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Bischof Voderholzer eröffnet internationale Tagung in Chicago

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500 Jahre Reformation und der 90. Geburtstag von Benedikt XVI.: zwei Daten, die Prof. Dr. Matthew Levering und Prof. Dr. Emery de Gaal (Priester des Bistums Eichstätt) vom Mundelein Seminary, dem größten Priesterseminar der USA, zum Anlass nahmen, eine internationale Tagung zu veranstalten. Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hielt den Eröffnungsvortrag.

Unter dem Titel "Joseph Ratzinger and the Healing of the Reformation-Era Divisions" findet die Tagung vom 19. bis 21. Oktober 2017 an der University of St. Mary of the Lake nördlich von Chicago statt. Bischof Rudolf Voderholzer sprach zur Eröffnung vor 40 Wissenschaftlern aus Australien, Europa und den USA, die verschiedenen christlichen Konfessionen angehören, über das "Martyrologische Primatsverständnis Joseph Ratzingers als Schlüssel für ungelöste ökumenische Probleme".

Auseinandersetzung mit dem Wesen des Papstamtes

Es sei eine Besonderheit bei Papst Benedikt XVI., so Bischof Rudolf in seinem einstündigen Vortrag, dass mit ihm ein Mann Papst wurde, der sich als Theologe intensiv mit dem Wesen des Papstamtes auseinandergesetzt hatte. Eine besondere Problematik ergibt sich in der Ökumene. Denn vor allem für die Konfessionen, die aus der Reformation hervorgegangen sind, bildet das Papstamt einen Stein des Anstoßes. Martin Luther sprach vom Papst sogar als dem "Anti-Christ". Wie könnte das Papstamt auf dem Fundament des Neuen Testamentes und in Einklang mit der Tradition der Kirche so gestaltet werden, dass es einer sichtbaren Einheit der Kirche nicht mehr im Weg steht? Papst Benedikt XVI. hatte hierfür wichtige Impulse von Cardinal Reginald Pole übernommen, der im Konklave von 1549/50 die Abhandlung "De summo Pontifice" geschrieben hatte; nach Ratzingers Überzeugung eine der tiefsten Theologien des Primats.

Ratzingers Schüler Martin Trimpe wurde mit einer Arbeit über Reginald Poles martyrologisches Primatsverständnis promoviert. Er fasst sein Ergebnis folgendermaßen zusammen: Das von Pole gezeichnete Bild vom idealen Papst "besticht weniger durch seine dogmatische Klarheit und Luzidität als durch seine spirituelle Tiefe und seine Erfassung des zentralen geistlichen Impulses, aus dem heraus der Inhaber des Amtes leben muss. [...] Sein Zentralbegriff lautet 'imitari Christum': Der Papst muss sich Christus gleichgestalten, ihm nachfolgen, in umfassender Weise den Herrn repräsentieren." (Martin Trimpe, Macht aus Gehorsam, bisher unveröffentlicht).

Weitere Vorträge stehen an

Der Vortrag stieß auf großes Interesse, was die anschließende, lebhafte Aussprache bezeugte. An den folgenden beiden Tagen werden 16 Kurzvorträge zu hören sein. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer wird gemeinsam mit Prof. Dr. Sigmund Bonk, dem Direktor des Akademischen Forums Albertus Magnus Regensburg, Dr. Christian Schaller, dem stellvertretenden Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI. Regensburg sowie seinem theologischen Referenten Gabriel Weiten daran teilnehmen.

Im weiteren Verlauf der Vortragsreise wird die Gruppe die Notre Dame University in South Bend (Indiana) besichtigen, wo der aus Regensburg stammende Prof. Dr. Vittorio Hösle lehrt. Auch ein Besuch der Erzabtei Latrobe, die im 19. Jahrhundert von der Benediktinerabtei Metten aus gegründet wurde, ist geplant.