News Bild Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag im Hohen Dom zu Regensburg – Bischof Voderholzer: „Verfolgten Schwestern und Brüdern geistlich und auch politisch beistehen“

Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag im Hohen Dom zu Regensburg – Bischof Voderholzer: „Verfolgten Schwestern und Brüdern geistlich und auch politisch beistehen“

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Am Karfreitag gedachte Bischof Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom St. Peter zusammen mit den Gläubigen dem Leiden und Tode Jesu Christi. Der von Musik und Gebet getragene Gottesdienst findet traditionell um 15 Uhr statt, der überlieferten Todesstunde Jesu. Nach dem Gloria der Gründonnerstagsmesse wird die Orgel nicht mehr gespielt, gleichzeitig schweigen die Kirchenglocken. Es heißt, die Glocken flögen nach Rom. Die Regensburger Domspatzen gestalteten unter der Leitung von Domkapellmeister Roland Büchner den Gottesdienst musikalisch und sangen unter anderem die Passionserzählung nach Johannes. In der Karfreitagsliturgie enthüllte Bischof Rudolf das Kreuz und lud alle Gläubigen zur Kreuzverehrung ein.

Bischof Voderholzer: Christen setzen auf den Weg der gewaltlosen Konfliktlösung“

In seiner Predigt erinnerte Bischof Voderholzer an die Christenverfolgung in aller Welt, aktuell und besonders an die verheerenden Anschläge am Palmsonntag in Ägypten: „Christen zahlen gemäß dem Vorbild ihres Herrn erlittenes Unrecht nicht mit gleicher Münze zurück. Aber wie der Herr in der Passion reagieren sie innerlich stark und stellen die entblößende Frage: Warum schlagt ihr uns? Gibt es einen sinnvollen Grund für diese Verfolgung? Nein! Die am Kreuz offenbare „Entfeindungsliebe“ Jesu birgt vielmehr den Grund für Frieden und Versöhnung“, so der Bischof. An alle Christen weltweit, besonders die in den freiheitlichen Gesellschaften, appelliert der Bischof, ihren verfolgten Schwestern und Brüder geistlich und auch politisch beizustehen und die Stimme zu erheben für die Achtung der Religionsfreiheit und der Würde der menschlichen Person.

„Wir dürfen nicht schweigend zusehen, wenn versucht wird, die Christen jetzt auch in Ägypten, eines der Ursprungsländer der Christenheit, zu vertreiben“, so der Appell von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Und weiter: „Als Jünger Christi, die wir glauben dürfen, dass der Herr am Kreuz die Mächte des Bösen an der Wurzel besiegt hat, setzen wir auf den Weg der gewaltlosen Konfliktlösung als den einzigen mit Aussicht auf nachhaltige Versöhnung und auf Frieden.“

 

Predigt von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im Wortlaut:

Jesu Gebot der Ent-Feindungsliebe als nachhaltiger Weg zu Frieden und Versöhnung

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, im Regensburger Dom versammelt zur Sterbestunde Jesu am Karfreitag!

Zum Sondergut der Johannes-Passion, die uns die Solisten und der Domchor gerade wieder so meisterhaft und zu Herzen gehend verkündet haben, gehört die Entgegnung Jesu auf den Knecht, der ihm ins Gesicht geschlagen hatte, weil er die Antwort Jesu auf die Frage des Hohenpriesters für unangemessen hielt:

„Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich?“

Während Jesus gemäß dem Bericht der synoptischen Evangelien seine Verspottung und seine Misshandlung schweigend erduldet, überliefert uns der Johannesevangelist diese hoheitsvolle Antwort Jesu. Damit wird zunächst eines der Hauptanliegen der Johannespassion unterstrichen, dass nämlich Jesus gerade auch in der Passion der souveräne Offenbarer und Zeuge der Wahrheit bleibt, der seine Gegner ins Unrecht setzt.

Darüber hinaus aber ist diese Antwort Jesu: „Wenn es recht war, was ich gesagt habe, warum schlägst du mich?“ auch eine bemerkenswerte und vor allem klärende Deutung eines seiner Worte aus der Bergpredigt.

In dieser uns von Matthäus überlieferten Rede stellt Jesus bekanntlich den Weisungen des Alten Gesetzes seine neue Gerechtigkeit gegenüber. Eine dieser so genannten Anti-Thesen lautet: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses tut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“ (Mt 5,38f.)

Schon die alte Weisung war – entgegen einem landläufigen Missverständnis – kein Aufruf zu hemmungsloser Rache, sondern das Bemühen um die Zivilisierung der Konflikte durch die Eingrenzung der Vergeltung auf ein angemessenes Maß. Für einen Zahn auch nur einen Zahn ‑ und nicht gleich das ganze Gebiss!

Jesus freilich überbietet diese Form der Mäßigung durch seine neue Weisung, die an strikter Gewaltlosigkeit orientiert ist im Bezug auf die eigene, persönlich erfahrene Kränkung.

„Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin!“ Schon aus dem Kontext der Bergpredigt wird deutlich, dass es sich dabei um alles andere als den Ausdruck von Feigheit, Schwäche oder gar krankhafter Neigung zur Selbstzerstörung handelt, sondern im Gegenteil um den Ausdruck höchster innerer Stärke. Der Verzicht auf den Gegenschlag will den anderen gerade entwaffnen und der Unsinnigkeit seines Tuns überführen. Die aus innerer Stärke entgegengehaltene linke Wange ist ein Appell, sich in die Augen zu schauen, und stellt gleichsam die Frage: Gibt es einen vernünftigen Grund, dass du mich schlägst?

Man hat in diesem Zusammenhang auch schon von der „Entfeindungsliebe“ als Jesu neuem Gebot gesprochen, also nicht einfach nur von der „Feindesliebe“, sondern von der Ent-Feindungsliebe. Denn Ziel der gewaltfreien Konfliktlösung kann ja nicht das sich Abfinden sein mit der gestörten Beziehung und das Zementieren der Feindschaft, sondern gerade die Überwindung der Feindschaft.

Und so handelt Jesus sehr konsequent, wenn er im Rahmen seines Verhöres zu Beginn deutlich macht: Ich weiß mich im Recht, ich bezeuge die Wahrheit – und bin stark genug, nun auch allen Hass und alle Bosheit der Welt an mir sich austoben zu lassen. Und in der Tat wird man ihm nicht nur auf die linke Wange schlagen, sondern ans Kreuz wird man ihn schlagen. Der Vorrat unendlicher Liebe vom Vater her gibt ihm die innere Kraft, lässt ihn diesen Weg des Gottesknechtes gehen (vgl. die Erste Lesung aus Jes 52 und 53) und zu unserem Heil bestehen. Am Schluss kann er, wie ein Künstler oder Handwerker angesichts eines gelungenen Werkes sagen: „Es ist vollbracht“ (19,30).

Liebe Schwestern und Brüder, als Jünger Christi, die glauben dürfen, dass der Herr am Kreuz die Mächte des Bösen an der Wurzel besiegt hat, setzen wir auf den Weg der gewaltlosen Konfliktlösung als den einzigen mit Aussicht auf nachhaltige Versöhnung und auf Frieden.

Mit großer Besorgnis und auch Empörung schauen wir am heutigen Karfreitag, da wir des Leidens Jesu Christi gedenken, auf die schlimme Tatsache der Christenverfolgung in vielen Ländern der Erde, eine Verfolgungssituation, die historische Ausmaße anzunehmen scheint. Es handelt sich, das ist nicht zu übersehen, zumeist um muslimisch dominierte Länder, wo diese geschieht. Aktuell und besonders haben uns die verheerenden Anschläge am Palmsonntag in Ägypten schockiert. In Tanta wurden bei einem Sprengstoffanschlag in einer Kirche während des Palmsonntagsgottesdienstes 27 Christen getötet, und in Alexandria vor einer Kirche mindestens 17, von den vielen Verletzten gar nicht zu reden. Allein weil sie zu Christus und seinem Kreuz stehen, müssen gegenwärtig Millionen unserer Schwestern und Brüder Nachteile in Kauf nehmen, Verfolgung erdulden oder gar um ihr Leben bangen. Natürlich hoffen und fordern wir, dass alle rechtsstaatlichen Mittel eingesetzt werden, um den Terrorismus auch in Ägypten zu bekämpfen. Aber das Problem ist nicht nur ein politisches, sondern auch ein geistliches. Und da gilt: Christen zahlen gemäß dem Vorbild ihres Herrn erlittenes Unrecht nicht mit gleicher Münze zurück. Wie der Herr in der Passion reagieren sie innerlich stark und stellen die entblößende Frage: Warum schlagt ihr uns? Gibt es einen sinnvollen Grund für diese Verfolgung? Nein! Die am Kreuz offenbare „Entfeindungsliebe“ Jesu birgt vielmehr den Grund für Frieden und Versöhnung.

Die Verfolgung der Christen, die Anschläge gegen sie, treffen uns alle. In der Verbundenheit im einen Leib Christi ist ihr Schmerz auch unser Schmerz, wie ihre Freude auch unsere Freude ist. Und so schlagen wir eine Brücke des Gebetes zu den Christen in Berlin, die heute Mittag in ökumenischer Verbundenheit und auch unter Beteiligung von Vertretern der muslimischen Gemeinschaft einen Stationen-Weg durch die Stadt gegangen sind und an die Opfer von Verfolgung und Terror gedacht haben. Und an alle Christen weltweit, besonders an die in den freiheitlichen Gesellschaften, appelliere ich, ihren verfolgten Schwestern und Brüder geistlich und auch politisch beizustehen und die Stimme zu erheben für die Achtung der Religionsfreiheit und der Würde der menschlichen Person.

Wir dürfen nicht schweigend zusehen, wenn versucht wird, die Christen jetzt auch aus Ägypten, einem der Ursprungsländer der Christenheit, zu vertreiben. Es ist schon schlimm und über die Maßen beklagenswert, dass es den Christen in Syrien und im Irak fast unmöglich ist, in ihrer Heimat zu bleiben. Wir müssen unsere Stimme erheben für die Christen im alt-ehrwürdigen, auf den heiligen Markus und damit auch auf den heiligen Petrus zurückgehenden Patriarchat von Alexandrien, jener Metropole antiker schon jüdischer und dann christlicher Geistigkeit. Mit Syrien gehört auch Ägypten zu den Regionen, wo gleichsam die Wiege des Christentums stand.

Beten wir deshalb heute auch besonders für unseren Papst Franziskus und um ein Gelingen seiner Reise nach Ägypten in 14 Tagen. Im Jahr 1219 war sein Namenspatron, der heilige Franz von Assisi mit einem Kreuzfahrer-Heer bis nach Ägypten gezogen. In der Nähe von Damiette im Nil-Delta predigte er sogar im Lager des muslimischen Heeres vor dem Sultan Al-Kamil. Der war immerhin beeindruckt von der Begegnung mit dem Bettelmönch und seinem Zeugnis für die Gewalt-freiheit, was den Franziskanern im Orient bis heute hohes Ansehen und manche Privilegien eingebracht hat. Möge die Reise von Papst Franziskus noch erfolgreicher sein, möge es ihm gelingen, die rettende und versöhnende, ja die ent-feindende und Frieden stiftende Kraft des Kreuzes Christi zu bezeugen und auch bei jenen eine Liebe zum Gekreuzigten in den Herzen zu entfachen, die im Kreuz nur das Zeichen äußerer Macht und westlicher Verkommenheit zu sehen vermögen. Möge die Botschaft von Papst Franziskus auf fruchtbaren Boden fallen, zur Ehre Gottes und zum Segen für die Menschen in Ägypten und wo immer sie um ihres Glaubens Verfolgung fürchten müssen.

Denn im Kreuz ist Hoffnung, im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, Amen.