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Zur Neuigkeit
Nationalmuseum in Prag eröffnet bedeutende Ausstellung
Die Přemysliden: eine Herrscherdynastie
Prag, 11. Mai 2026
Die Geschichte der Dynastie, die das böhmische Fürstentum in ein Königreich verwandelte und Mitteleuropa nachhaltig prägte, wird in der größten Ausstellung des Jahres im Nationalmuseum der Tschechischen Republik lebendig. In Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Prager Burg eröffnete die Ausstellung „Die Přemysliden – eine Herrscherdynastie und ihre Zeit“ am 24. April 2026 im Historischen Gebäude des Nationalmuseums und bietet eine einzigartige Gelegenheit, außergewöhnliche Exponate zu sehen, die die dramatische Geschichte einer Dynastie erzählen, welche die tschechische und europäische Geschichte geprägt hat.
900 Exponate, königliche Schätze und ungelöste Geheimnisse
Im Jahr 2026 richtet das Nationalmuseum sein Ausstellungsprogramm unter dem thematischen Leitmotiv „Geschichte und Persönlichkeiten“ aus, das die wichtigsten Ausstellungen des Jahres miteinander verbindet. Die Geschichte der böhmischen Länder wird dabei in einen breiteren europäischen Kontext gestellt.
Die Ausstellung im Historischen Gebäude präsentiert mehr als 900 Objekte aus den Sammlungen des Nationalmuseums der Tschechischen Republik sowie aus nahezu siebzig in- und ausländischen Institutionen, von denen viele erstmals öffentlich gezeigt werden. Zu den bedeutendsten Exponaten gehört der romanische Sarkophag des heiligen Longinus, der erstmals außerhalb von Vyšehrad gezeigt wird und vermutlich einst den Leichnam eines Herrschers beherbergte. Die Königskrone von Środa Śląska, Textilien aus dem Grab der heiligen Ludmila, die Grabinsignien Přemysl Ottokars II., sein Schwert sowie der persönliche Ring Přemysl Ottokars I. gehören zu den Objekten, durch die Geschichte zu konkreten und eindrucksvollen Erzählungen wird. Die Ausstellung präsentiert die Přemysliden als Dynastie von europäischer Bedeutung.
Ausstellung von europäischem Format
Die Geschichte der Přemysliden wird anders erzählt, als man sie traditionell aus Lehrbüchern kennt. Es handelt sich nicht um eine Auflistung von Herrschern und Daten, sondern um die lebendige Geschichte eines Familienclans, in der Machtansprüche, militärische Konflikte, Repräsentation und der Wandel der geistigen Welt aufeinandertreffen. Besucherinnen und Besucher begegnen den Schicksalen von Fürsten und Königen im vollständigen Zusammenhang – durch Objekte, die von diesen Geschichten Zeugnis ablegen.
„Die Přemysliden verwandelten das böhmische Fürstentum in ein Königreich und stehen am Ursprung unserer Staatlichkeit. Die Ausstellung, die vom Nationalmuseum der Tschechischen Republik eröffnet wird, ist sowohl durch ihren Umfang als auch durch ihre einzigartigen Exponate außergewöhnlich. Ich bin überzeugt, dass sie in diesem Jahr zu den bedeutendsten Ausstellungsprojekten ihrer Art nicht nur in der Tschechischen Republik, sondern auch im europäischen Kontext gehören wird. Sie bietet den Besuchern die Möglichkeit, seltene mittelalterliche Artefakte zu sehen, die Geschichte der Přemysliden-Dynastie kennenzulernen, ihre entscheidenden Momente zu entdecken und Geschichte auf ansprechende Weise zu erleben“, sagt Michal Lukeš, Generaldirektor des Nationalmuseums der Tschechischen Republik.

Grabtextilien der heiligen Ludmila
„Die Prager Burg wurde vor mehr als tausend Jahren vom Přemyslidenfürsten Bořivoj gegründet, und die Přemysliden legten den Grundstein dafür, dass die Prager Burg heute der am längsten genutzte Sitz des Staatsoberhauptes ist. Ihrem Erbe begegnen wir auf dem Burggelände jeden Tag. Insgesamt haben wir mehr als neunzig Objekte aus unseren Sammlungen für die Ausstellung ausgeliehen, von denen die meisten normalerweise nicht öffentlich gezeigt werden. Dazu gehören beispielsweise die Grabtextilien der heiligen Ludmila aus dem 10. Jahrhundert, die zu den bedeutendsten textilen Artefakten Böhmens zählen. Wir freuen uns sehr über diese Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum; es handelt sich um ein außergewöhnliches Projekt, das nach unserer Überzeugung viele Besucher anziehen wird“, sagt Pavel Vyhnánek, Direktor der Verwaltung der Prager Burg.
Die Ausstellung im Erdgeschoss des Historischen Gebäudes ist in vier thematische Bereiche gegliedert. Sie führt den Besucher von den Ursprüngen der Dynastie über die Fürsten- und Königszeit bis zu ihrem Nachwirken in der Luxemburger Epoche. Damit zeichnet sie nicht nur die Entwicklung der Herrscherdynastie nach, sondern auch den Wandel Böhmens und Mährens vom späten 8. bis zum frühen 14. Jahrhundert im breiteren europäischen Zusammenhang.
Die Geschichte der Dynastie beginnt mit der Legende von Fürstin Libuše und dem Pflüger Přemysl. Es ist eine Erzählung an der Grenze zwischen Mythos und historischer Erinnerung. Libušes Entscheidung, einen einfachen Bauern auf den Fürstenthron zu berufen, gehört zu den bekanntesten Motiven der tschechischen Geschichte und symbolisiert den Aufstieg der Macht der Přemysliden. Die Ausstellung macht diese Geschichte durch mittelalterliche Buchmalereien und romanische Wandmalereien aus der Rotunde von Znaim lebendig, die zeigen, wie das Motiv von Libuše und Přemysl im Laufe der Jahrhunderte wahrgenommen und interpretiert wurde. Ergänzt werden diese durch archäologische Funde aus den Burgwällen der Přemysliden, die den legendären Ursprung der Dynastie in einen konkreten historischen Zusammenhang stellen.

Konflikt zwischen christlichem und heidnischen Wertesystem
Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist der Konflikt zwischen der heiligen Ludmila und ihrer Schwiegertochter Drahomíra. Der Kampf um Einfluss auf den jungen Wenzel war nicht nur ein familiärer Streit, sondern ein Zusammenstoß zweier Wertesysteme – des christlichen und des heidnischen. Er gipfelte in der dramatischen Ermordung Ludmilas in Tetín, die das ganze Land erschütterte. Die in der Ausstellung gezeigten Textilien aus ihrem Grab liefern ein außergewöhnlich authentisches Zeugnis dieser Geschichte und zählen zu den seltensten frühmittelalterlichen Artefakten Böhmens.
Daran schließt sich das Schicksal ihres Enkels, Fürst Wenzel, an. Auch sein Leben und sein Tod stehen im Zusammenhang mit einem familiären Konflikt, diesmal zwischen Brüdern. Die Ermordung Wenzels in Altbunzlau gehört zu den Schlüsselmomenten der tschechischen Geschichte. Die Ausstellung zeigt, wie aus einem politischen Machtkampf ein mächtiges Symbol entstand. Nach seinem Tod wurde der Herrscher als Heiliger und Schutzpatron des Landes verehrt. Reliquien und liturgische Gegenstände, die mit seinem Kult verbunden sind, dokumentieren die Verwandlung einer historischen Persönlichkeit in ein zeitloses Symbol tschechischer Staatlichkeit.
Die Geschichte der Přemysliden ist jedoch nicht nur eine Geschichte von Tragödien, sondern auch vom Aufstieg zur Macht. Přemysl Ottokar I. gelang es, den erblichen Königstitel durchzusetzen und die Stellung der böhmischen Länder im komplexen Gefüge der europäischen Politik zu festigen. Sein persönlicher Ring erinnert nicht nur an diesen Herrscher selbst, sondern auch an den Moment, in dem aus dem Fürstentum ein Königreich wurde.
Ottokar II. – Macht von Böhmen bis zur Adria
Den Höhepunkt der Macht der Přemysliden markierte die Herrschaft Přemysl Ottokars II., eines Herrschers von europäischer Bedeutung, dessen Reich sich von Böhmen bis zur Adria erstreckte. Seine Regierungszeit ist jedoch zugleich eine Geschichte des Niedergangs. Seine Ambitionen endeten tragisch in der Schlacht auf dem Marchfeld im Jahr 1278. Die Grabinsignien aus seinem Grab – Krone, Zepter und Reichsapfel – gehören zu den eindrucksvollsten Exponaten der Ausstellung und erinnern an die Vergänglichkeit selbst der größten weltlichen Macht.
Auch Frauen spielten in der Geschichte der Přemysliden-Dynastie eine bedeutende Rolle, da sie den Lauf des Landes selbst ohne formale Macht beeinflussen konnten. Die Geschichte der heiligen Agnes von Böhmen veranschaulicht eine andere Art von Einfluss, der auf Glauben, Bildung und sozialer Fürsorge beruhte. Das Ende der Geschichte der Přemysliden markiert die dramatische Ermordung Wenzels III. im Jahr 1306, die bis heute ungeklärt ist und eines der bedeutendsten Kapitel der tschechischen und mitteleuropäischen Geschichte abschloss.

Neben Objekten, die mit der Herrscherdynastie verbunden sind, bietet die Ausstellung auch Einblicke in den Alltag des Früh- und Hochmittelalters. Sie zeigt Religion, die Entstehung befestigter Siedlungen und Städte, Handel, Handwerk, Kunst und Gelehrsamkeit. Besucherinnen und Besucher sehen Schmuck, liturgische Gegenstände, Waffen, Münzen und Münzhorte, Bücher sowie weitere Exponate, die den Wandel der Gesellschaft und ihre zunehmenden Verbindungen zu den Nachbarländern dokumentieren.
Die Ausstellung „Die Přemysliden – eine Herrscherdynastie und ihre Zeit“ ist bis zum 15. Oktober 2026 im Historischen Gebäude des Nationalmuseums der Tschechischen Republik zu sehen. Sie ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.
Text: Kristina Kvapilová
(jas)












