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Zur Neuigkeit
Person der Woche: Felix Weiland, Verleger Schnell & Steiner
Wie Schnell & Steiner die Kunst ins Leben bringt
Regensburg, 31. Juli 2026
Im Rahmen unserer Reihe „Person der Woche” stellen wir jede Woche interessante Persönlichkeiten aus dem Bistum Regensburg und darüber hinaus vor. Heute möchten wir einen Blick in den Verlag Schnell & Steiner werfen. Im Interview spricht Verleger Felix Weiland über die Geschichte von Schnell & Steiner, die Wurzeln des Hauses im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die Erfolgsgeschichte der „Kleinen Kunstführer“, den Wert des gedruckten Buches und darüber, warum künstliche Intelligenz Autoren nicht ersetzen kann.
Der Verlag Schnell & Steiner wurde bereits 1933 gegründet. Was war damals der entscheidende Anstoß, einen eigenen Verlag ins Leben zu rufen?
Die beiden Gründer Dr. Johannes Steiner und Dr. Hugo Schnell hatten als Gegner der Nationalsozialisten ihre Arbeit verloren, Johannes Steiner als Geschäftsführer für Fritz Gerlich und dessen bereits Anfang 1933 verbotene Wochenzeitung „Der gerade Weg“, Hugo Schnell als Kunsthistoriker und Zeitungsredakteur in der Oberpfalz. Beide waren auf der Suche nach neuen Arbeitsmöglichkeiten und versuchten zunächst, sich bei bestehenden kirchlichen Verlagen zu engagieren, was sich aber durch die schwierigen Umstände der damaligen Zeit zerschlug. Zusammengebracht hatte beide die Bekanntschaft mit Therese Neumann aus Konnersreuth. Durch gemeinsame Ausflüge zu den Kirchen im Münchner Umkreis – der Kunsthistoriker Schnell begeisterte durch seine Kirchenführungen, der Hobbyfotograf Steiner stellte hervorragende Aufnahmen her – entstand die Idee, diese Führungen in gedruckter Form weiteren Personengruppen zugänglich zu machen.
So konzipierten Johannes Steiner als Verlagskaufmann und Fotograf und der Kunsthistoriker Hugo Schnell gemeinsam das innovative Produkt des „Kleinen Kunstführers“. Es erwies sich in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht nur als erfolgreich, um Kunstinteressierten Kirchen zu erschließen, sondern auch als wichtig für die Menschen vor Ort, denen sie die Bedeutung und den Wert ihrer Kirche nahebrachten. Die Kunstführer unterstützten das Wir-Gefühl und den Zusammenhalt der Christen gegen die braune Unterdrückung dieser Zeit.
Die beiden Gründer galten als Gegner des Nationalsozialismus. Welche Bedeutung hat diese Entstehungsgeschichte heute noch für das Selbstverständnis des Hauses?
Der Verlag Schnell & Steiner stand und steht auch heute noch auf dem katholischen Wertefundament in christlicher Verantwortung für das kulturelle Erbe unseres Landes. Für uns ist diese Rückbesinnung und geschichtliche Entwicklung wichtig, die wir auch in Zukunft weiterverfolgen wollen. Daraus beziehen wir unser Selbstverständnis, das sich vor allem in unserem Verlagsprogramm widerspiegelt.
Mit einem Kunstführer über die Wallfahrtskirche „Die Wies“ begann eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Warum war gerade dieses Format damals so erfolgreich?
Der Erfolg beruhte und beruht auf verschiedenen Faktoren: Sicher der Preis, der sich in der Regel um den Preis einer Tasse Kaffee bewegt, was schon damals als für jedermann erschwinglich galt und so schon von den Gründern anvisiert wurde, als auch das Format, das sich gut einstecken lässt, aber vor allem die kompakt präsentierten Informationen, die schnell aufgefunden werden können und es auch dem eiligen Besucher ermöglichen, das Wichtige anzuschauen.
Mittlerweile sind mehrere Tausend verschiedene Kunstführer erschienen. Wie gelingt es, bei einer solchen Fülle die wissenschaftliche Qualität und zugleich die Verständlichkeit für ein breites Publikum zu sichern?
Bisher sind etwas mehr als 3.000 verschiedene Kunstführer erschienen, und diese teilweise in mehreren Auflagen, bei einigen sind es sogar über 40 Auflagen, die insgesamt eine Gesamtauflage von 70 Millionen Exemplaren übersteigen. Um diese Fülle der Qualität und Verständlichkeit zu sichern, sind wir auf eine Vielzahl an Autorinnen und Autoren angewiesen, die in der ganzen Bundesrepublik verteilt sind. Dabei ist es wichtig zu wissen, auf welchem Fachgebiet die Autorin bzw. der Autor Experte ist. Nicht jeder Experte kann verständlich für ein breites Publikum schreiben. Auch dies gilt es zu berücksichtigen. Ziel war und ist es, gute Informationen auf hohem Niveau zu vermitteln.
Das Programm von Schnell & Steiner umfasst rund 4.500 lieferbare Titel. Wie behält ein Verlag bei dieser Größe den Überblick über sein Programm?
Dazu hilft vor allem eine gute Organisation, eine gute Datenbank, die ständig aktualisiert und mit allen technischen Innovationen ausgestattet wird, ein gutes Archiv und vor allem ein gutes Gedächtnis des Verlegers.
Schnell & Steiner veröffentlicht nicht nur Kirchen- und Kunstführer. Wie würden Sie das heutige Verlagsprogramm in wenigen Sätzen beschreiben?
Unser Programm erstreckt sich auf das gesamte Kunstschaffen der europäischen Kultur, wobei wir dazu auch die Territorien der griechisch-römischen Antike miteinbeziehen. Es führt alle Gattungen der Kunstgeschichte, wissenschaftliche Titel wie Dissertationen, Habilitationen, Bauforschungen ebenso wie Ausstellungskataloge, Bestandskataloge und gehobene Reise- und Kulturführer. Ein nicht unwesentlicher Aspekt liegt auf Büchern, die kunst- und kulturgeschichtliche Aspekte mit Themen des Glaubens und der Spiritualität verbinden. Dazu kommen Fachzeitschriften, wie z. B. das münster, das sich vor allem der zeitgenössischen Kunst, aber auch dem gesamten christlichen Kulturerbe widmet und sich sowohl an das Fachpublikum wie an allgemein Interessierte richtet.
Welche Bedeutung haben Kunstgeschichte, Archäologie, Architektur und Denkmalpflege innerhalb des Gesamtprogramms?
Wie bereits gesagt, nehmen diese Bereiche einen wesentlichen Teil des Verlagsprogramms ein.
Auch theologische und kirchengeschichtliche Veröffentlichungen gehören traditionell zum Profil. Wie groß ist die Nachfrage nach solchen Büchern heute noch?
Unser Verlag hat von Anfang an kunsthistorische und kulturgeschichtliche Publikationen geführt, zu denen natürlich auch theologische und kirchengeschichtliche Themen gehören, da sie Teil des kulturellen Erbes sind. Die Nachfrage nach historischen Themen ist nach wie vor groß.
Sie haben 2023 die verlegerische Hauptverantwortung von "Schnell & Steiner" übernommen. Wie gestaltet man einen Generationswechsel, ohne die Tradition und das gewachsene Profil des Verlages zu verlieren?
Ich habe schon früh angefangen, im Verlag mitzuarbeiten und das Unternehmen sozusagen von der Pike auf kennengelernt. Mit etwa fünf Jahren war ich zum ersten Mal auf der Frankfurter Buchmesse. Die Tradition und das Profil unseres Verlages war uns allen immer wichtig, allerdings verändert sich die Branche und das Leseverhalten der Kunden, so dass wir jetzt nicht mehr so arbeiten können wie unsere Vorgänger.
Die „Kleinen Kunstführer“ sind inzwischen auch über die App „art:guide“ digital zugänglich. Wie wird dieses Angebot angenommen?
Unsere App wurde im vergangenen Jahr gelauncht und erfreut sich wachsender Nutzerzahlen. Die Zahl der Menschen, die lieber hören als lesen, steigt ständig an, und es ist uns wichtig, dieses Publikum, das sich für Kunst und Kultur interessiert, mitzunehmen und einzubinden. Die App wird stetig weiterentwickelt und wird für die nächsten Jahre ein wichtiges Produkt unseres Verlages sein. Sie besitzt zum Beispiel ein Glossar, in dem ein Publikum, das weniger Erfahrungen mit kunstgeschichtlichen oder religiösen Fachbegriffen hat, sich schnell informieren kann.
Der Verlag setzt nach eigenen Angaben auf eine möglichst nachhaltige und überwiegend in Deutschland angesiedelte Produktion. Wie wichtig ist dieses Thema für Autoren, Institutionen und Leser tatsächlich?
Für uns ist es wichtig, den CO₂-Ausstoß, der bei der Produktion unserer Produkte entsteht, zu kompensieren und auf unnötige Verpackung, wie das Einschweißen von Exemplaren, wenn möglich, zu verzichten. Viele unserer Kunden sind ebenfalls dieser Meinung, jedoch nicht alle, was mich hin und wieder überrascht. Aufwendige Kunstbücher schweißen wir jedoch ein, weil ein Kunde, der ein Buch kauft, das einen gewissen Preis hat, verständlicherweise ein perfektes Produkt erwerben möchte.
Künstliche Intelligenz verändert bereits heute die Arbeit in Redaktionen und Verlagen. In welchen Bereichen sehen Sie darin eine sinnvolle Unterstützung, und wo ziehen Sie klare Grenzen?
Künstliche Intelligenz wird die Arbeit in Verlagen verändern. Sie kann unterstützend verwendet werden, allerdings muss man auch wissen, wo die Grenzen liegen. Hilfreich ist KI beim Korrektorat von Texten (reine Orthografie) oder beim Retuschieren von Bildern. Die Prüfung der Ergebnisse durch einen Menschen ist Pflicht und muss gewährleistet werden. Die KI „weiß“ nichts, sondern berechnet Wahrscheinlichkeiten, unsere Autoren wird künstliche Intelligenz nicht ersetzen. Künstliche Intelligenz kann nicht denken, sie gibt im Internet vorhandenes Wissen wieder, sie schafft aber kein neues Wissen. Wissenschaft lebt davon, Dinge zu hinterfragen, zu interpretieren und abzuwägen, von rein menschlichen Eigenschaften. Die Texte unserer Kunstführer und Fachbücher beruhen auf der jahre- bzw. jahrzehntelang erworbenen Kompetenz unserer Autoren, auf Arbeit vor Ort, auf Archivarbeit, auf der Kenntnis eines Bauwerks, eines Kunstwerks oder eines Bestandes. Das lässt sich nicht aus vorhandenen Texten erzeugen.
Das Leseverhalten hat sich grundlegend verändert. Viele Menschen lesen kürzer, selektiver und zunehmend auf Bildschirmen. Was bedeutet diese Entwicklung für die Gestaltung und Vermittlung anspruchsvoller Bücher?
Wir machen Produkte für Menschen, die Bücher lieben. Unsere Abbildungen sind in einer Qualität und einem Format gedruckt, die sich auf einem Bildschirm nicht so leicht wiedergeben lassen, zumindest in der Zusammenschau. Ein großformatiges Tafelbild, ein Detail einer Skulptur, eine Farbaufnahme auf gutem Papier: Das ist im Gedruckten etwas anderes als auf einem Display.
Wir schreiben uns auf die Fahne, schöne Bücher zu machen, die es wert sind, gedruckt und gelesen zu werden. Wir haben selbstverständlich auch digitale Angebote, etwa Open Access, und wir werden sie weiterentwickeln. Der Schwerpunkt bleibt aber beim gedruckten Buch.
Menschen sitzen den ganzen Tag vor Bildschirmen. Ein Buch in den Händen zu halten, ist inzwischen eine willkommene Pause. Bei der Menge an flachen Inhalten, die täglich vorbeiziehen, wächst das Bedürfnis nach gut recherchiertem Material in einer sorgfältigen Form, und zwar abseits des Bildschirms. Genau dafür produzieren wir.
Das Interview führte Dr. Dr. Stefan Groß
Foto: Verlag Schnell & Steiner
(chb)
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