Pfarrkirche in Köfering, klassisch gelb und barock

Die Köferinger Pfarrkirche und das Adelsgeschlecht der Grafen von und zu Lerchenfeld

Ein Gotteshaus voller Familiengeschichte


Köfering, 19. März 2026

Zwölf Kilometer südlich vor den Toren von Regensburg, wo die hügeligen Ausläufer des bayerischen Waldes allmählich in die Ebene des Gäubodens übergehen, liegt die Gemeinde Köfering. Ihre Pfarrkirche ist dem heiligen Michael geweiht. Neben der Kirche liegt das Wasserschloss. Dieses befindet sich seit dem Jahr 1569 im Besitz der Familie der Grafen von und zu Lerchenfeld.

In seiner bis ins 11. Jahrhundert nachweisbaren Familiengeschichte brachte die Familie zahlreiche bedeutende Minister, Politiker und Diplomaten hervor. Vor allem im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vertraten sie Bayern als Gesandte an den Höfen in Wien, Berlin, St. Petersburg oder Brüssel. Dabei arrangierten sie unter anderem Ehen, wie die zwischen Kaiser Franz Joseph und Prinzessin Elisabeth von Bayern (Sisi), Kronprinz Maximilian von Bayern und Marie von Preußen oder Herzog Maximilian von Leuchtenberg und der russischen Zarentochter Marie. Mit Hugo Graf von und zu Lerchenfeld (1871 – 1944) stammt sogar ein bayerischer Ministerpräsident aus der Köferinger Linie, der in den schwierigen Jahren von 1921 bis 1922 die Geschicke Bayerns lenkte und ein ausgesprochener Gegner der Nationalsozialisten war. Zahlreiche Familienangehörige bekleideten aber auch verschiedene hohe kirchliche Ämter oder waren Mitglied katholischer Orden und Organisationen.

Die Geschichte und Entwicklung von Köfering und der Pfarrkirche hat die Familie über Jahrhunderte bis zum heutigen Tag maßgeblich geprägt. Vor den Lerchenfelds waren die Stauffs Gutsherren in Köfering. Argula von Grumbach, die Nichte des Schlossherrn, gilt als eine der bedeutendsten Figuren der Reformation. Sie stand in engem Kontakt mit Martin Luther und soll, so erzählt die Legende, von der Kanzel der Vorgängerkirche gepredigt haben.

Spuren von 13 Generationen in der Kirche

Im barocken Gotteshaus fallen einem sofort die zahlreichen Wappen und beeindruckenden Epitaphe auf, vor allem die prachtvollen Renaissance-Grabplatten (Ädikulä) mit rundbogigen Tympana, wappengeschmückten Pilastern und Beschlagsornamenten. Über einen Zeitraum von über 400 Jahren haben 13 Generationen in der Kirche ihre Spuren hinterlassen. Bis zum Jahr 1936 wurden Familienmitglieder in der heute nicht mehr zugänglichen Gruft beigesetzt. Die Adelsfamilie stifteten wertvolle sakrale Gegenstände und Ausstattungen. Ebenso förderten sie in verschiedenster Form den Kirchenbau und Renovierungsmaßnahmen. Zahlreiche Epitaphe sowie prachtvolle Allianzwappen am Hochaltar, den Seitenaltären und der Kanzel erinnern an bedeutende Mitglieder der einst einflussreichen Familie.

Bei den Kämpfen im Löwlerkrieg im Jahr 1491 waren das ursprüngliche Schloss, die Kirche sowie das Pfarr‐ und Kaplanhaus schwer beschädigt worden. Der Pfarrer musste daher bis zum Neubau gar im nahen Egglfing wohnen. Im Jahr 1569 kaufte der wohlhabende Straubinger Kaufmann Caspar Lerchenfeld („Caspar der Reiche“, 1510 – 1572) das Wasserschloss Köfering und die Ländereien. Bei der Verteilung seines Erbes wurde es seinem gleichnamigen Sohn Caspar (1543 – 1598) zugesprochen. Er ist der Begründer der Köferinger Linie des Hauses Lerchenfeld. Ein prachtvolles Epitaph an der Südseite des Kircheninneren und die Wappen im Auszug des sich daneben befindenden Seitenaltars erinnern an ihn und seine Frau.

Sein Sohn Caspar Sigmund (1578 - 1619) ließ im Jahr 1618 die Vorgängerkirche des heutigen Gotteshauses von Baumeister Hans Schön errichten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloss in Mitleidenschaft gezogen. Offenbar litt auch die Kirche. Wegen des schlechten Zustands der Kirche schrieb Graf Franz Adam von und zu Lerchenfeld (1662 – 1734) am 8. April 1717 an den Fürstbischof Clemens August: „Es will die Noth erfordern, dass allhir zu Köfering sehr paufällig St. Michaelis Gotteshaus von neuem erpauet und repariert werden sollte.“

So wurde die Kirche im Jahr 1717 abgebrochen. Das Allerheiligste wurde während des Kirchenneubaus in das nahe Egglfing transferiert, wo auch während der Bauzeit die Gottesdienste gefeiert wurden. Von der alten Kirche blieb lediglich der Turm mit Kuppeldach an der Westseite stehen. Seine Integration in die zweite lerchenfeldsche Kirche ergab ein gelungenes, barockes Ensemble.

An der Nordseite des Kirchenneubaus wurde am Langhaus beim Seitenaltar die Begräbniskapelle der gräflichen Familie errichtet. Über dem Eingang prankte das Allianzwappen Lerchenfeld-Schallenberg und eine Inschrift, die auf den Bauherren verweist. Beide werden heute im Innenhof des Schlosses verwahrt. Gemäß einer Weihekostenrechnung wurde die neue Kirche erst im Jahr 1732 konsekriert. 

Über die Jahre erfuhr die Kirche zahlreiche Veränderungen. Sie wurde in den 1930er Jahren verlängert und auch der Kirchturm, der die fünf Glocken des Läutwerks trägt, das teilweise noch aus dem Jahr 1717 stammt, von der West- an die Südostseite versetzt. Grund für die Verlagerung des Glockenturms war auch, so ist es jedenfalls den Kirchenakten zu entnehmen, dass Lausbuben häufig die Glocken läuteten, als die Seilzüge sich leicht zugänglich am Hauptportal befanden.

Kunsthistorisch bedeutend: Schwanthaler Epitaph

Kunsthistorisch besonders bedeutend ist das Epitaph von Graf Maximilian (1772 – 1809) und seiner Frau Maria Anna (1775 – 1854). Es befindet sich in der heutigen Ministrantensakristei, die einst die gräfliche Grabeskapelle war. Dort war auch der Abgang zur Gruft. 

Das beeindruckende Grabdenkmal wurde vom Bildhauer Franz Jakob Schwanthaler (1760 - 1820) geschaffen. Dieser ist der Vater des berühmten Münchner Künstlers Ludwig Schwanthaler, dem Schöpfer der Bavaria.

Franz Jakob Schwanthaler erlangte Berühmtheit, da er einen neuen Brauch begründete und der Bildhauerzunft in München, die seinerzeit wenig Beschäftigung hatte, zu neuen Aufträgen verhalf: Anstelle der düsteren eisernen Grabkreuze, die bis dahin auf den Münchner Friedhöfen zu finden waren, führte er Grabmonumente aus Stein und Marmor ein.

Im Jahr 1790 errichtete er in München das erste steinerne Grabmal mit einer, über eine Urne gebeugten, trauernden, weiblichen Gestalt. Diese „Verwegenheit“, wie es Constant von Wurzbach ausdrückte, blieb nicht ungeahndet: Eines nachts wurde das Grabmal zerstört, was wiederum zu so viel Aufmerksamkeit führte, dass der Bann gebrochen war: Man fand Schwanthalers Idee „weder unreligiös noch sonst unangemessen und der ersten Bestellung mit unglücklichem Ausgange folgten alsbald mehrere, welche unangetastet blieben und noch heute auf dem älteren Münchner Friedhofe […] zu finden sind. Wohl an ein halbes Hundert und vielleicht auch mehr solcher Grabdenkmale hatte [… Schwanthaler] gemeißelt“, so von Wurzbach. Die meisten davon sind heute jedoch nicht mehr erhalten.

Besonders beim Adel fanden die Werke Schwanthalers großen Anklang. Er fertigte Büsten von König Maximilian I. von Bayern und dessen Frau Karoline an. Von Schwanthaler stammt auch der Trauergenius aus weißem Marmor in der Münchner Theatinerkirche zum Andenken an den im Jahr 1803 verstorbenen Sohn des Königs, Prinz Max Joseph Friedrich. Weitere bedeutende Werke von Schwanthaler waren ein Genius aus Marmor am Eingang zum Englischen Garten, ein Denkmal für den Grafen Rumford, sowie die kolossalen römischen Rüstungen und Kränze am Durchfahrtsbogen der Arkaden des Hofgartens, die Figuren und reichen Kapitelle und Friese am Proszenium des Hofheaters und Ornamentarbeiten in den Prachtgemächern der Münchner Residenz. Auch außerhalb Münchens erhielt Schwanthaler, der als „Begründer einer besseren Geschmacksrichtung“ galt, Aufträge - wie eben aus Köfering.

Altarbild aus dem 15. Jahrhundert

Über dem Hauptaltar der Köferinger Kirche fällt ein Engel auf. Er hält das Wappen des Kirchenerbauers Graf Franz Adam und seiner Frau Elisabeth Maria (geb. Gräfin von und zu Schallenberg). Von besonderer Bedeutung ist jedoch das Gemälde des Hauptaltars: Im Zuge der Renovierungsarbeiten um 1885 wurde der ursprüngliche Hochaltar von 1720 in die Peterskirche im benachbarten Niedertraubling abgegeben. Dieser entstammte der Werkstatt des Schreiners Paulus Dilger in Augsburg. Offensichtlich passte das von Graf Maximilian von und zu Lerchenfeld (1799 – 1859) erworbene, wertvolle Tafelgemälde, das Christus am Kreuz mit Maria und Johannes darstellt, nicht in den bestehenden Altar. Daher wurde für das Altarbild ein in Spätrenaissance‐Formen gestalteter Hochaltar angeschafft.

Das Gemälde ist eine bedeutende schwäbische Arbeit aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der namentlich nicht bekannte Künstler erhielt in der Kunstgeschichte den Namen „Meister von 1477“. Dieser gilt als Kenner der altniederländischen Malerei, die damals auch für viele deutsche Maler, vor allem im Rheinland, Vorbild war. Man spekuliert, ob er möglichweise ein zugewanderter Künstler war, der nur eine gewisse Zeit in Augsburg lebte. Anlässlich des 70. Geburtstags von Gräfin Sybille von und zu Lerchenfeld (1923 – 2007) wurde das Altarbild im Jahr 1993 aus Spenden in den Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz restauriert.

Ein fester Bezug des Werkes zu Augsburg ist durch die beiden Stifterwappen im Bild gegeben. Dabei handelt es sich um die Wappen der Augsburger Geschlechter Lieber und Ilsung. Graf Maximilian hatte das Bild wohl in Augsburg von einem Händler für die Köferinger Kirche erworben. Nach Einschätzung des Augsburger Diözesankonservators Dr. Michael Schmid muss es schon einige Jahrzehnte nicht mehr an seinem früheren Ort gewesen sein und dürfte wohl seit der Barockzeit, als überall neue Altäre errichtet wurden, keinen festen Platz mehr gehabt haben. Durch das Einfügen der Tafel in den Altar gingen unten und seitlich beträchtliche Partien verloren.

Die seitlichen Altarfiguren schnitzte der bedeutende Bildhauer Bernhard Bendl (1660 - 1738). Als Vorbild sollte der Herz‐Jesu‐Altar im Augsburger Dom dienen. Das Haus Lerchenfeld hatte zur Zeit des Kirchenbaus eine enge Verbindung in die Fuggerstadt: Der Kirchenbauherr, Graf Franz Adam, war geheimer Rat und Oberststallmeister des Fürstbischofs von Augsburg. Sein Sohn, Johann Franz, (1687 - 1752) war Domherr in Augsburg.

Einlagerung von Epitaphen im Schloss

Dass die Kirche aber nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 – 1965) ihrer barocken Pracht vollständig entledigt wurde, ist für den Betrachter heute nur mehr schwer vorstellbar. Bei der Entfernung der gesamten Innenausstattung in den 1960er‐Jahren blieb zunächst lediglich das wertvolle Kreuzigungsbild ohne Umrahmung an der Ostwand des Chores hängen. Glücklicherweise hatte damals Ludwig Graf von und zu Lerchenfeld (1923 - 1981) in vorausschauender Weise Altar‐ und Kanzelteile sowie Epitaphe im Schloss eingelagert. Die um 1720 entstandene Kanzel ist wohl, wie der erste Hochaltar, aus der Werkstätte des Paulus Dilgers. Vermutlich fanden an ihr, wie an den Seitenaltären, um 1885 Renovierungsarbeiten und Ergänzungen statt. Die Kanzel gelangte im Jahr 1978 in das Depot des Regensburger Diözesanmuseums.

Nach und nach kehrten, maßgeblich unterstützt durch die gräfliche Familie, der Hochaltar, die Seitenaltäre und die Orgel in die Kirche zurück. Im Jahr 2013 holten schließlich engagierte Köferinger Bürger die Einzelteile der Kanzel aus dem Depot. Es wurde ein Verein zur Finanzierung der Rückführung gegründet, der Kanzelförderverein e.V. Durch den mehrmaligen Transport der Kanzel waren über 70 Einzelteile verloren gegangen. Diese wurden in über 1.800 Arbeitsstunden neu angefertigt und ergänzt. Dank der Unterstützung durch Pfarrer Matthias Kienberger, die Gemeinde Köfering, die örtliche Raiffeisenbank, viele private Spender und das gräfliche Haus Lerchenfeld konnte die Kanzel im Jahr 2019 zurückgeführt werden.

Der Schirmherr und Förderer der Rückführung, Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (1952 - 2017), erlebte die Rückführung nicht mehr. Er war zwei Jahre zuvor verstorben. Sein Wappen und das seiner Frau Marie Therese, geb. Gräfin Ambrózy von Seden und Remete, ist an der Kanzel angebracht. Er war der bisher letzte Graf in der Reihe der politisch bedeutenden Persönlichkeiten. Er war von 2003 bis 2013 Mitglied des Bayerischen Landtags, dann bis 2017 Abgeordneter des Deutschen Bundestags. Er hatte sich auch für die Rückführung des in den 1960er-Jahren abgehängten Kreuzwegs eingesetzt. Der ursprünglich im Jahr 1890 angeschaffte Kreuzweg stammt vom Hengersberger Bildhauer Simon Seywald. Durch Spenden anlässlich des 50. Geburtstags des Grafen im Jahr 2002 wurde der Kreuzweg neu gefasst und konnte wieder angebracht werden. 

Philipp Nerius und Marie Antoinette

Philipp Graf von und zu Lerchenfeld war es auch ein Anliegen, die Epitaphe, die ursprünglich ebenfalls in der Kirche angebracht waren und heute im Schloss lagern, wieder in die Kirche zurückzuführen. Schließlich erinnern die Steinplatten an weitere bedeutende Mitglieder der Familie, wie den kurpfalz-bayerischen Gesandten am Immerwährenden Reichstag zu Regenburg, Graf Philipp Nerius (1736 – 1803). Dessen Mutter war als Witwe von Kaiserin Maria Theresia an den Wiener Hof gerufen worden. Als Obersthofmeisterin übernahm sie dort die Oberleitung der Erziehung der Erzherzoginnen Johanna, Josepha, Charlotte und Maria Antonia, der späteren französischen Königin Marie Antoinette. 

Eine weitere Steinplatte erinnert an Graf Hugo von und zu Lerchenfeld (1843 – 1925). Er war bei den Verhandlungen über die Entstehung des Deutschen Kaiserreiches in Versailles 1870/1871 dabei und schließlich ab dem Jahr 1880, 38 Jahre lang, bis zum Ende der Monarchie, Bayerns Gesandter in Berlin. Reichskanzler Dr. Luther schrieb in seinem Beileidstelegramm zum Tode des Gesandten an das Haus Lerchenfeld: „Die deutsche Geschichte wird in ihm einen der besten Deutschen ehren.“

Graf Hugo war auch Namens- und Taufpate seines Neffen Hugo (1871 – 1944), der in der Köferinger Kirche getauft wurde und in den Jahren 1921/1922 Bayerischer Ministerpräsident war. 

Vereinbarungen über die Rückführung der Epitaphe aus dem Schlosshof in die Kirche waren bereits mit der Kirchenverwaltung getroffen worden, konnten aber wegen der schweren Krankheit und des frühen Todes von Philipp Graf von und zu Lerchenfeld im Jahr 2017 nicht mehr ausgeführt werden. Vielleicht finden sie dennoch eines Tages den Weg zurück in das barocke Kleinod. Aber auch ohne sie ist die Kirche, die von außen eher unscheinbar wirkt, ein Ort, an dem bedeutende Personen der bayerischen, deutschen und europäischen Geschichte sichtbar ihre Spuren hinterlassen haben.


Text: Wolfgang Voigt

(kw)

Weitere Infos

Ein Radiobeitrag aus der Sendereihe Zwölfuhrläuten des Bayerischen Rundfunks berichtet über das Thema.

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