News Bild Diaspora, Porzellan und bayerisch-böhmische Nachbarschaft - Nuntius Eterovic unterwegs in der nördlichen Oberpfalz mit Abstecher nach Kladrau

Diaspora, Porzellan und bayerisch-böhmische Nachbarschaft - Nuntius Eterovic unterwegs in der nördlichen Oberpfalz mit Abstecher nach Kladrau

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Einen ganzen Sonntag lang reiste Erzbischof Nikola Eterovic am 28. Juni 2015 durch den Norden des Bistums Regensburg und fand auch noch Zeit für einen Abstecher nach Böhmen. Der Botschafter des Heiligen Vaters besucht für fünf Tage die Oberpfalz und Niederbayern. Erzbischof Nikola ist seit 2013 Nuntius in Berlin. Bereits während des Katholikentages lernte der gebürtige Kroate von der dalmatinischen Insel Brac Regensburg kennen. In diesen Tagen kommt er wieder, um seinen Antrittsbesuch in Ostbayern zu machen. Die Diözesen Hamburg und Essen stehen als nächstes auf seinem diözesanen Touring-Plan. 

 

50 Jahre St. Josef in Selb-Plößberg

Der Tag beginnt in Selb-Plößberg mit dem Hochamt um 10:00 Uhr. 50 Jahre ist es heuer her, dass die Josefskirche des Ortes vom damaligen Weihbischof  Josef Hiltl eingeweiht wurde. Dekan Johann Klier begrüßt die Katholiken, die zum Jubiläums-Pontifikalamt strömen, mit herzlichem Handschlag an einem strahlenden Frühsommermorgen. Oberfranken zeigt sich von seiner Schokoladenseite. Man kennt sich und ist vertraut miteinander in der Diasporaregion.

 

Vom Tod zurück ins Leben

Vollbesetzt ist die Kirche als Ortspfarrer Pater John Arolichalil die Gäste herzlich willkommen heißt.  Bischof Rudolf predigt über das Evangelium. Das Evangelium (Markus 5, 21-43) erzählt unter anderem, wie Jesus die Tochter des Synagogenvorstehers Jairus vom Tod ins Leben zurückholt. Ein Zeichen, dass man erst dann ganz versteht, wenn man es mit dem Blick auf den Tod am Kreuz und auf Ostern betrachte: „Christus hat den Tod und das Grab von innen her gesprengt. Auf der Grundlage unseres österlichen Glaubens dürfen wir den Tod mit der Gewissheit annehmen, dass er nicht das Ende ist.“ 

 

Im Leben bleiben für immer

Talita Kum ruft Jesus dem 12-jährigen toten Mädchen zu. Stehe auf. Die Kirche insgesamt sei eine Talita Kum-Gemeinschaft, in der zum Leben aufgerufen wird. Das komme auch hier in der Josefskirche zum Ausdruck. Der Spruch in der Apsis, „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“ sei ein solcher Aufruf zum Leben. Am Eingang das Taufbecken stehe für den Mutterschoß der Kirche, durch den die Menschen in das Leben hineinkommen. Daneben der Beichtstuhl, die Reinigungsinstanz der Kirche, von Christus den Menschen anvertraut, damit das Leben seinen Glanz bewahrt. Und vorne der kunstvolle, porzellan-verzierte Tabernakel, der von der Schaffenskraft und Kreativität der Menschen zeuge und gleichzeitig auf die Gegenwart Gottes verweise, der die Menschen von der Bahre ihres Schmollwinkels herunterruft, um uns mit Hoffnung, Liebe und Lebenszuversicht  aufzubauen. Bischof Rudolf: “Wenn Gott, der Herr, für uns ist, welche Schwierigkeiten sollten wir dann noch haben, die sich nicht bewältigen lassen.“ Abschließend dankte der Bischof allen Gläubigen für die Lebendigkeit und Glaubenskraft der Pfarrei. „Viele Gläubige helfen in St. Josef zusammen, damit das kirchliche Leben gedeihen kann in  einem Raum, in dem gefeiert wird und gesagt wird: Steh auf und lebe dein Leben“.

Wie ein großes Familientreffen

Nach dem Pontifikalamt fanden sich die Katholiken auf dem Kirchplatz zusammen, um mit den beiden Bischöfen ins Gespräch zu kommen. Der Schönwalder Bürgermeister Klaus Jaschke und Carsten Hentschel für den Rat der Stadt Selb betonten mit Ihren Grußworten die besondere Bedeutung des Anlasses. Pfarrgemeinderatssprecher Reinhard Frenzl bedankte sich mit Blumen bei Monika Spörl, die für die Organisation verantwortlich zeichnete. Zurecht möchte man meinen, wenn man die heitere und gesprächsintensive Stimmung des Treffens erleben durfte. 

Wie Dr. Siemen Bischöfe fürs Porzellan begeistert

Einen Katzensprung entfernt begrüßt Dr. Wilhelm Siemen die beiden Bischöfe. Er ist mehr als der Direktor des Porzellanikons. Seit 1985 baut der Paderborner mit Herzblut, Kompetenz, weltweiten Verbindungen, künstlerischem, handwerklichem und didaktischem Sachverstand und einer sozialen Vision Schritt für Schritt in der Region D A S Porzellanmuseum mit mehreren Standorten auf, das seinesgleichen in Europa sucht.  Nach dem Mittagessen folgte die Führung. Sie musste sich mit wenigen Ausschnitten begnügen. Denn die Geschichte des Porzellans ist umfassend. 

Muss man gesehen haben…

Wer sich einen oder zwei Tage Zeit nimmt für das Porzellanikon, der erlebt wie Menschen arbeiteten, wie sie ihre Alltagskultur gestalteten, wie ein Werkstoff Träger technischer Innovation wurde, wie sich der Zeitgeschmack entwickelte, wie Fürsten speisten und wie der Tisch bei den Arbeitern gedeckt war. Er sieht große Kunst und den Zierrat für die Kommode. Er erlebt die Geschichte einer Region und die Ideen großer Unternehmerpersönlichkeiten. Ein wenig ist es unsere Geschichte der letzten 300 Jahre. Denn obwohl die Chinesen bereits seit rund anderthalb tausend Jahren das Porzellan kennen, wurde die erste europäische Manufaktur erst 1710 in Meißen errichtet.  Dass Bischof Rudolf, der auch zum ersten Mal das Porzellanikon besuchte, gerne noch einige Stunden angehängt hätte, sah man ihm an: Er wolle mit einem größeren Zeitbudget wiederkommen. Und der Botschafter des Heiligen Vaters resümierte später über das Porzellanikon: „Ich konnte dort auch die große kulturelle und ökonomische Tradition Bayerns erfahren. Das Museum und sein Zeugnis menschlicher Schaffenskraft muss man gesehen haben. Es wird mir im Gedächtnis bleiben.“

Kladrau

Etwa eine gute Stunde ist man unterwegs, bis man von Selb aus das Kloster Kladrau erreicht. Erzbischof Nikola und Bischof Rudolf wurden dort bereits vom Generalvikar des Bistums Pilsen, Mons. Josef Zak, und dem Abt der Prämonstratenserabtei Tepl, Filip Zdenek Lobkowicz, erwartet. Für Bischof Rudolf ist Kladrau ein besonderer Ort, stammt doch von dort seine Familie mütterlicherseits. 1946 wurden die Großeltern von ihrem Hof vertrieben, seine Mutter flüchtete bereits etwa ein Jahr zuvor. Die Versöhnung zwischen Deutschen und Böhmen liegt ihm am Herzen und als Beauftragter der Freisinger Bischofskonferenz kümmert er sich ganz besonders um die Verbindung mit den östlichen Nachbarn. Mit Bischof Frantisek Radkovsky von Pilsen verbindet ihn bereits seit langem Freundschaft. 

Bischof Rudolfs Verbundenheit verbindet

In der Ansprache am 26.1.2013 nach seiner Bischofsweihe hatte sich Bischof Rudolf direkt an seine Mutter gewandt: „Vom heiligen Wolfgang habe ich zum ersten Mal von meiner Mutter gehört – liebe Mutter, ich freue mich sehr, dass Du unter uns sein kannst, zusammen mit meinen Geschwistern und den Nichten und Neffen -, Du hast uns erzählt vom heiligen Wolfgang, im Zusammenhang mit der Gründungslegende Deines Heimatortes Kladrau in Böhmen. Der heilige Wolfgang, so wird erzählt, hatte auf seinem Weg nach Prag im Wald bei einer Gruppe von Waldarbeitern Rast gemacht. Er schnitzte aus einem gefällten Baum ein Kreuz, rammte es in die Erde und verhieß: An jener Stelle werde einmal der Hochaltar einer großen Kirche stehen. Die Kirche des 1115 gegründeten Klosters Kladrau versteht sich als Erfüllung dieser Verheißung.“

Ein gemeinsamer Kulturraum

So konnte der päpstliche Nuntius in Kladrau eine aus den Trümmern des 20 Jahrhunderts herauswachsende Nachbarschaft erleben, eine Nachbarschaft, die dazu beiträgt „Europa zusammenzuführen“ wie er zusammenfasste. Der Gang durch die Klosterkirche zeigt, dass Böhmen und Bayern einem gemeinsamen Kulturraum entstammen.  Davon zeugt die Kirche selbst mit ihrer eigentümlichen böhmischen Barockgotik, wie auch die Innengestaltung der Kirche, die den Assambrüdern und dem Bildhauer Matthias Bernhard Braun zu verdanken ist. In der Apsis sieht man eine hohe Statue des Heiligen Wolfgangs, an den Bischof Rudolf nach seiner Weihe erinnerte und der in der langen Reihe seiner Vorgänger steht. 

Bohemia Bavaria in Schönsee

Auch im nur wenige Kilometer entfernten Schönsee widmet man sich der deutsch-böhmischen Nachbarschaft. Zentrum Bohemia Bavaria: Der Name der Einrichtung ist Programm. Hans Eibauer, ihr Leiter, und Irene Träxler, die Vorsitzende des Trägervereins, erwarteten bereits die Bischöfe. Mit dabei waren auch die Dekane Alexander Hösl und Alfons Kaufmann von den Dekanaten Leuchtenberg und Neunburg-Oberviechtach. Das Schönseer Zentrum, gelegen in einer ehemaligen Bürgerbrauerei, kann man als fortgesetzte Grenzüberschreitung beschreiben. Hier finden die bayerischen und böhmischen Grenz-Regionen einen Ort, der bündelt, zusammenführt und vernetzt, was dies- und jenseits der Bergkämme die Menschen bewegt: seien Kunst, Sport, Geschichte, Wirtschaft, Freizeit oder der Sport. Natürlich verweilten die Bischöfe besonders lange in jenem Raum, dessen Boden eine riesige Landkarte bedeckt, und auf der sich besonders anschaulich für Nuntius Eterovic nachvollziehen ließ, welche Strecken er genau heute zurückgelegt hatte. Nach dem gemeinsamen Abendessen im Schönseer Hubertushof ging die Fahrt nach Regensburg zurück – nicht ohne den doppelten Nepomuk in Augenschein genommen zu haben, der schon immer dort, so Irene Träxler, am östlichen Rand der Ascha-Niederung stehe.