News Bild „Fest eines Bischofs ist Freude für das Volk“

„Fest eines Bischofs ist Freude für das Volk“

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Anlässlich des 60. Geburtstages von Bischof Gerhard Ludwig Müller, der diesen runden Ehrentag am 31. Dezember 2007 begehen konnte, feierte der Regensburger Oberhirte im voll besetzten Dom St. Peter eine Pontifikalvesper, bei der Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter predigte. Im Anschluss folgte ein feierlicher Festakt im Kolpinghaus Regensburg.

In seiner Predigt bezog sich Friedrich Kardinal Wetter auf Papst Leo dem Großen, der die Worte prägte, „Das Fest eines Bischofs ist eine Freude für das Volk“. Am heutigen Tage gelte dies für die Kirche in Regensburg in dreifacher Weise, denn Bischof Gerhard Ludwig Müller feiere nicht nur seinen 60. Geburtstag, sondern darüber hinaus den 30. Jahrestag seiner Priesterweihe und den fünften Jahrestag seiner Bischofsweihe, hob Kardinal Wetter hervor. Der Grund zur „Freude für das Volk“ lege darin, dass ein Priester und Bischof nicht für sich selbst, sondern „für euch“, für alle, für die er als Hirte bestellt ist, denen er Gottes Wort verkündige, für die er die Eucharistie feiere und denen er die Sakramente spende.

Aufgabe des Priesters sei es, dem Wort seine Stimme zu geben, um es bekannt zu machen. „Der Priester und Professor Gerhard Ludwig lebt dies seit Jahrzehnten durch sein weltweit beachtetes Wirken als wissenschaftlicher Forscher und Lehrer des Wortes Gottes. In dankbarer Anerkennung dieses seines Dienstes am Wort Gottes hat ihn Johannes Paul II. am 1. Oktober 2002 zum Bischof von Regensburg erwählt und unser Heiliger Vater, Papst Benedikt XVI. hat ihn erst jüngst zum Mitglied der Glaubenskongregation ernannt“, betonte Kardinal Wetter weiter.

Nach dem Auszug aus der Regensburger Kathedrale empfingen rund 50 Jugendliche der Jugendblaskapelle St. Konrad den Jubilar am Südportal, um ein Ständchen darzubringen. Im anschließenden Festakt hielt der Apostolische Protonotar Prof. Dr. Winfried Aymans nach der Begrüßung durch Generalvikar Monsignore Michael Fuchs eine Laudatio zu Ehren von Bischof Gerhard Ludwig Müller. Hier schilderte er den Werdegang des Bischofs beginnend bei der Kindheit in Mainz-Finthen, über Abitur, Studium und Priesterweihe bis hin zur Weihe zum Diözesanbischof von Regensburg und würdigte dabei die außerordentlichen Leistungen des bekannten Theologen.

„Sein wissenschaftliches Œuvre, das in diesen 16 Münchener Jahren entstanden ist, muss jedermann hohe Bewunderung abnötigen. Zum ganzen breiten Spektrum der dogmatischen Theologie hat er seine Beiträge veröffentlicht. Allein in die Münchner Jahre fällt die Erarbeitung und Veröffentlichung von neun Monographien, von denen mehrere auch im Ausland so großes Interesse gefunden haben, dass sie in anderen Sprachen zusätzlich erschienen sind. Als Herausgeber und Bearbeiter hat er zehn weitere Bücher verantwortet, von denen ebenfalls einige auch in anderen Sprachen veröffentlicht worden sind. Hinzu kommen über 110 Aufsätze in wissenschaftlichen Zeitschriften. Außerdem hat er allein zur Neuauflage des Lexikons für Theologie und Kirche 28 Artikel beigetragen, sowie 25 weitere zu anderen Lexika“, erklärte Prof. Aymanns.

Weiter hob der Apostolische Protonotar hervor, dass Bischof Gerhard Ludwig als langjähriges Mitglied der Glaubenskommission in der Bischofskonferenz alsbald der stellvertretende Vorsitz in diesem Gremium angetragen worden sei. Außerdem habe die Bischofskonferenz ihn, seiner Vorbildung entsprechend, zum Vorsitzenden ihrer Kommission für ökumenische Fragen gewählt.

Eine weitere Würdigung erfuhr der Regensburger Bischof vom Laudator bezüglich seiner Funktion als Oberhirte des flächenmäßig größten bayerischen Bistums: „Seine starke Führungsqualität nimmt Bischof Gerhard Ludwig in erster Linie durch das gute Beispiel seines bewundernswerten seelsorglichen Einsatzes wahr. Es gilt aber auch, das Recht der Gläubigen auf rechte Verkündigung und die ordnungsgemäße Feier der Sakramente zu schützen. Wenn es in diesem Zusammenhang zu Konfliktfällen kommt, geht der Bischof ihnen nicht aus dem Weg. Diese Verantwortung nimmt der Bischof sehr ernst, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Gläubigen einen Anspruch auf die wahre Verkündigung und auf die Liturgie gemäß der Ordnung der Kirche haben. Regensburg konnte sich immer schon eines verhältnismäßig guten Gottesdienstbesuches der Gläubigen erfreuen; inzwischen liegt die Diözese in dieser Hinsicht an erster Stelle aller deutschen Bistümer.

Während in vielen Diözesen Pfarreien im großen Stil zusammengelegt, die Zahl von Eucharistiefeiern reduziert und mancherorts an Sonntagen Wortgottesdienste angesagt sind und Kirchengebäude säkularisiert werden, konnte in Regensburg die Zahl der Pfarreien konstant gehalten und die sonntägliche Eucharistiefeier noch in jeder Pfarrkirche gewährleistet werden“, betonte Prof. Aymans und merkte zur Neustrukturierung der Laienräte im Bistum Regensburg an:

Die geistliche Entschlossenheit des Bischofs hat auch zu der Neuordnung des ge-samten Rätewesens in der Diözese Regensburg geführt. Damit hat er an einen heiklen Fragenkomplex gerührt, der die Kirche im gesamten deutschen Sprachbereich seit der Zeit bald nach dem II. Vatikanischen Konzil betrifft und hier zu Sonderwegen geführt hat, die von den einen für vertretbar gehalten oder gar als Errungenschaft gefeiert werden, von anderen dagegen kritisch bewertet und vor allem vom Apostolischen Stuhl immer wieder, aber vergeblich angemahnt worden sind. Weitsichtig hatte Klaus Mörsdorf, einer der be-deutendsten Kirchenrechtler des vergangenen Jahrhunderts, schon Ende der 60er Jahre vor der Gefahr der Herausbildung einer »anderen Hierarchie« gewarnt . Es ist hier nicht der Ort, den ganzen Fragenkomplex zu erörtern. Eines aber ist klar: Die Neuordnung hat dazu geführt, daß Regensburg die einzige Diözese im deutschen Sprachbereich ist, in der das Rätewesen in jeder Hinsicht der Kirchenlehre des II. Vatikanischen Konzils und den Anfor-derungen des allgemeinen Kirchenrechts entspricht. Eine frustrierende Überorganisation – namentlich auf der mittleren Verfassungsebene – ist beseitigt worden, auf der Diözesan-ebene ist die Mitverantwortung der Laien und die Autonomie ihrer Vereinigungen gestärkt worden, und – was vielleicht das Wichtigste ist – auf der Pfarreiebene ist die Amtsverant-wortung des Pfarrers wieder in ihr Recht eingesetzt und damit das rechte Verständnis des priesterlichen Dienstes saniert worden. Trotz des großen Geschreis, das von interessierter Seite hauptsächlich außerhalb der Diözese entfacht worden ist, haben die Menschen im Bistum Regensburg die Reform ruhig umgesetzt, und man hat nicht gehört, daß das so wertvolle ehrenamtliche Engagement von zahllosen Gläubigen zusammengebrochen wäre oder auch nur gelitten hätte. Im Gegenteil! Das Bewußtsein von der gemeinsamen Aufgabe im Zeugnis des Glaubens und des Lebens ist gestärkt worden".

Bei den anschließenden Grußworten sprachen Staatsministerin Emilia Müller und Michael Meier vom Diözesankomitee der Katholiken. Die Wirtschaftsministerin sprach dem Bischof dabei Dank, Respekt und Anerkennung für seine Leistungen als Theologe, Wissenschaftler und Oberhirte aus, verbunden mit der Bitte, seine mannigfaltigen Erfahrungen bei der Gestaltung eines gemeinsamen Europas mit einzubringen.

Dompropst Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner überreichte im Namen des gesamten Regensburger Domkapitels dem Bischof eine Festschrift mit einer Auswahl von Predigten, Ansprachen und Vorträgen des Bischofs aus den vergangenen fünf Jahren als Oberhirte der Diözese Regensburg. „Mit dieser Schrift soll sich das ganze Bistumsvolk immer wieder in die Botschaft seines Bischofs vertiefen können. Denn die Worte sind wohl in die jeweilige Zeit hinein gesprochen, haben aber die bleibende Kraft, den vom Bischof immer wieder leidenschaftlich aufgezeigten Weg der Neuevangelisierung zu weisen, so wie es das II. Vatikanische Konzils „Über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche “allen Bischöfen zur Pflicht macht, die Menschen zum Glauben zu rufen und im lebendigen Glauben zu stärken“, erklärte Dompropst Wilhelm Gegenfurtner.

Aus den Händen von Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, Prof. Dr. Michael Schulz und Dr. Christian Schaller erhielt Bischof Gerhard Ludwig Müller eine Festschrift mit dem Titel „Mittler und Befreier. Die christologische Dimension der Theologie. Für Gerhard Ludwig Müller“. Namhafte Vertreter der gegenwärtigen theologischen Diskussion, darunter Papst Benedikt XVI., kommen in dem 700-seitigen Band zur Sprache und legen ihre jüngsten Ergebnisse zur Christologie aus dem Bereich der Exegese, der historischen Forschung sowie der systematischen Entfaltung des Christusbekenntnisses vor.

Zum Ende dankte Bischof Gerhard Ludwig Müller allen Rednern und Gästen für ihr Kommen und die vielen guten Worte aber auch für die Spenden für ein Hilfsprojekt in Peru, für das der Bischof aufgerufen hatte. (jas)

Die Bilder zur Pontifikalvesper sowie zum Festakt finden Sie hier.