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Zur Neuigkeit
Brauchtum in Ostbayern: Kalvarienberge – Kopien der Leidensstätten Jesu
Vom Stadttor nach Golgota
Regensburg, 13. März 2026
Lange Zeit waren sie aus dem Bewusstsein verschwunden: die Kalvarienberge, früher gerade in der vorvorösterlichen Zeit vielbesuchte Andachtsstätten und Orte der Ruhe und Besinnlichkeit. Auf einem Hügel oder einem Berg wurde ein großes Kreuz oder eine Kreuzigungsgruppe aufgestellt, die den Endpunkt eines Kreuzweges mit Darstellungen des Leidensweges Christi bildete. Oft hatte die Strecke dabei die Länge der „Via dolorosa“ in Jerusalem.
Calvariae locus
Der Name leitet sich aus der lateinischen Übersetzung des aramäischen Namens Golgota ab, dem Ort, wo nach dem Neuen Testament Jesus von Nazareth gekreuzigt wurde. In der schon im Mittelalter verbreiteten lateinischen Fassung der Bibel ist der Ort als Calvariae loco (des Schädels Ort) beschrieben.
Der Ursprung der Kalvarienberge geht auf das 13. Jahrhundert zurück. Sie wurden sozusagen als „Kopien“ der Leidensstätten Jesu im Heiligen Land errichtet. Wer einen der Kalvarienberge besuchte, konnte auf denselben Gnadenerweis hoffen, den eine Pilgerreise nach Jerusalem erbracht hätte.
Vom Stadttor nach Golgota
Am Stadttor, dem „Tor der Stadt Jerusalem“, oder an der Kirche als „Pilatushaus“ begann in der Regel der häufig beschwerliche Weg auf den Kalvarienberg. Waren ursprünglich nur Anfang und Ende des Weges festgelegt, wurden im Mittelalter weitere Gedenkstätten hinzugefügt. Daraus entstanden später die Kreuzwege mit den sieben Stationen, die im 16. Jahrhundert weit verbreitet waren. Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurden dann die heute üblichen 14 Kreuzwegstationen geschaffen. Das war auch die Zeit, in der viele Kalvarienberge umgestaltet wurden. Die Kreuzigungsgruppe wurde vom einstigen Endpunkt zur 12. oder 14. Station.
Weit sichtbares Kreuz
Viele der Kalvarienberge sind bis in unsere Zeit als Orte der Andacht und Stille erhalten geblieben, darunter der Kalvarienberg in Moosbach bei Viechtach im Bayerischen Wald, der Kalvarienberg in Altenstadt an der Waldnaab mit seinem weithin sichtbaren Kreuz am Gipfel, dessen Tradition sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, oder der Kalvarienberg in Lauterhofen im Landkreis Neumarkt, der sich rund 560 Meter über dem Meer erhebt. Schon 1650, so berichtet die Chronik der Pfarrei, waren auf dem Wege zum Lintlberg drei „Heiligenhäuschen“ mit der Darstellung der Todesangst, der Geißelung und der Dornenkrönung erbaut worden, zu der alljährlich auch eine Kreuzschlepperprozession ging. 1690 wurde dann auf dem Gipfel des Berges, der nun die Bezeichnung „Kalvarienberg“ erhielt, eine Kreuzigungsgruppe errichtet.
Kalvarienberg auf dem Pfahl
Ein besonderes Kleinod findet man in der Nähe von Prackenbach. Hier im Ortsteil Moosbach liegt die Pfarrei St. Johannes, eine der ältesten Pfarreien im Bistum Regensburg. Ganz in der Nähe verläuft der Pfahl, der sich auf einer Länge von rund 150 Kilometern vom Oberpfälzer bis zum Unteren Bayerischen Wald zieht. Eichen, Birken und Kiefern säumen den Weg entlang des weiß aufragenden Pfahlfelsens.
Im Jahr 1852 wurde hier ein Kreuzweg angelegt, der zur höchsten Stelle, dem Kalvarienberg, führt. In mühsamer Handarbeit schlugen die Moosbacher eigenhändig die Steinsäulen für die 14 Kreuzwegbilder aus dem harten Granit. Sie säumen den 700 Meter langen Weg, der hinauf zum Kalvarienberg führt. Dort stehen auf einem kleinen Hügel drei beeindruckende Kreuze, links und rechts gesäumt von der Ölberggruppe und dem Grab mit dem Leichnam Jesu. Vom Kalvarienberg aus bietet sich ein herrlicher Ausblick über die Hügel und Bergketten des Bayerischen Waldes.
Wallfahrt zur Auferstehungskirche
Weithin sichtbar auf einem Hügel steht ein besonderes Wahrzeichen der Stadt Pfarrkirchen im Rottal: die Wallfahrtskirche Gartlberg. Die Barockkirche mit ihren beiden Zwiebeltürmen hat ihren Ursprung in den Schreckenszeiten der Pest- und Hungerjahre nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Schon bald nach Ende des Krieges fanden auf dem Hügel die ersten Passionsspiele statt. Zum krönenden Abschluss der „Passio Domini“ wurde zur Karwoche 1659 eine Heilig-Grab-Kapelle originalgetreu nach dem Vorbild von Jerusalem auf dem Berg errichtet. Im Lauf der Zeit kamen immer mehr Gläubige und der Gartlberg wurde zu einem „Kalvarienberg“ mit einer Kreuzigungsgruppe und einem eigenen Aufstieg vom Markt Pfarrkirchen aus.

Text: Judith Kumpfmüller
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