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Ehrendoktorwürde für Professor Jörg Splett

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AUGSBURG – So also präsentiert sich ein christlicher Philosoph. Nach Überzeugung von Prof. Jörg Splett gibt die Theologie Antworten auf offene Fragen der Philosophie. Er gestand, wenn er theologische Diplom- und Doktorarbeiten betreut habe, habe er sich wie ein Huhn gefühlt, das Enteneier ausbrütet. Dem bekannten Frankfurter Religionstheologen, der auch an der Hochschule für Philosophie in München lehrt, wurde jetzt die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg verliehen.

Vorgeschlagen wurde Splett von seinem ehemaligen Schüler, dem Prodekan der Fakultät, Prof. Peter Hofmann. Es ist die erste Ehrendoktorwürde, die die Fakultät nach Aussage ihres Dekans, Prof. Stefan Schreiber, seit fast zehn Jahren verleiht. Auch Augsburgs Bischof Konrad Zdarsa war bei der Auszeichnung zugegen und freute sich „über die Stärkung der Fakultät und unseres Glaubens“.

Die Laudatio hielt der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der ebenfalls bei dem Geehrten in München studiert hat. Das Christentum liefere keine Begründungen, sagte Voderholzer, aber ein „Entdeckungsfeld für Fragen und Probleme“.

Splett, geboren 1936 in Magdeburg, kam nach dem Zweiten Weltkrieg ins Rheinland und trat 1956 dem Jesuitenorden bei, den er 1960 wieder verließ. Er begann ein Philosophiestudium in St. Gallen, wurde in den 1960er Jahren zusammen mit Karl Lehmann Assistent bei Karl Rahner in München und übernahm selbst einen Lehrstuhl in Münster, 1971 dann an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt/Main. Voderholzer porträtierte Splett als Denker, der an der Dreieinigkeit und Personalität Gottes festhielt. Eine voraussetzungslose Philosophie gebe es nicht, betonte der Bischof. Splett sei die Wegweisung zu wichtigen Autoren wie etwa C. S. Lewis zu verdanken. Die Philosophie des Geehrten lote Tiefen und Höhen des Menschseins aus, wofür er Splett dankte. „Sie sind vor keinem noch so kritischen Publikum um eine Antwort verlegen“, fügte Voderholzer hinzu.

Splett verdeutlichte in seinem Festvortrag, dass die Philosophie seiner Ansicht nach auf Gott nicht verzichten kann. Jahrhunderte lang habe sie – mit Ausnahme der Ethik – nur über das Verhältnis von Subjekt und Objekt mit dem Ich im Zentrum nachgedacht. Dabei fange das Ich beim Du an. Er erinnerte daran, dass sich ein Neugeborener nicht als Ich, sondern zuerst „am Rand der Welt eines anderen“ wahrnehme. Das bedeute, „wir haben nicht das erste Wort, sondern das Wort zum Antworten“. So sei es auch im Verhältnis zu Gott.

Die Antwort auf die Frage: Wozu lebe ich? könne nicht sein: „Nur, um das Leben zu erhalten“. Splett zitierte dazu einen Vers aus dem dritten Kapitel des Römerbriefs, der selbst ein Zitat aus Psalm 51 ist: „Du wirst siegen, wenn du gerichtet wirst.“ Diese Antwort könne nur Gott geben. Splett kritisierte, dass Philosophen wie auch Theologen „heute wissenschaftlich sein wollen – wegen des Prestiges“. Dabei gehe es doch um die einfachen Kinderfragen: „Was? Warum? Woher? Wohin?“ Immanuel Kant habe es so ausgedrückt: „Es geht um Hoffnung, Sinn und Heil.“

Text + Bild: Andreas Alt