News Bild Durch das Kirchenjahr: Jesus und die 800 Flaschen Wein

Durch das Kirchenjahr: Jesus und die 800 Flaschen Wein

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… mit Benedikt:

 

2. Sonntag im Jahreskreis – Johannes 2,1-11

Wenn ich an die Wunder Jesu denke, kommen mir Situationen in den Sinn, in denen Jesus Menschen in schlimmen Nöten hilft. Da sind Menschen seit ihrer Geburt blind, können nicht gehen, leiden an Aussatz, der zum körperlichen Gebrechen auch noch gesellschaftlich isoliert. Da zeigt sich ein Jesus, der keinerlei Berührungsängste hat und der wirklich an die Ränder der Gesellschaft geht. Einer, der Not heilen kann – allein durch seine Anwesenheit oder eine Berührung.

An diesem Sonntag hören wir zum ersten Mal in diesem Kirchenjahr eine Wundererzählung. Wobei: Eigentlich nicht. Johannes spricht in seinem Evangelium nicht von „Wundern“, sondern von „Zeichen“. Was Jesus Erstaunliches tut, zeigt, wer er in Wahrheit ist. So auch bei diesem Zeichen, bei der Hochzeit in Kana. Jesus, seine Mutter und seine Jünger sind bei einer Hochzeit eingeladen, auf der der Wein ausgeht. Das Verhalten Jesu erscheint erst widersprüchlich. Maria stellt eigentlich nur fest, was Sache ist: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Jesus reagiert mit einer mehr als wirschen Antwort: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Und doch handelt er. Er lässt sechs Krüge mit Wasser füllen und verwandelt sie in Wein. Wobei: Krüge ist wohl das falsche Wort. Jeder von ihnen fasst etwa hundert Liter. Es handelt sich also eher um Fässer. Insgesamt macht das knapp 600 Liter Wein. Das würde heute wohl grob 800 Flaschen Wein entsprechen. Was für ein Überfluss! Man darf ja nicht vergessen, dass die Hochzeit schon im Gange ist und schon so weit fortgeschritten, dass die Gäste schon genug bis zu viel Wein getrunken haben dürften.

Und dann kommt Jesus und liefert weitere 800 Flaschen. Größer könnte der Widerspruch zu den anderen Wundern und Zeichen des Neuen Testaments kaum sein. Hier wird keinem armen, kranken Menschen die Gesundheit geschenkt, sondern einer fröhlichen Hochzeitsgesellschaft noch mehr Wein. Aber auch dieses Zeichen ist vom Evangelisten ganz bewusst ausgewählt worden. Jesus sagt, seine Stunde sei noch nicht gekommen – und verwandelt trotzdem das Wasser in Wein. Wieso? Interessanterweise taucht Maria, seine Mutter, von dieser Stelle an bis zur Kreuzigung nicht mehr im Johannesevangelium auf.

Ein Hinweis. Die Stunde Jesu ist am Kreuz gekommen, hier offenbart er den Kern seiner Sendung und den Kern seines Wesens. Die Zeichen des Johannesevangeliums sind nicht das eigentliche Ziel der Sendung Jesu, trotzdem aber Hinweise auf das, was er in Wahrheit ist: Gottes menschgewordenes Wort. Wein ist ein Zeichen der Fülle. Etwas, das der Mensch nicht wirklich braucht, um zu leben. Etwas, das seine Bedürfnisse übersteigt. Diese Fülle des Lebens will Jesus der Menschheit schenken.