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Durch das Kirchenjahr: Halbzeit

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… mit Benedikt:

 

4. Fastensonntag – Lukas 15,1-3.11-32

Herzlichen Glückwunsch: Sie haben schon etwas mehr als die Hälfte der Fastenzeit hinter sich gebracht. Vor dreieinhalb Wochen war Aschermittwoch, in drei Wochen werden wir Ostern feiern. Die Kirche feiert diesen Fastensonntag – nach dem ersten Wort des lateinischen Eröffnungsverses – „Laetare“ – „Freue dich!“. Der Blick richtet sich schon ein wenig auf das Osterfest, auf das die ganze Fastenzeit abzielt. Dieser Sonntag hat beinahe die Funktion eines Scharniers: Immer mehr kommt ab jetzt das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu in den Blick.

Auch das Evangelium dieses Sonntags wirkt wie ein Scharnier. Es unterstreicht die große Sündhaftigkeit des Menschen, besonders aber das Verhalten Gottes: Das „Gleichnis vom verlorenen Sohn“. Ein Sohn lässt sich das Erbe ausbezahlen und verlässt den Hof seines Vaters. Es dauert nicht lange, bis er das ganze Vermögen durchgebracht hat. Ganz unten angekommen, muss er als Schweinehirt arbeiten und lebt von dem, was den Schweinen im Trog vorgesetzt wird. Da beginnt das Umdenken: Wie viel besser geht es den Tagelöhnern seines Vaters! Er, der Sohn muss hungern. Also will er umkehren, den Vater um Vergebung bitten. Nicht die Einsicht aber in sein falsches Verhalten lässt den Wunsch zur Umkehr reifen, sondern der Hunger, die Sehnsucht nach den geregelten Verhältnisses des Elternhauses.

Und der Vater? Er wartet schon auf seinen Sohn, läuft ihm entgegen, schließt ihn in seine Arme. Die Bezeichnung dieser Geschichte als „Gleichnis vom verlorenen Sohn“ ist daher eigentlich falsch. Jesus erzählt das Gleichnis in erster Linie nicht, um anhand des Sohnes die Sündhaftigkeit der Menschen darzustellen. Am Vater will er zeigen, wie der göttliche Vater ist. „Gleichnis vom barmherzigen Vater“ trifft die Geschichte besser.

Der Sohn hat alles getan, um sich vom Vater zu lösen: Er hat die Familie im Stich gelassen, das Erbe verjubelt. Wenn der Vater dem Sohn den Rücken zukehren würde, würde man das verstehen. Man könnte es irgendwie nachvollziehen. Was der Vater aber tatsächlich tut, zeigt die Andersheit Gottes. Er nimmt den Sohn auf und feiert ein Fest; etwas, das er sonst nicht zu tun gewohnt ist, wie die Reaktion des älteren Sohnes zeigt.

Wo Sünde groß ist, wird das Erbarmen Gottes noch größer. Hier klingt schon fast ein Satz aus dem österlichen Exsultet durch: „O wahrhaft heilbringende Schuld des Adam, du wurdest zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat.“ Dieses berühmte Gleichnis setzt christliches Fasten in den richtigen Kontext. Die Fastenzeit gibt es nur unter dem erlösenden Horizont von Ostern. Christliche Reue und Umkehr gibt es nur unter der großen Verheißung des Lukasevangeliums: Der Vater steht schon an der Tür, er wartet, bereit nicht nur zu verzeihen, sondern überreich aufzunehmen.