Gruppenfoto mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer auf der Priesterfortbildung.

Bischof Voderholzer begegnet Priestern der Weihejahrgänge 1995, 2007 und 2017

Blick über die Heimatpfarrei hinaus


Werdenfels, 27. März 2025

Aktuelle Vorkommnisse, theologische Aspekte und die Pastorale Entwicklung 2034 waren die Schwerpunkte beim Gespräch mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer bei der Fortbildung der in den Jahren 1995, 2007 und 2017 geweihten Priester. Im Haus Werdenfels hatten sich dazu gut 30 Geistliche für die zweitägige Veranstaltung eingefunden.

Nach dem Themenüberblick ging der Bischof auf das heurige Jubiläum „1700 Jahre Konzil von Nicäa“ ein. In diesem Zusammenhang empfahl er, das Jahr zu nutzen, um das Große Glaubensbekenntnis ins Gebetsleben der Pfarreien zurückzuholen.“ Auch die Tatsache, dass in anderen Ortskirchen – zum Beispiel in Tschechien, Italien und Spanien das Große Glaubensbekenntnis vorrangig praktiziert wird, führte er dafür an. Nur in den großen Credo-Vertonungen der Messen komme es in den Pfarrgemeinden noch zur Geltung, erklärte der Oberhirte. Dabei verbinde es ökumenisch mit den anderen christlichen Kirchen und mit der Weltkirche. In Bibel- und Glaubensgesprächskreisen könnten die zwei Glaubensbekenntnisse verglichen und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede erarbeitet werden. Bischof Voderholzer stellte weiter fest, dass die Trinität als Thema in der Pastoral bzw. Verkündigung, außer am Dreifaltigkeitssonntag, eher ein Schattendasein friste. Er appellierte an die Priester, bei dieser Thematik wieder mehr auskunftsfähig zu sein.

Pfarrgemeinderäte: aktuell unterschiedliche Modelle und Strukturen

Ein Thema, mit dem die anwesenden Priester bereits in unterschiedlicher Weise befasst sind, ist die Pastorale Entwicklung 2034 und das damit verbundene neue Statut für die Pfarrgemeinderäte. Dies ist besonders angesichts der im Jahr 2026 anstehenden Wahl der neuen Pfarrgemeinderäte wichtig. Vor dem Hintergrund der künftigen Pfarreiengemeinschaften empfiehlt Bischof Voderholzer die Bildung eines Gesamt-Pfarrgemeinderates, in dem Ortsausschüsse die Interessen der Einzelpfarreien vertreten. Aus den Statements der Priester wurde deutlich, dass vor Ort unterschiedliche Modelle und Strukturen praktiziert werden und man zwischen der Arbeit der Gremien und den liturgischen Angeboten differenzieren müsse. Im Blick zu haben sei das Zeitmanagement des Pfarrers vor Ort und das Zusammenwachsen der Pfarreien. Darüber hinaus gelte für die Gläubigen und Pfarrangehörigen, den Blick auf die eigene Pfarrei zu behalten, gleichzeitig aber den Blick zu weiten, also zum Beispiel auf die Nachbarpfarrei.
 

 

Umgang mit „Apatheisten“ und „Egalisten“?

Das Buch des aus dem Bistum Münster stammenden und nun als Theologieprofessor in Utrecht wirkenden Priesters Jan Loffeld „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt“ bildete den dritten Themenblock. Bischof Voderholzer zog eine Rezension von Paul Zulehner heran und rückte besonders die Parameter „Apatheisten“ (glauben nicht einmal nichts, sie hegen eine heitere Gottes-Apathie, mit der sie – ohne Trauer, Schmerz und Leere – bestens leben können) und „Egalisten“ (ihnen ist Gott als Wirklichkeit egal) in den Fokus. Diese Tendenzen widersprächen den von Theologen, wie Karl Rahner, oder von transzendentaler Theorie geprägten Glaubensgrundlagen. Zusammenfassend stellte Bischof Voderholzer fest: „Wenn wir Gott nur auf seine Nützlichkeit hin befragen, haben wir schon die falsche Frage gestellt. Die Menschheit hat immer gewusst, dass die Dankbarkeit eine Adresse, einen Adressaten braucht – über die Mitmenschen hinaus, hin zu Gott.“ In den Beiträgen der Priester wurde deutlich, dass besonders bei schicksalshaften, einschneidenden Erlebnissen (Geburt, Krankheit, Tod) Kirche und Religion auch bei sonst kirchen-distanzierten Menschen plötzlich eine Rolle spielten.

„Jesus ist das Reich Gottes in Person“

Beim Gottesdienst in der Hauskapelle, den der Bischof zusammen mit Prof. Dr. Christoph Binninger (Leiter des Bischöflichen Studiums Rudolphinum) und Pater Dariusz Jan Bryk OFMConv (Seelsorger in Bogenberg) zelebrierte, legte der Oberhirte das Tagesevangelium in einigen Gedanken aus. „Jesus selbst ist das Reich Gottes in Person. Wir haben es bei ihm also mit Gott selbst zu tun. Das Reich Gottes kann nicht von seiner Person getrennt werden. Jesus ist Gott. Es ist unser aller Mühe wert, diesen Glauben in uns selbst zu nähren, bei anderen zu stärken und so Kirche zu bauen“, appellierte der Oberhirte an die Priester. Im weiteren Verlauf der Fortbildung standen in Vorträgen die Themen „Krisenpastoral“ und „Jesus Christus. Gleichewiger Sohn Gottes. 1700 Jahre Konzil von Nicäa“ auf dem Programm.

Text und Fotos: Markus Bauer 

(jas/lg)
 



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