News Bild Heimkehr – Sterbliche Überreste von Kardinal Josef Beran sind wieder in Prag

Heimkehr – Sterbliche Überreste von Kardinal Josef Beran sind wieder in Prag

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Kardinal Josef Beran ist nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder zu Hause. Er wurde von den Kirchenglocken im ganzen Land begrüßt. Er verließ das Land im Jahr 1965, aber in seinem Veitsdom (Katedrála sv. Víta) war er zuletzt am 19. Juni 1949, als die Kommunisten ihn die Heilige Messe nicht abhalten ließen. Seit Samstag, den 21. April, ruht sein Körper in diesem Dom.

Am 21. April 2018 sind in der Tschechischen Republik die sterblichen Überreste von Kardinal Josef Beran eingetroffen. Sein Sarg wurde im Vatikan bei einer feierlichen Zeremonie und unter staatlichen Ehrungen von tschechischen Seminaristen abgeholt, die den Sarg dann in das päpstliche Kolleg Nepomucenum überführten.

Der Sarg wurde von Priestern zum Gedenken an Berans letzte Heilige Messe in der Kathedrale im Juni des Jahres 1949 getragen. Als damals kommunistische Beamte den Gottesdienst unterbrachen, waren es nämlich die Theologen, die den Kardinal mit ihren eigenen Körpern schützten und ihm halfen, in den Palast des Erzbischofs zu entkommen. Damals begann jedoch sein "Hausarrest", der unter der ständigen Kontrolle der Staatspolizei 16 Jahre dauerte, bevor Erzbischof Beran nach Rom für die Ernennung zum Kardinal unter der Bedingung reisen durfte, dass er nicht mehr in die Republik zurückkehren darf.

Menschenmenge begleitet Überführung

Es ist ein historischer Moment, bei dem es scheint, als ob sich die Worte des Bischofs Štěpán Trochta aus dem Jahr 1969 erfüllen würden, die er Kardinal Beran in das erzwungene römische Exil schrieb. "Seit dem 21. August (1968) stelle ich mir die Frage, ob Gott vielleicht für Dich eine andere triumphale Rückkehr ausgesucht hat, so wie diese, mit der Dein Vorgänger der heilige Adalbert (svatý Vojtěch) nach Tschechien zurückgekehrt ist."

Am Samstag, dem 21. April, wurde Berans Sarg mit einem Sechsspänner Altkladruber Rappen zum Hradschinplatz (Hradčanské náměstí) gebracht, begleitet von einer liturgischen Prozession und einer Menschenmenge. Die sterblichen Überreste des Kardinals wurden von der Basilika St. Maria im Strahov-Kloster geholt. Sie wurden von einer staatlichen Spezialeinheit ins Land gebracht und nach einer Vesper im Prager Seminar in Dejvice in die Basilika St. Maria überführt, in der sie über Nacht verblieben.

"Nie, nie, niemals werde ich einer Übereinkunft zustimmen, die sich gegen die Gesetze Gottes und der heiligen Kirche richtet ... Ohne die Bischöfe kann die katholische Kirche nicht existieren", erinnert sich Mons. Karel Skalický, sein ehemaliger Sekretär, an die letzte freie Predigt von Joseph Beran, die gerade hier in der Strahov-Basilika stattfand. Der Erzbischof wandte sich damals offen gegen die unerbittlichen Bemühungen der kommunistischen Regierung, Bischöfe von den Gläubigen zu trennen.

Barfuß im Dom

Hinter dem Sarg betrat der Prager Erzbischof Kardinal Dominik Duka begleitet von vielen anderen Bischöfen und Priestern den Veitsdom (Katedrála sv. Víta). Er hielt die Reliquie des heiligen Adalbert (sv. Vojtěch) in der Hand und ging den Weg zum Altar, als Zeichen der Demut, barfuß. "Sei willkommen Du, der im entscheidenden Moment nicht geschwiegen hast, denn Du durftest nicht schweigen. Du kommst in der entscheidenden Stunde wieder aus der Verbannung. Und wie damals gehst Du mit den Reliquien des heiligen Adalberts, der von unseren Schutzheiligen am meisten in dieser entscheidenden Stunde helfen konnte, weil die Gestalt des heiligen Fürsten Wenzels (sv. kníže Václav) von dem Missbrauch durch die Nazis beschmutzt worden war", sagte Kardinal Duka einleitend. An dem Gottesdienst nahmen neben den böhmischen und mährischen Bischöfen auch Vertreter der slowakischen, polnischen und ungarischen Bischofskonferenzen teil.

 

Eine Erinnerung an die Unterdrückung

Der Leichnam des Mannes, der sich zwei totalitären Regimen entgegenstellte und zur moralischen Säule des Volkes wurde, ruhte seit seinem Tod im Jahre 1969 in einer unterirdischen Kapelle in der vatikanischen Basilika des hl. Peters. Die Kommunisten verhinderten nämlich seine Rückkehr auch nach dem Tod. Nach der damaligen Analyse des Staatssicherheitsdiensts hätte die Beerdigung Kardinal Berans einen Anstieg der Ausschreitungen gegen das Regime in noch größerem Ausmaß als bei Jan Palach im Januar desselben Jahres hervorgerufen. Die Erinnerung an die kommunistische Unterdrückung war während der ganzen Heiligen Messe zu Ehren des hl. Adalberts gegenwärtig. "Die Verteidigung der menschlichen Freiheit, der Kampf gegen die Sklaverei, zusammen mit dem beharrlichen Bemühen ein liebevolles Zusammenleben mit der Familie anzustreben, sowie die Wahrheit des Lebens der Geistlichen - das war das Missionsprogramm unserer beiden großen Exilanten", erinnerte Kardinal Duka.

Das entscheidende Wort

Der jetzige Erzbischof hat sich auf das konzentriert, was jetzt die tschechische Gesellschaft beeinflusst. "Wir wissen seit Jahrhunderten, dass es um den Menschen, um unser Menschentum geht, das wieder wie zu Zeiten des hl. Adalbert, wie nach dem zweiten Weltkrieg und auch heute, auf dem Spiel steht. Es ist sicherlich ein zufälliges Zusammenspiel von Umständen, dass während wir hier den Kardinal Beran willkommen heißen, der Präsident der Republik zu Gast beim Kongress der kommunistischen Partei ist, die trotz der Wahlniederlage einen immer größeren Machtanteil fordert. Das ist ein sehr deutliches Zeichen der Stunde, in der sich unsere Nation befindet, und umso mehr liegt es in der Verantwortung des Staatsoberhaupts, das entscheidende Wort zu sprechen", betont Dominik Duka unter großem Applaus der Gläubigen.

 

Er erwähnte auch, dass "ähnlich wie zu Zeiten des hl. Adalbert und auch des Kardinals Beran die Familie angegriffen wird. Beispiellose und schädliche Gesetze werden gegen sie vorgeschlagen und angenommen", warnte er und erinnerte daran, dass "die Kirche auf der Seite des Volkes steht, d.h. auf der Seite aller Bürger der Tschechischen Republik, die in ihr leben und für ihre Entwicklung arbeiten und sie auch schützen". Am Ende der Heiligen Messe konnten nur wenige die Tränen zurückhalten. Nach der tschechischen Hymne erklang nämlich auch die slowakische, weil Kardinal Beran in beiden Ländern eine große Persönlichkeit darstellt. Sein Vermächtnis prägt auch den scheidenden tschechischen Botschafter im Vatikan, Pavel Vošalík, der betonte, dass alles, was er in den zehn Jahren diplomatischer Arbeit am Heiligen Stuhl erlebt habe, an die Arbeit von Kardinal Beran anknüpfte.

 

Übersetzt aus dem Tschechischen nach einem Ursprungstext von Katerina Koubová, Katolicky tydenik, Prag. Fotos: Katolicky tydenik