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Zur Neuigkeit
Mit einem Almanach über die Pläne Gottes nachdenken
Vom christlichen Geist Europas
Regensburg, 8. Februar 2026
Die Anthropologie Josef Piepers ist Thema im Lepanto-Almanach 2025/26. Der Autor, Daniel Zöllner, setzt bei Immanuel Kant und Thomas von Aquin an, um die Gedanken dieses bedeutenden katholischen Theologen zu erklären und zu kommentieren. Er extrahiert drei anthropologische Thesen, die er interpretiert, in Beziehung setzt und zu einem Angebot, gerade im Glauben eine höhere Erkenntnis zu erlangen, hinführt.
Zöllners erste These lautet: „Der Mensch lebt als einziges Wesen aus dem Ineinander von Umwelt und Welt.“ Er weist darin den Engeln als Geistwesen eine eigene Rolle zu und stellt sie den Tieren gegenüber. Für die katholische Alltagspraxis hat das große Bedeutung. Er greift dazu auf die Summa Theologiae des Thomas von Aquin zurück, I, 76. Zöllner zitiert und interpretiert eine bereits 1973 in einer Vorlesung aufgestellte These Piepers: „Der Mensch kann den Schritt tun an einen Ort, an dem er im Angesichts des Universums steht.“
Der Mensch kann sich nach Pieper und Zöllner durch Philosophieren den geistigen Weg offenhalten, über den die Offenbarung der Schrift ihn erreicht. Regelrecht ins Auge fällt dabei die Zwischenüberschrift, in der der Mensch als „Wesen im Übergang“ bezeichnet wird. Zöllner erkennt die zentrale Bedeutung der Zeitlichkeit, der der Mensch unterworfen ist – letztlich auf dem Weg zum leiblichen Tod, aber auch auf dem Weg zur Überzeitlichkeit und zur Erlösung. Der Glaube ist demnach eine auf Gott bezogene und dezidiert auf das verheißene ewige Leben setzende Form des Philosophierens.
Grundlage des Christentums
Die Wahrheitsfähigkeit des Menschen steht im Zentrum des dritten Absatzes. Diese sieht Zöllner als Grundstein einer Ethik, die wiederum durch die Offenbarung des dreieinigen Gottes mit Inhalt und Leben gefüllt wird – für denjenigen, der zur Erkenntnis gelangt ist. Diese Inhalte werden zuerst durch die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß beschrieben – und das zu einem Zweck: „Philosophie und religiöser Kult vereinigen sich im Protest gegen den letztlich totalitären Anspruch der Arbeitswelt an den Menschen.“ So begründet Zöllner, warum der Mensch, wie er schreibt, „einen Raum der Freiheit inmitten des totalen Anspruchs von Kapital, Technik und Medien“ behalten muss. Höchst aktuell!
Im Lepanto-Almanach folgt ein Text, der auf Zöllner Ausführungen aufbaut. Christoph Fackelmann ist der Autor, und er wählt einen Zugang von der Lyrik her. Die von ihm gewählte Überschrift enthält bereits einen Widerspruch: „Die Sprache spricht als das Geläut der Stille“. Als Ausgangspunkt für diesen Satz Martin Heideggers identifiziert Fackelmann Georg Trakls „Winterabend“. Er durchmißt dann einen ganzen Kosmos des Nachdenkens über die Sprache an sich und deren Wirkung, die er in durchaus religiöser Dimension auf die Natur des Menschen bezieht. Fackelmann schreibt mit einer Tiefe, die wohl nur durch mehrmaliges Lesen und Durchdenken seiner Aufsätze zu ermessen ist.
Kirchliche Bezüge
Richard Reschika führt seine Leser im aktuellen Lepanto-Almanach sodann in den „Bann der byzantinischen Idee“ – so umschreibt er den Kulturkonservatismus Konstantin N. Leontjews, der Grundlage und Anschauungsobjekt seines Aufsatzes ist. Nach einem langen Einstieg, in dem er das durchaus ereignisreiche, ja, wilde Leben Leontjews abhandelt, rückt er diesen weltgewandten Russen, der als Arzt im Krimkrieg arbeitete und später lange als Diplomat vor allem im griechischen Raum wirkte, vor den Hintergrund seiner geradezu prophetischen Überlegungen. Das heutige Dilemma Europas jedenfalls, wo es zwischen einem – nötigen – Staatenbund und den sehr unterschiedlichen Geschichtsverläufen der einzelnen Staaten kaum einen Weg der Vermittlung zu geben scheint, sieht er ziemlich exakt voraus.
Drei Aufsätze über die völlig zu Unrecht zunehmend in Vergessenheit geratende Schriftstellerin Gertrud von le Fort sollen hier noch genannt sein. Felix Hornstein schreibt über die Aktualität der Novelle „Die Letzte am Schafott“, Ruth Wahlser über die Erzählung „Die Opferflamme“ und Gerhard Ringshausen über die Bedeutung le Forts für den Widerstand im Dritten Reich, die er als eine „doppelte“ beschreibt. Dieses wahrlich spannende „Jahrbuch für deutsche Literatur und christliche Geistesgeschichte“ – so der Untertitel des Lepanto-Almanachs – sollte man mehrmals zur Hand zu nehmen. Das im gleichnamigen Verlag erscheinende Periodikum hat es nach wenigen Ausgaben bereits geschafft, aus dem gleichförmigen Strom der Pseudo-Aktualität einer auf die eigene Gegenwart fixierten Sachliteratur deutlich herauszustechen und sichtbar zu bleiben.
(sig)




