News Bild Mitleben in der Pfarrei, um richtig dabei zu sein - Gelungene Integration einer syrischen Familie in Poppenricht

Mitleben in der Pfarrei, um richtig dabei zu sein - Gelungene Integration einer syrischen Familie in Poppenricht

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Auch wenn die Flüchtlingszahlen heuer bei weitem nicht mehr das Ausmaß des Vor-jahres erreichen – die vor allem politische Diskussion hält weiter an und beeinflusst unter anderem auch Wahlen. Der Aspekt Integration der Flüchtlinge ist nicht kurz-, sondern meistens mittel- bis langfristig zu sehen. Integration ist das wesentliche Element in der Frage, ob tatsächlich ein gutes Zusammenleben von Einheimischen und zunächst noch Fremden gut möglich ist. Ein positives Integrationsbeispiel, bei dem eine Pfarrei auf der einen und eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie (zunächst noch) auf der anderen Seite gleichermaßen im Integrationsprozess aktiv sind, ist aus der Pfarrei St. Michael in Poppenricht bei Amberg zu vermelden.

 

Drusen? Schon etwas weniger alltäglich

Dass die Familie – Vater, Mutter, drei Töchter, ein Sohn – aus Syrien stammt, ist noch nichts Außergewöhnliches. Doch die Zugehörigkeit zur Religion der Drusen ist da schon etwas weniger alltäglich. Auch diese Religion steht in Syrien, so der Familienvater, im Visier sowohl von Staatspräsident Baschar al-Assad wie auch der Terrormiliz Islamischer Staat. Daher soll in diesem Beitrag auch nicht der Familienname genannt werden.

Bereits im Jahr vor dem großen Flüchtlingsstrom, das heißt 2014, flüchtete Familie S., allerdings auf einer Route über Schweden. Im Herbst 2014 kam sie vom Erstaufnahmelager in Gebenbach nach Poppenricht. Eine Wohnung fand die Familie als Mieter in einem Haus der Gemeindereferentin Regina Probst. Daraus ergaben sich auch erste Kontakte zur Pfarrei. In der Folge liefen vielerlei Unterstützungsaktionen an, die etwa Möbel, Küche für die Wohnung, Kleidung usw. betrafen. „Die Hilfsbereitschaft der Pfarrei war sehr groß, es wurde viel organisiert, von der Katholischen Landjugend bis zur Kirchenverwaltung“, sagt Pfarrer Dominik Mitterer im Rückblick auf diese Tage. Und das Familienoberhaupt bestätigt: „Es waren und sind sehr nette Kontakte und eine große Hilfsbereitschaft.“

 

Nette Kontakte? Dabei ist es nicht geblieben

Dabei ist es aber nicht geblieben, denn Familie S. wollte mehr als nur in dem ca. 3400 Einwohner zählenden Ort leben. Um richtig dazugehören, braucht es die Teilnahme und Mitwirkung am Gemeindeleben – ein Teil des Ortes zu werden. Und in einem doch eher kleinen Ort wie Poppenricht ist die Kirche bzw. die Pfarrgemeinde noch eine Einrichtung, in der sich – in den unterschiedlichen Vereinen, Gruppen und Ver-bänden – die Bewohner organisieren und engagieren. Eine syrische Familie mit drusi-scher Religion in einer oberpfälzischen katholischen Pfarrei? „Auch die Drusen glau-ben an Jesus, Maria und die weiteren Inhalte. Wir haben ein Leben lang das Kreuz getragen, in der Schule darüber gehört und gelernt“, erläutert die älteste der drei Töchter. Kontakte gab es in Syrien – wenn überhaupt – nur zu Vertretern der Ostkirche. „In Schweden sind wir mit Christen des Westens in Berührung gekommen. Aber die Kontakte haben sich dort nicht vertieft“, weiß die mittlere der drei Schwestern.

 

Der Pfarrer stimmte beim dritten Anlauf zu

Dies war für die Familie S. nun in Poppenricht möglich. Sie besuchte die katholischen Gottesdienste, die Begegnungen und Kontakte mit den Pfarrangehörigen intensivierten sich, und so entschloss sich die Familie mit Ausnahme des Vaters, zum römisch-katholischen Glauben überzutreten. Damit verbunden ist der Empfang der Sakramente Taufe, Erstkommunion und Firmung. Pfarrer Mitterer stimmte erst beim dritten Anlauf der Familie zu. Da wurde ihm bewusst, dass die vier Kinder und die Mutter es ernst meinen. Bereits im November 2015 empfingen die Mutter, der Sohn und die drei Töchter Taufe und Erstkommunion, wobei sich Angehörige der Pfarrei und der Schule als Taufpaten zur Verfügung stellten. Mit Büchern und Broschüren in arabischer Sprache konnten die fünf gut auf die zwei Sakramente vorbereitet werden.

 

Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker begonnen

Stichwort Sprache: Erwachsene Menschen haben größere Probleme, die deutsche Sprache zu erlernen, während die vier Kinder bereits fast fließend Deutsch sprechen. Der 18-jährige Sohn hat im September eine Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker begonnen, die älteste der drei Töchter besucht die 10. Klasse des Gymnasiums, die mittlere Tochter die 6. Klasse des Gymnasiums, dazu auch noch den Pfarrjugendchor, die Pfadfinder und ab Mitte Oktober die Ministranten. Klar, dass sie schon viele Freunde in Poppenricht hat. Das Nesthäkchen der Familie ist in der Kindertagesstätte der Pfar-rei (damit die Eltern den Deutschkurs besuchen können). Dort ist sie, wie es Pfarrer Mitterer ausdrückt, „voll und ganz integriert“.

 

Problem: Anerkennung des Führerscheins

In gewissem Umfang gilt das auch für die Eltern. Die Mutter ist als Reinigungskraft in der Pfarrei tätig und singt im Kirchenchor (Frauenchor) der Pfarrei aktiv mit. Für den Vater vermittelt die Pfarrei immer wieder diverse Hausmeister- und Gärtnerarbeiten. Er besucht derzeit einen Sprachkurs, der viel Zeit und Energie kostet. In Syrien war der Familienvater in der Nähe von Damaskus als selbständiger Taxiunternehmer tätig. Die Anerkennung der Führerscheine, die in Syrien zeitlich befristet ist, ist hier ein Problem, das wohl nicht so leicht zu lösen sein wird. Für die Mutter läuft die Suche nach einer Tätigkeit im Bereich Altenpflege, der Vater ist für alles im handwerklich-technischen Bereich offen. „Hauptsache weg vom Jobcenter!“, so seine Auskunft.

 

Kuchenbacken oder Kochen von Speisen

Immer wieder gibt Familie S. die ihr erwiesene Unterstützung und Hilfsbereitschaft zurück, sei es durch das Kuchenbacken oder Kochen von Speisen für Veranstaltungen der Pfarrei oder durch Taten, die nicht immer öffentlich werden. Als Gemeindereferentin Probst krank war, hat die Mutter der Flüchtlingsfamilie die Wäsche der Kirchenmitarbeiterin gewaschen und gebügelt – ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Einer der bisherigen Höhepunkte war heuer am 20. Juli die Firmung in der Pfarrei St. Michael, die Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer vornahm. Dabei spendete er auch den fünf Mitgliedern der Familie S. das Sakrament der Firmung. Er erfuhr die Geschichte der Familie und ihre bisherige positive Integration in die Pfarrei und den Ort.

 

Bilanz des Pfarrers: klarer Glücksfall

„Ein klarer Glücksfall“, bilanziert Pfarrer Mitterer, dem durchaus bewusst ist, dass dies ein Ausnahmefall ist angesichts der Überschaubarkeit an Flüchtlingen in Poppenricht. „Die Familie ist bedingungslos gastfreundlich. Man wird immer eingeladen, obwohl die Familie nicht viel hat. Aber sie hat ein offenes Herz für andere.“ Gerade dieses Geben und Nehmen auf beiden Seiten scheint der Erfolg der hier sich vollziehenden Integration zu sein.