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Zur Neuigkeit
Bischof Rudolf Voderholzer feiert 700-jähriges Bestehen der Pfarrei Zell
Eigene Fehlerhaftigkeit anerkennen
Zell, 8. Juni 2026
Mit einem feierlichen Pontifikalgottesdienst hat die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Zell am Sonntag ihr Doppeljubiläum begangen. Die Pfarrgemeinde blickt auf 700 Jahre Pfarrei und 140 Jahre Pfarrkirche zurück. Als Hauptzelebrant und Ehrengast feierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer gemeinsam mit zahlreichen Gläubigen, Vertretern aus Kirche, Politik und Vereinen sowie Gästen aus der gesamten Pfarreiengemeinschaft.
Bereits am Morgen zog ein festlicher Kirchenzug, begleitet von der Blaskapelle und zahlreichen Fahnenabordnungen, durch den Ort zur Pfarrkirche. Ein kunstvoll gestalteter Blumenteppich am Kircheneingang erinnerte an die beiden Jubiläen. Beim gemeinsamen Gesang des Liedes „Ein Haus voll Glorie schauet“ wurde die enge Verbundenheit der Menschen mit ihrer Kirche eindrucksvoll sichtbar.
Pfarreiengemeinschaft tritt geschlossen auf
Pfarrer Ralf Heidenreich begrüßte die Festgäste und erinnerte daran, dass Bischof Voderholzer erst vor wenigen Monaten zur Diakonenweihe von Klaus Schülein in Zell zu Gast gewesen war. Neben zahlreichen Geistlichen und ehemaligen pastoralen Mitarbeitern nahmen auch Vertreter der Kommunalpolitik sowie Mitglieder der Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen am Jubiläumsgottesdienst teil.
In seinen Begrüßungsworten zeigte sich Bischof Voderholzer beeindruckt von der großen Beteiligung der Bevölkerung und dem geschlossenen Auftreten der gesamten Pfarreiengemeinschaft. Er erinnerte an die erste urkundliche Erwähnung Zells im Jahr 1326 sowie an die Weihe der heutigen Pfarrkirche durch Bischof Ignatius Senestrey im Jahr 1886.
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Kirchenchor Zell unter der Leitung von Michaela Kangler-Lang gemeinsam mit einem Streicher-Ensemble gestaltet. Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit setzten die Ministrantinnen und Ministranten aus allen Kirchen der Pfarreiengemeinschaft, die gemeinsam den liturgischen Dienst versahen.
Unterscheidung zwischen „heilbar Kranken“ und „unheilbar Gesunden“
Im Mittelpunkt seiner Predigt stellte Bischof Rudolf Voderholzer das Evangelium von der Berufung des Zöllners Matthäus. Er erinnerte daran, dass Jesus nicht die Sünde oder die Ausbeutung durch die Zöllner gelobt habe, sondern deren Bereitschaft zur Umkehr. Demgegenüber stünden Menschen, die sich für unfehlbar gerecht hielten und keine Korrektur zuließen. In diesem Zusammenhang zitierte der Bischof die Unterscheidung zwischen den „heilbar Kranken“ und den „unheilbar Gesunden“. Entscheidend sei, Gott zu vertrauen und die eigene Fehlerhaftigkeit anzuerkennen, um offen für Umkehr und Heilung zu bleiben. Den Gläubigen wünschte er, stets zu den „heilbar Kranken“ zu gehören. Die Pfarrkirche bezeichnete der Bischof als unverzichtbaren Ort der Orientierung und des göttlichen Erbarmens. Hier werde das Wort Gottes verkündet, hier würden Menschen getauft, die Eucharistie gefeiert, das Sakrament der Buße gespendet und Verstorbene auf ihrem letzten Weg begleitet. „Gott sei Dank gibt es diese Orte“, betonte der Diözesanbischof.
Festschrift zum Doppeljubiläum
Zugleich würdigte er die bewegte Geschichte der Pfarrei, die seit ihrer ersten Erwähnung im Jahr 1326 zahlreiche Herausforderungen überstanden habe – von den Hussitenkriegen über die konfessionelle Spaltung des Ortes bis hin zu den Folgen des Dreißigjährigen Krieges und der Säkularisation. Er gratulierte der Gemeinde zu ihrer „großen, gewaltigen Geschichte“ und lobte die heutige Zusammenarbeit innerhalb der Pfarreiengemeinschaft. Sein Dank galt den Ministranten, dem Chor, den Kirchenverwaltungen sowie allen ehrenamtlich Engagierten.
Nach dem Gottesdienst sorgten die Kindergartenkinder mit ihrem Lied „Heut ist ein Tag, an dem ich singen kann“ für einen fröhlichen Abschluss in der Kirche. Anschließend zog die Festgemeinschaft ins Festzelt weiter. Dort wurde dem Bischof die druckfrische Festschrift zum Doppeljubiläum überreicht. Das 236 Seiten starke Werk dokumentiert mit zahlreichen historischen und aktuellen Beiträgen, Fotografien und Berichten die Geschichte, den Glauben und das lebendige Gemeinschaftsleben der Pfarrei Zell.
Text und Fotos: Irmgard Hilmer
(jas)









