Imposante Kathedrale von Aparecida, auf einem Hügel gelegen

Feierliche Novene zur Vorbereitung auf das Fest der Schutzpatronin Brasiliens

Ein Blick in die Weltkirche


Regensburg, 8. Oktober 2025

Mit einer Novene startet die Kirche in Brasilien in das Fest ihres größten Marienheiligtums. Die „Nossa Senhora da Conceição Aparecida“ wird Jahr für Jahr mit einem großen Fest verehrt. Brasiliens Nationalheiligtum beeindruckt mit Frömmigkeit und Kultur.

In jedem Jahr ist der 12. Oktober das Fest der Schutzpatronin Brasiliens, der Maria von Aparecida. Die Kirche in Brasilien bereitet sich auf die Festlichkeiten mit einer Novene vor. Diese begann am Freitag, dem 3. Oktober und steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Mit Maria, Mutter der Hoffnung, Jesus kennen und sich um das Leben kümmern“.  Die feierliche Eröffnung der Novene nahm in diesem Jahr der Erzbischof von Santa Maria (RS), Dom Leomar Antônio Brustolin, vor. In seiner Predigt sprach er über einen geistlichen Weg: „Mit Maria, um Jesus, den wahren Gott und den wahren Menschen, kennenzulernen!“ An den neun Tagen werden täglich zwei Gebetszeiten gefeiert. Am Nachmittag gibt es ein einfaches Novenengebet und am Abend das Gebet in feierlicher Form. In den Tagen meditieren Bischöfe mit den Gläubigen zur Vorbereitung auf das Fest der Schutzpatronin Brasiliens jeweils über eine besondere Berufung der katholischen Kirche. Mehrere Bischöfe und Erzbischöfe wurden eingeladen, diese Gottesdienste im Nationalheiligtum zu leiten. Am 4. Oktober war der Bischof von Roraima, Msgr. Evaristo Pascoal Spengler, eingeladen, über das Thema „Mit Maria, sorge für das Leben in der ganzen Schöpfung!“ nachzudenken. Am 5. Oktober sprach der Bischof von Divinópolis (MG), Dom Geovane Luís da Silva, über „Nimm mit Maria das Wort Gottes auf, die reale Gegenwart Jesu“. Es folgten der Bischof von Bom Jesus da Lapa, Dom Rubival Cabral Britto („Mit Maria die Versöhnung und die Vergebung des Herrn zu feiern!“) und der Erzbischof von Brasília, Dom Paulo Cezar Costa, („Lebe mit Maria die Eucharistie, Quelle der Gemeinschaft, der Teilhabe und der Mission!“).

Am heutigen 8. Oktober wird der Weihbischof von Brasília, Dom Ricardo Hoepers, mit den Gläubigen über das Thema „Kümmere dich mit Maria um das menschliche Leben, heiliges Geschenk Gottes!“ nachdenken. Der Bischof von Araçuaí, Dom Geraldo dos Reis Maia, wird am 9. Oktober die Novene leiten, die unter dem Motto steht: „Singe mit Maria das Magnifikat, Hoffnung auf eine neue Menschheit!“. Der emeritierte Bischof von Santo André, Msgr. Nelson Westrupp, ist eingeladen, die Novene am 10. Oktober zu leiten und über das Thema „Empfange mit Maria die Seligpreisungen, den Weg des Lebens, Gerechtigkeit und Frieden!“ nachzudenken. Am 11. Oktober wird schließlich der Bischof von Camaçari, Dom Dirceu de Oliveira Medeiros, am Vorabend des Festes über das Thema nachdenken: »Sei mit Maria eine Familie der Frommen, Pilgerin der Hoffnung!". 

Zentrale Rolle in der nationalen Identität

Das brasilianische Nationalheiligtum „Nossa Senhora da Conceição Aparecida“, was wörtlich übersetzt bedeutet „Unserer Lieben Frau der Erschienenen Empfängnis“, ist ein beeindruckendes Zentrum des katholischen Glaubens in Brasilien. Es spielt eine zentrale Rolle in der nationalen Identität. Der Name des Heiligtums geht auf eine Marienerscheinung zurück. Die Figur der Maria in Aparecida, die in der Kathedrale verehrt wird, auch bekannt als Nossa Senhora Aparecida, ist die offizielle Schutzpatronin Brasiliens. Die Basilika liegt in der Stadt Aparecida etwa auf halber Strecke zwischen São Paulo und Rio de Janeiro. 

Die 1955 bis 1980 errichtete neuromanische Kirche ist nicht nur die Kathedrale des Erzbistums Aparecida, sondern auch der größte Wallfahrtsort Brasiliens. Sie gilt als weltweit größter Marienschrein. Der Neubau der Basilika, wurde notwendig, um den steigenden Strom der Wallfahrer aufzunehmen. Die wesentlich kleinere Vorgängerbasilika reichte nicht mehr aus. Mit einer Grundfläche von 18.000 m² und einer Höhe von 100 Metern wird sie als die zweitgrößte katholische Kirche der Welt nach dem Petersdom betrachtet. Das Heiligtum zieht inzwischen jährlich zwischen acht und zwölf Millionen Pilger an. Im Jahr 1984 wurde die Basilika offiziell zum katholischen Nationalheiligtum Brasiliens bestimmt. Die Bedeutung des Ortes wird durch zahlreiche päpstliche Besuche und Ehrungen untermauert: Papst Johannes Paul II. weihte den Neubau 1980 und ernannte die Kathedrale 1981 zur Basilica minor. Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus verliehen dem Heiligtum die Goldene Rose. Das ist eine päpstliche Auszeichnung, die einen aus vergoldetem Silber geschmiedeten Rosenstrauß aus sechs Rosenzweigen mit sechs Blüten darstellt. Die Auszeichnung kann Kirchen, Orten und Personen verliehen werden. Die Geschichte des Heiligtums geht auf ein wundersames Ereignis im Oktober 1717 zurück, als der Legende nach drei Fischer im Rio Paraiba do Sul die zerbrochene Terrakotta-Figur der Heiligen Jungfrau Maria fanden, die später als „Nossa Senhora Aparecida“ („Maria Erscheinung“) bekannt wurde. Nachdem die Fischer die Teile zusammengefügt hatten, machten sie einen reichen Fang. Die Verehrung dieser Figur, die im Laufe der Jahrhunderte durch den Kerzenruß eine karamellfarbene Tönung annahm, wuchs stetig. Ihr wurden zahlreiche Wunder zugeschrieben. Die Kirche erkannte die wachsende Popularität und förderte die Verehrung im 19. und 20. Jahrhundert. 

Ausstellung als Brücke

Die Marienakademie von Aparecida („Academia Marial de Aparecida“) hat in diesem Jahr zum Fest des Nationalheiligtums in Zusammenarbeit mit der Sammlung des Museums des Nationalheiligtums eine Ausstellung mit dem Titel „Blicke auf Mutter Aparecida“ eröffnet. Die Ausstellung vereint verschiedene künstlerische Interpretationen des Bildes der Schutzpatronin Brasiliens. Die Werke sollen „mit dem Herzen der Pilger in Dialog treten“, so Lisley Nogueira, Mitglied des Verwaltungsteams der Marienakademie, und als „Brücke zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen“ fungieren, um das Herz zu Jesus zu führen. Die präsentierten Bilder drücken Gefühle wie Glauben, Hoffnung, Liebe, Schmerz und Dankbarkeit aus.  Sie bilden alles das ab, was die Pilger zu Maria von Aparecida tragen. Rund um das Fest des Nationalheiligtums von Brasilien entfaltet sich neben der Vertiefung des Glaubens auch die Kultur. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. November zu sehen. Sie verspricht allen Pilgern die Möglichkeit, die Schönheit der ausgestellten Werke zu betrachten und auch auf diesem Wege ihren Glauben und die Verehrung der Schutzpatronin Brasiliens zu stärken.


Text: Peter Winnemöller

(kw)



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