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Zur Neuigkeit
Kirchen aus dem Bistum: Mariä Himmelfahrt, Furth im Wald
Maß, Überformung, Widerstand
Furth im Wald / Regensburg, 5. Februar 2026
Diese Kirche widersetzt sich dem schnellen Blick. Wer die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Furth im Wald betritt, merkt rasch, dass hier nichts aus einer einzigen Absicht hervorgegangen ist. Der Raum wirkt entschieden – und zugleich unentschieden; geschlossen – und doch voller Brüche. Genau darin liegt seine Aussagekraft. Denn was sich hier zeigt, ist kein stilistisches Programm, sondern die Spur eines langen Aushandelns: zwischen Stadt und Liturgie, zwischen Kontinuität und Korrektur, zwischen Bewahrung und Überschreibung.
Diese Kirche iMariä Himmelfahrt st weniger ein Werk als ein Argument – formuliert über Jahrhunderte hinweg, Satz für Satz, Umbau für Umbau. Denn noch bevor Furth im Wald als selbstständiger kirchlicher Ort greifbar wird, existiert an dieser Stelle ein Bethaus; Teile der unteren Turmstruktur werden dieser frühen Phase zugerechnet. Das erste eigentliche Gotteshaus der Stadt ist eine Liebfrauenkapelle – entstanden in einer Zeit, in der Furth noch zur Pfarrei Amschwang gehört und keine eigene seelsorgliche Mitte besitzt.
Mit der Stiftung einer ewigen Messe im Jahr 1461 und der Verlegung einer Kaplanei nach Furth beginnt sich diese Ordnung zu verschieben. Die Erhebung zur selbstständigen Pfarrei im Jahr 1585 markiert den institutionellen Einschnitt. Die spätgotische Pfarrkirche, die den Ort bis ins frühe 18. Jahrhundert prägt und unter anderem durch einen Stich Michael Wenings überliefert ist, steht für diesen Schritt zur Eigenständigkeit – zugleich aber auch für seine Begrenztheit angesichts wachsender Gemeinde und veränderter Stadtstruktur.
Neubau und Ordnung
Der barocke Neubau, dessen Grundstein am 14. Juni 1725 gelegt wird, ersetzt die spätgotische Kirche nicht nur aus pragmatischen Gründen. Unter der Bauleitung von Michael Wolf aus Stadtamhof und mit der Ausmalung durch Andreas Merz entsteht ein Raum, der neu ordnet: größer, klarer, bewusster gesetzt. Die Entscheidung, den Bau nach rückwärts zu verlängern und mit seiner Ostwand auf die ehemalige Stadtmauer zu stellen, bindet den Sakralraum unmittelbar an die Struktur der Stadt.
Der Hochaltar, geschaffen zwischen 1735 und 1738 durch Hans Wolfgang Fischer, Johann Paul Hager und Georg Andreas Zellner, bildet das innere Zentrum dieses Neubaus. Mit der Aufsetzung der Kuppel im Jahr 1739 ist der Baukörper vollendet; die Konsekration am Georgitag 1765 durch Weihbischof Baron von Wolframsdorf bestätigt die neue Ordnung. Die Turmerhöhung von 1823 bleibt ein funktionaler Eingriff, kein ästhetischer Neuentwurf.
Wachstum und Überzeichnung
Erst die Erweiterungen der frühen 1890er Jahre verändern den Charakter der Kirche grundlegend. Nach Plänen des Domvikars G. Dengler wird das Langhaus nahezu verdoppelt, ein Querschiff mit Emporen und zusätzlichen Altären angefügt, die Westfassade monumental ausgebildet. Die Kirche tritt nun nicht mehr nur als Pfarrraum, sondern als städtisches Zeichen in Erscheinung.
Diese Phase geht mit bewussten Überformungen einher. Die barocke Kanzel und die Seitenaltäre werden durch Neuschöpfungen im Stil der Neurenaissance ersetzt; der Innenraum erhält eine Ausmalung im Nazarenerstil. Mit der Anlage der Unterkirche, die als Lourdesgrotte genutzt wird, entsteht ein zusätzlicher Raum unterhalb des eigentlichen Kirchenraums. Die Rokokofiguren aus der Erbauungszeit werden dorthin verbracht, jedoch 1923 wieder in den Altarraum zurückgeführt – eine Korrektur, die rückblickend mehr über den Wert des Barocken sagt als über das 19. Jahrhundert selbst. Die neugestaltete Kirche wird am 3. Oktober durch Bischof Ignatius von Senestrey geweiht.
Zäsur und Gegenwart
Die Umgestaltung der Jahre 1969/70 greift erneut ordnend ein. Der Chorraum wird verlängert und für einen Volksaltar geöffnet; die Einbauten der Neurenaissancephase, einschließlich der Emporen, werden entfernt. Die Nazarenermalereien verschwinden – mit Ausnahme der Deckengemälde – unter neuen Farbschichten. Der neue Volksaltar, Ambo, Sedilien und das Taufbecken aus hellem Kalkstein, entworfen von Kurt Portzky, setzen einen bewussten Akzent der Zurücknahme in den historischen Raum.
Im Außenraum behauptet sich die Kirche neben dem Stadtturm als dominanter Baukörper. Die Westfassade ruht auf einem Granitsockel, erschlossen durch eine breite Treppenanlage. In zwei Nischen stehen die Bronzearbeiten von Günther Mauermann: der hl. Georg und das apokalyptische Weib – Bildformeln von Kampf und Verheißung. Der Turm erhebt sich 45 Meter über den Ort. Die älteste Glocke, „Maria Hilf“, 1764 von Johann Erhard Kistler gegossen, verbindet sich mit dem Geläut von 1949; bekrönt wird der Turm von der Figur des hl. Florian.
Maß und Material
Der Innenraum misst 48,5 Meter in der Länge, der Querbau 35,6 Meter in der Breite. Der spätbarocke Hochaltar von etwa 12 × 17 Metern bleibt das visuelle und theologische Zentrum. 1862 wird das ursprüngliche Altarblatt durch das Gemälde der Mariä Himmelfahrt ersetzt; darüber die Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit – beide von Hermann Anschütz.
Das Chorgestühl aus Eiche, 1727 von Hans Wolfgang Fischer geschaffen, bildet eine der konstantesten Schichten des Raumes. Die Allegorien der vier Erdteile von Andreas Merz im Chorbogen werden 1970 freigelegt; das Auferstehungsfresko stammt aus dem Jahr 1893. Barocke Figuren der Heiligen Wolfgang und Emmeram rahmen den Chor. Im südlichen Querschiff steht die Pietà, Christian Jorhan dem Älteren zugeschrieben.
Klang und Unterraum
Die Orgelgeschichte beginnt 1788 mit Andreas Weiß, führt über den Neubau von Steinmeyer 1893 und mündet 1982 im Instrument der Orgelbauwerkstatt Eisenbarth; das historische Gehäuse bleibt erhalten. Die Unterkirche, flankiert von Figuren des hl. Franz von Assisi und des hl. Antonius von Padua, birgt die Lourdesgrotte mit Fresken und Rosenkranzzyklus von Erwin Schöppl aus dem Jahr 1952 sowie die Figurengruppe des sogenannten Kreuzaltars mit einem Renaissance-Kruzifix und einer barocken Schmerzensmutter.
Aus der spätgotischen Vorgängerkirche haben sich letztlich das Auferstehungsrelief aus Solnhofener Kalk und die granitenen Weihwasserbecken erhalten. Kirchenstühle und Beichtstühle von 1732, ebenfalls Arbeiten Hans Wolfgang Fischers, verankern den Raum handwerklich im 18. Jahrhundert. Die Deckengemälde von 1893 ergänzen das bereits Bestehende. Sie entfalten Szenen aus dem Leben Mariens.
Schluss
Die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist kein harmonisches Ganzes. Ihre Qualität liegt gerade darin, dass sie ihre Eingriffe nicht verbirgt. Als städtischer Pfarrbau dokumentiert sie, wie sich Sakralräume über Zeit hinweg verändern, korrigieren und neu lesen lassen. Sie ist kein Abschluss – sondern ein fortgesetztes Denken in Stein.
Text: Stefan Groß
Bild: H. Helmlechner
Weitere Infos
Unser Bild ist ein exzellenter Beleg für die historische Bedeutung der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt für die Stadt Furth im Wald. Bereits um 1690 sehen wir sie auf einem Kupferstich aus dem Churbayerischen Atlas links mittig als einen zentralen Ort der Stadt. Vom Kupferstecher kennen wir nur den Nachnamen: Ertl.




