Judäische Wüste

Durch das Kirchenjahr: der Blog zum Sonntagsevangelium

Geh!


Zweiter Sonntag der Fastenzeit A – Matthäus 17, 1 – 9

„In jener Zeit 1nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. 2Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija und redeten mit Jesus. 4Und Petrus antwortete und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. 5Noch während er redete, siehe, eine leuchtende Wolke überschattete sie und siehe, eine Stimme erscholl aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. 6Als die Jünger das hörten, warfen sie sich mit dem Gesicht zu Boden und fürchteten sich sehr. 7Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8Und als sie aufblickten, sahen sie niemanden außer Jesus allein. 9Während sie den Berg hinabstiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferweckt ist!“

Jesus führt drei seiner Jünger auf einen Berg und wird dort „verwandelt“ – „verklärt“, wie wir auch sagen. Seine Kleider leuchten und eine Stimme aus dem Himmel erweist Jesus als den geliebten Sohn Gottes. Jesus aber erscheint uns auf dem Berg nicht alleine, zwei große Männer des Volkes Israel stehen ebenso auf dem Berg: Mose und Elija. Jesus steht in Verbindung mit der Geschichte Israels. Er steht in der Reihe der Botschaft Gottes, die Mose und Elija verkündet haben, inmitten der Geschichte Gottes mit seinem Volk, die Mose und Elija repräsentieren. 

In der ersten Lesung (Gen 12,1-4a) hören wir von einem anderen Großen des Alten Testamentes: Abraham. Das verwundert vielleicht zunächst. Die Lesungen aus dem Alten Testament sind in unserer Leseordnung meist bewusst auf das Evangelium hin ausgesucht. Man würde deswegen vielleicht eher eine Lesung erwarten, die einen der beiden Propheten thematisiert, die mit Jesus auf dem Verklärungsberg stehen. Wir könnten etwa von der Berufung des Mose hören (vgl. Ex 3), von der Verkündung der Zehn Gebote am Sinai (vgl. Ex 20) oder von Elija, der am Horeb Gott in einem leisen Windhauch erfährt (vgl. 1 Kön 19). Dagegen hören wir von Abraham, der auf dem Verklärungsberg gerade nicht anwesend war. 

Zunächst einmal ist Abraham ein weiterer großer Mann aus der Geschichte Israels. Er führt den Gedanken fort, der uns bereits in der Verklärung begegnet: Jesus steht in der Geschichte Israels. Er ist der „Sohn Davids“, er spricht mit Mose und Elija, er ist auch ein Sohn Abrahams. In Jesus begegnet uns die gesamte Geschichte Gottes mit seinem Volk, die von der Erschaffung der Welt an ein großes „Ja“ zur Menschheit ist. Das sehen wir gerade auch bei Abraham. Eigentlich – möchte man meinen – sollte die Geschichte zwischen Gott und Menschheit doch vorbei sein. Eben erst hatte Gott mit der Sintflut auf die Sünde der Menschen reagiert (vgl. Gen 6,5-9,17), da antworten die Menschen sogleich mit dem nächsten Hochmut, dem Turmbau zu Babel (vgl. Gen 11). Doch das ist immer noch nicht das Ende; Gott wagt einen nächsten Neuanfang, indem er Abraham beruft: „Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen.“ (Gen 12,2). 

Abraham schließlich hört auf das Wort Gottes. Die Bibel berichtet nicht davon, dass Gott Abraham schon öfters erschienen wäre, Abraham Gottes Wort genau kannte. Da aber ergeht Gottes Wort an Abraham: „Geh fort aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde!“ (Gen 12,1). Und Abraham hört auf das Wort. Er verlangt keine Sicherheit, keinen Beweis dafür, dass Gott sein Wort auch wirklich einlösen werden. Die Bibel berichtet schlicht: „Da ging Abraham, wie der HERR ihm gesagt hatte“ (Gen 12,4). Abraham hört auf Gott. Er tut, was am Verklärungsberg die aus die Himmel kommende Stimme fordert: „auf ihn sollt ihr hören.“ Abraham ist damit auch eine Gestalt, die uns durch die Fastenzeit begleiten kann. Er zeigt, dass mit Gott immer wieder ein Neuanfang möglich ist. Er zeigt, dass wir uns in das Wort Gottes fallen lassen dürfen, ihm ganz vertrauen können.

Text: Benedikt Bögle

(sig)



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