gäste bei rupertia

Diskussionsabend mit Bischof Rudolf bei der Katholischen Studentenverbindung Rupertia

„Den Auftrag als Weltchrist in der Gesellschaft ernst nehmen“


Regensburg, 6. Mai 2026

Unter dem Motto „Religio versus Patria – Grenzen und Zusammenarbeit“ hatte am Mittwochabend die Katholische Deutsche Studentenverbindung Rupertia zu einem Diskussionsabend auf ihr Haus in der Regensburger Innenstadt eingeladen. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Weihbischof Dr. Josef Graf vertraten dabei die kirchlichen Standpunkte, der ehemalige Neumarkter Bundestagsabgeordnete Helmut J. Jawurek und der Doktorand der Politikwissenschaft, Mario Mandlik, zeichneten für die staatlichen Positionen verantwortlich. Moderiert wurde der Abend in dem bis auf den letzten Platz besetzten Auerhaus vom Verbindungsseelsorger der Rupertia, Kaplan Leonard Skorczyk.

„Religio versus Patria“

Das Bekenntnis zum Katholischen Glauben (Religio) und zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland (Patria) sind neben Scientia (Liebe zur Wissenschaft) und Amicitia (generationsübergreifende, lebenslange Freundschaft) die vier Prinzipien der Rupertia und der rund 130 Studentenverbindungen in deren Dachverband dem CV. Als Einstiegsimpuls teilte jeder der vier Diskussionspartner seine Sichtweise zum Diskussionsthema mit. Staat und Kirche, so Bischof Rudolf, sollten sich nicht vollständig miteinander identifizieren, aber auch nicht vollständig voneinander getrennt sein, es solle eher eine Unterscheidung je nach Zuständigkeit in der Gesellschaft stattfinden. Helmut Jawurek MdB a.D. sieht zwar die Trennung von Kirche und Staat als eine Errungenschaft an, bei der aber Kirche nicht wegfallen dürfe, gerade auch im Blick auf das enorme soziale Engagement für die Gesellschaft. Er richtete seinen Blick auch auf die islamischen Länder der Erde, in denen diese Trennung nicht stattfinde, auch evangelikale Kräfte in den USA hätten eine starke Tendenz dazu.

„Religionsfreiheit – Relativismus - Sinnkrise“

Über diese drei großen Themen tauschten sich die Diskussionspartner in der abendfüllenden Veranstaltung aus. Seine ständige Teilnahme am Marsch für das Leben, so Bischof Rudolf, sei keine Demonstration gegen, sondern für das Leben, auch keine religiöse Veranstaltung, sondern das Recht als Staatsbürger im Blick auf eine katastrophale Entwicklung, die die Erfüllung des Generationenvertrages unmöglich mache. Anstatt sich mit Genderfragen & Co zu beschäftigen, sollten Politiker darauf ihr Augenmerk richten. Jawurek fand es sehr bedenklich, dass das Lebensrecht überhaupt in Frage gestellt werde. Auch für Mandlik ist es keine religiöse, sondern eine gesellschaftliche Frage. Im Weiteren legten die Diskutanten Wert darauf, dass es sich beim Staat nicht um eine Werte- sondern um eine Rechtsgemeinschaft handle. Bischof Rudolf zitierte den bekannten Satz: „Der Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“. Mandlik forderte, getreu dem Grundsatz der katholischen Studentenverbindungen, „mutig Farbe zu bekennen“, auch wenn viele gegen einen sprechen, so z.B. beim Thema Abtreibung. Im Blick auf die vorherrschende Sinnkrise junger Menschen riet Bischof Rudolf zu einer bewussten Unterscheidung von Glück und Spaß, glücklich zu sein, Sinnvolles zu tun, sei ein menschliches Grundbedürfnis. Der Fragerunde aus dem Plenum folgte dann noch ein reger Gedankenaustausch in geselliger Runde.

Bischof Rudolf und seine Rupertia

Seit dem Sommersemester 2024 ist Bischof Rudolf das sechste Ehrenmitglied der Rupertia in deren Geschichte seit der Gründung 1947. Er trat damit, erklärte Altherrensenior Professor Dr. Frank Herrmann, in die Nachfolge von Papst Bendikt XVI., der als Professor in Regensburg (1969-1977) gute Kontakte zur Rupertia pflegte und dann 1978 als Erzbischof von München-Freising und Kardinal deren Ehrenmitglied wurde. Nach der Rede seines Mitbruders Bischof Gregor Maria Hanke OSB, selbst auch Alter Herr der Rupertia, anlässlich der Verleihung 2024, hatte Bischof Rudolf ganz klar auch seinen Wunsch an seine neuen Bundesbrüder formuliert, den er am Diskussionsabend bekräftigte: Katholische Studentenverbindungen seien die ersten Kandidaten für das Amt des Weltchristen, der seinen Glauben in seiner jeweiligen Lebenssituation in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft oder Medienwelt mutig bekennen solle. Der Auftrag in der Welt sei ernst zu nehmen. Diese Verantwortung sei nicht nur innerkirchlich, wie oft beim Synodalen Weg falsch gefordert, sondern gemäß des vom Zweiten Vatikanischen Konzil formulierten Laienapostolat, in die Welt hinein. 

Text und Fotos: Carl B. Prämassing
(jas)

 



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