Blick in die Kirche von der Empore

„Ein Land verliert seine Seele, wenn es seine religiösen Wurzeln verliert“

Genossenschaft katholischer Edelleute feiert Jubiläum


Regensburg/Rampspau, 02. Juni 2026 

Die Gründung der „Genossenschaft katholischer Edelleute in Bayern e.V.“ (GkE) 1876 in München war in Zeiten des Kulturkampfes ein deutliches Zeichen von katholischem Engagement und Verantwortungsbewusstsein des Weltchristen, wie Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den sogenannten Laien in der Kirche gerne zu nennen pflegt. Mit einer Heiligen Messe in der Ramspauer Pfarrkirche St. Laurentius, zelebriert von Altabt Wolfgang Maria Hagl OSB (1989 bis 2023 Abt der Abtei zum heiligen Erzengel Michael in Metten) wurden die Feierlichkeiten eröffnet. Der Messe, die immer Auftakt bei einer jeden Veranstaltung der Genossenschaft katholischer Edelleute in Bayern e.V. ist, folgte ein Empfang auf Schloß Ramspau, zu dem Graf Wigurd und Gräfin Isabella von Ledebur-Wicheln eingeladen hatten. Im Festvortrag formulierte der 1. Präsident der GkE, Franz-Josef Freiherr von der Heydte, die Mission des katholischen Adelns in Bayern im 21. Jahrhundert. Geistlichem und Geistreichem folgte das Mittagsbuffet mit anschließendem angeregtem Austausch, der an eine Familienfeier erinnerte.

„In der Verantwortung vor Gott und für die Menschen“

„In Dankbarkeit gegenüber Gott, dass er ihre Gemeinschaft 150 Jahre lang geführt hat und in Dankbarkeit gegenüber den Männern und Frauen der Genossenschaft katholischer Edelleute in Bayern feiern wir heute diese Heilige Messe“, so formulierte es Altabt Wolfgang Maria Hagl OSB zur Begrüßung in der Pfarrkirche von Ramspau. Adel in Bayern, so der Altabt, das sei nicht nur Grundbesitz sowie Schlösser und Burgen, sondern Verantwortung für Land und Leute, getreu dem katholischen Traditionsbegriff: „Alles Empfangene steht immer unter dem Vorzeichen der Verantwortung vor Gott“. So hätte der bayerische Adel in der Geschichte immer wieder Verantwortung übernommen im Dienst an Kirche und Gesellschaft. König Ludwig I. von Bayern habe immer betont: „Ein Land verliert seine Seele, wenn es seine religiösen Wurzeln verliert“. Auch in der kleinsten Keimzelle der Gesellschaft, der Familie, sei die Weitergabe des Glaubens immer ein Hauptanliegen gewesen, verbunden mit einer gediegenen Bildung, die über das reine Schulwissen hinausgehe. Gerade das 20. Jahrhundert habe mit Männern wie Konrad Kardinal Graf von Preysing (1880-1950), Bischof von Eichstätt und dann von Berlin, oder Max Ulrich Graf von Drechsel (1911-1944), Schüler des Mettener Gymnasiums und ebenfalls Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, sei diese Frucht einer katholischen Erziehung zur Blüte gekommen: Aufrecht gegenüber seinem Gewissen den Glauben zu bekennen und gegen alle Ungerechtigkeit aufzustehen, in der Person von Graf Drechsel sogar bis zum seinem Tod am Strang in Berlin-Plötzensee. Abe rauch die kommenden Generationen, so Altabt Wolfgang, hätten ihre Herausforderungen zu bestehen, sei es beim Thema Lebensschutz von der Zeugung bis zum letzten Atemzug oder in der Diskussion um die Bedeutung der Familie für die moderne Gesellschaft. Mit dem Wunsch, „Der gute Gott segne Sie alle!“, schloss er seine Predigt.

Beherzter Einsatz aus dem Glauben in Kirche und Gesellschaft

Erst „Kaiserwetter“ und dann doch „Sintflut-Szenarium“ ließ die Festgesellschaft vom Innenhof des 1700 erbauten Schlosses in die Innenräume wechseln, wo der Festvortrag des Präsidenten der GkE auf die Hörerschaft wartete. Dieser konnte neben dem Zelebranten auch Christoph Prinz von Bayern und dessen Gemahlin Prinzessin Gudila von Bayern als Vertreter des Hauses Wittelsbach begrüßen. Von der Vereinigung der Deutschen Adelsverbände (VdDA) war deren Präsident Dr. Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein in die Oberpfalz gekommen, ebenso der Vorsitzende der Vereinigung katholischer Edelleute Schlesiens, Nikolaus Graf von Matuschka. Baron von der Heydte betonte im Blick auf die Aufgabe des katholischen Adels in Bayern dessen soziale Verpflichtung, getreu der Strophe des in der Messe gesungenen Liedes „Herr gib uns Mut zum Dienen“. Man solle sich in die Pflicht nehmen lassen, das Zweite Vatikanum habe die Tür nicht nur einen Spalt weit für die Mitarbeit der Laien in der Kirche geöffnet. Aber auch in der Politik seinen aufrichtigen Katholiken gefragt, in vielen Gemeinde-, Stadt- und Kreisräten säßen Vertreter des katholischen Adels in Bayern. Wichtig war ihm auch die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz vom 22.2.2024 bezüglich der Unvereinbarkeit des Engagements für einen Katholiken in einer rechtsextremen Partei. Er betonte auch, und wiederholte dabei ungewollt Gedanken aus der Predigt, die Bedeutung von Ehe und Familie, kollektive Identitäten schafften Sicherheit und Stabilität. „Seit 150 Jahren ist unsere Genossenschaft bemüht“, so Baron von der Heydte zum Abschluss seines Festvortrages, „diese Identität zu fördern und zu bewahren. Und ich hoffe und wünsche mir, dass dies auch in Zukunft so bleibt“.

Köfering – München - Ramspau

Bereits 1875 hatte junge, katholische Adlige in Köfering südlich von Regensburg beschlossen, eine Vereinigung zu gründen, die im preußisch getragenen Kulturkampf gegen alles Katholische in Deutschland klar Position bezieht. Am 21. Mai 1876 wurde dann von 71 jungen Adligen katholischen Glaubens im Hause von Konrad Graf von Preysing in München die „Genossenschaft katholischer Edelleute in Bayern” gegründet. Damit hatte man sich auch das in der 1848er Revolution erkämpfte Recht auf Vereinsbildung zu Nutze gemacht. Das Logo der GkE zeigt in der Mitte die Patrona Bavariae, Maria die Schutzfrau Bayerns, flankiert von Schloß und Pfarrkirche von Ramspau. Es war wohl ein Mitglied der Familie der Freiherren von Pfetten, die fast 180 Jahre Besitzer von Schloß Ramspau waren, dass bei der Gestaltung des Logos diesen Bezug herstellte. Sozusagen als „Schirmdame“ konnte die Schriftführerin der GkE, Marie Therese Gräfin Kornis, allen Gästen einen Schirm mit dem Logo als Erinnerung an die Jubiläumsfeiern mit nach Hause geben. Ihre beiden Kinder waren übrigens mit dem Altardienst in der Festmesse betraut, auch alle Lektoren-Dienste wurde von Mitgliedern der GkE übernommen. Alles in allem wurde deutlich, dass sich die Aufgaben des Christen in der Welt, unabhängig von dessen Herkunft formulieren, beherzt und mutig den katholischen Glauben zu bekennen.

Text und Fotos: Carl B. Prämaßing
(chb)



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