / Daniel Rimsl, © Siegfried Wameser
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