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Zur Neuigkeit
750 Jahre gotischer Dom: Schüler aus Kelheimwinzer feiern mit
Jakob mit iPad auf der Himmelsleiter
Kelheimwinzer / Regensburg, 31. Juli 2026
Der Kalender zum Jubiläum „750 Jahre gotischer Dom St. Peter“ gab Sabine Leitner-Racciatti den Anstoß für ein ungewöhnliches Religionsprojekt: Drittklässler in Kelheimwinzer gestalteten aus der Geschichte von Jakob und Esau eigene Kirchenfenster, nahmen die Erzählung mit dem iPad auf und bereiten für das Winterfest eine kleine Ausstellung mit QR-Codes vor. Bischof Rudolf Voderholzer würdigte die Arbeiten und die Idee dahinter.
In der Grundschule Kelheimwinzer gehört das iPad inzwischen ebenso zum Unterricht wie Heft, Stift und Kopfrechnen. Die technische Ausstattung hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Geblieben ist der Anspruch, dass die Geräte das Lernen ergänzen und nicht ersetzen, erklärt Schulleiterin Bauer.
Seit acht Jahren arbeitet das feste Team der Schule zusammen, inzwischen im neunten gemeinsamen Jahr. Sabine Leitner-Racciatti gehört zu diesem Kollegium. Vier Grundschulklassen mit insgesamt 97 Kindern werden derzeit unterrichtet. Drei Klassen zählen jeweils fast 28 Schüler, die zweite Klasse ist mit 16 Kindern deutlich kleiner.
Als das Team seine Arbeit begann, erinnerte die Ausstattung nach Darstellung der Lehrerin in vielem noch an die 1960er-Jahre. Heute stehen in allen Klassenzimmern interaktive Boards, für jede Klasse gibt es einen iPad-Wagen mit 30 Geräten. Schon Erstklässler lernen den Umgang mit den Tablets, in der vierten Klasse gehören Präsentationen damit zum Unterricht.
Bleistift und iPad
Lesen, Schreiben und Rechnen bleiben dabei die Grundlage. Die Kinder schreiben mit der Hand, rechnen schriftlich und im Kopf. Digitale Geräte kommen dort hinzu, wo sie für eine Aufgabe sinnvoll sind.
Schon in der zweiten Klasse entstanden E-Books zum Thema „Mein Haustier“. Dabei ging es nicht allein um die Bedienung einer App. Die Schüler mussten auswählen, gestalten, erklären und sich untereinander helfen. Auch Fragen des Umgangs mit Bildern und Persönlichkeitsrechten tauchen früh auf: Ein Mitschüler wird nicht einfach fotografiert, und ein Bild aus dem Internet darf nicht beliebig übernommen werden.

Für Partner- und Gruppenarbeit gibt es sogenannte Lernoasen. Dort können sich die Kinder mit einer Aufgabe zurückziehen und ihren Arbeitsweg innerhalb der Vorgaben selbst organisieren.
Jakob, Esau und die Fenster des Regensburger Doms
Wie sich diese Arbeitsweise im Religionsunterricht entwickeln kann, zeigt ein Projekt der dritten Klasse. Sabine Leitner-Racciatti behandelte mit den Kindern die Geschichte von Jakob und Esau. Die Schüler seien davon „ganz gebannt“ gewesen, schrieb sie später an Bischof Rudolf Voderholzer. Vor allem Jakob und die Himmelsleiter boten sich für eine weitere Arbeit an.
Den Anstoß gab ein Kalender des Bistums Regensburg zum Domjubiläum 2026, den die Schule im vergangenen Jahr erhalten hatte. Er zeigt Glasmalereien aus dem Regensburger Dom und trägt den Titel „750 Jahre gotischer Dom Sankt Peter zu Regensburg“. Die farbigen Fenster brachten Leitner-Racciatti auf die Idee, die biblische Erzählung in die Form eines Kirchenfensters zu übertragen.
In diesem Jahr feiert das Bistum Regensburg 750 Jahre gotischen Dom St. Peter. Ausgangspunkt ist das Jahr 1276: Damals ist dokumentiert, dass Bischof Leo den wiederaufgebauten Teil des alten Doms weihte, nachdem das Fundament für den neuen Dom gelegt worden war. Das Jubiläum wurde und wird mit zahlreichen Gottesdiensten, Ausstellungen, Konzerten und Führungen begangen. Zu den großen Feiern gehörten die feierliche Öffnung des Westportals im Juni und das Pontifikalamt zum Domjubiläum am 5. Juli. Über das ganze Jahr hinweg gibt es weitere Veranstaltungen zu Geschichte, Kunst, Liturgie und Musik der Kathedrale.
Die Klasse betrachtete außerdem Marc Chagalls „Jakobs Himmelsleiter“. Danach gestalteten die Kinder eigene Fensterbilder. Jedes Kind erhielt eine Kopie des Chagall-Bildes. Das Papier wurde mit Öl eingerieben, dadurch durchscheinend gemacht und mit Transparentpapier verbunden. Motive konnten ausgeschnitten, neu angeordnet und durch eigene Figuren ergänzt werden. Die Leiter gehörte zur Aufgabe, vieles andere blieb den Kindern überlassen.

Leitner-Racciatti war von den Ergebnissen so angetan, dass sie Fotografien an den Bischof schickte. Die Arbeiten hätten eine „wahnsinnige Ausstrahlung und Aussagekraft“, schrieb sie. Tatsächlich entstanden sehr verschiedene Bilder. Chagall war Ausgangspunkt, nicht Vorlage zum Nachzeichnen.
Bilder, die im Licht leben
Einige Arbeiten hängte die Lehrerin probeweise ans Fenster. Erst dort zeigte sich, wie stark sich die Wirkung der Farben mit dem einfallenden Licht veränderte. Im Hochsommer sollen die Bilder allerdings nicht dauerhaft hängen, damit das Transparentpapier nicht ausbleicht.
Im Herbst beziehungsweise Winter werden die Fenster deshalb wieder im Schulhaus gezeigt. Im Kollegium stießen sie bereits auf große Resonanz. Beim Winterfest im Dezember sollen auch die Eltern die Arbeiten sehen.
Die Geschichte zum Anhören
Mit den Bildern war das Thema noch nicht abgeschlossen. In Partnerarbeit fassten die Kinder die Geschichte von der Geburt Jakobs und Esaus bis zur Himmelsleiter in eigenen Worten zusammen. Aus Stichpunkten wurden Sätze, anschließend sprachen die Schüler ihre Texte auf den iPads ein.
Einige Gruppen ergänzten Musik, etwa um einen Zeitsprung hörbar zu machen. Beim Winterfest sollen die Aufnahmen über QR-Codes abrufbar sein. Die Eltern können dann vor den Fensterbildern stehen und zugleich hören, wie die Kinder die Geschichte erzählen. Leitner-Racciatti beschreibt die Idee als eine Art kleines Museum – mit Bildern und Audiobeiträgen der Schüler.
Bischof Voderholzer würdigt das Projekt
Bischof Rudolf Voderholzer schrieb, selbstverständlich freue er sich, wenn ein Geschenk wie der Domjubiläumskalender positiv angenommen und als Zeichen der Wertschätzung und des Dankes verstanden werde. Wenn Lehrerinnen und Lehrer den Kalender aufhängten und sich von ihm immer wieder daran erinnern ließen, dass ihre Arbeit gesehen werde, sei mit dem Versand schon viel erreicht.
Die größte Freude bereite ihm jedoch der Umgang der Lehrerin mit diesem Geschenk. Sie habe den Kalender zum Anlass genommen, selbst kreativ zu werden und die Schülerinnen und Schüler auf eine Entdeckungsreise mitzunehmen, an deren Ende alle den Eindruck haben dürften, ein Stück über sich hinausgewachsen zu sein. Dafür danke er ihr von Herzen. Von der künstlerischen Qualität der „Kirchenfenster“ sei er wirklich beeindruckt.

Mit dem iPad in die Kirche
Das Projekt ist kein Einzelfall. Im Religionsunterricht entstanden bereits E-Books über Gegenstände in der Kirche. Dafür gingen die Kinder mit ihren iPads in die Kirche neben der Schule, sahen sich dort um und machten eigene Aufnahmen.
Bei einer anderen Aufgabe sollten sie sich vorstellen, selbst auf einer Kanzel zu stehen. Die Frage war, was sie den Menschen sagen würden, wenn ihre Rede in der ganzen Welt zu hören wäre. Inhaltliche Vorgaben habe es nicht gegeben, berichtet die Lehrerin. Gerade die Antworten der Kinder hätten sie überrascht.
Auch Buchvorstellungen, Comics und weitere biblische Geschichten wurden auf unterschiedliche Weise bearbeitet. Entscheidend ist für Leitner-Racciatti nicht das Gerät, sondern die Aufgabe. Mal genügt ein Bleistift, mal braucht es Schere und Transparentpapier, mal ein iPad.
Das Jakob-und-Esau-Projekt verbindet genau diese Wege. Eine alte biblische Erzählung, die Fenster des Regensburger Doms, Chagall und die eigenen Ideen der Kinder greifen ineinander. Die Himmelsleiter bleibt dieselbe Geschichte. Die Kinder haben für sie nur ihre eigene Form gefunden.

Text und Bilder: Stefan Groß
(sig)
Weitere Infos
Unser Bild zeigt die dritte Klasse der Grundschule in Kelheimwinzer; links im Bild die Klassenlehrerein Frau Leitner-Racciatti, rechts Rektorin Pamela Bauer.




