Bild Hieronymus – Priester und Kirchenlehrer

Hieronymus – Priester und Kirchenlehrer

  • 30.
    September
    2035

Sophronius Eusebius Hieronymus wurde als Sohn wohlhabender christlicher Eltern, die ihn allerdings nicht taufen ließen, geboren. Er studierte in Mailand und in Rom, wo er seinem Temperament entsprechend am Leben in der Weltstadt teilnahm und sich mehr zu den Philosophen Cicero und Platon hingezogen fühlte als zur Bibel, bis ihm der Legende zufolge ein Engel im Traum erschien, ihm die Bücher aus der Hand nahm und ihn vor den himmlischen Richter führte, was ihn bekehrte; 366 wurde er getauft. Freundschaft schloss er in Rom mit Pammachius und Rufinus.

Hieronymus setzte seine Studien in Trier fort, wo er das Klosterleben kennen lernte, dann in Aquileia, wo er sich dem asketischen Bund Chor der Seligen anschloss, in dem sich Kleriker und Laien fanden und zu dem auch Rufinus gehörte. 373 reiste er nach Antiochia - dem heutigen Antakya / Hatay -, lernte dort Griechisch, wurde Schüler bei Apollinaris von Laodicea und lernte aus Werken des Origenes, die er später aber verleugnete und kritisierte. Anschließend lebte er bis 378 bei den Einsiedlern in der Wüste Chalkis bei Aleppo in Syrien mit strengster Askese.

Nach einem Traum legte Hieronymus das Gelübde ab, sich nicht länger an der heidnischen philosophischen Literatur zu orientieren. Die Löwenlegende gibt Zeugnis, wie ein hinkender Löwe die Mönche in die Flucht jagte, Hieronymus ihm aber einen Dorn aus der Tatze zog und die Wunde pflegte, worauf der geheilte Löwe als Haustier blieb und täglich den das Holz für die Mönche herbeitragenden Esel auf die Weide begleitete. Dabei schlief er einmal ein, worauf eine vorüberziehende Karawane den Esel raubte. Beschuldigt, den Esel gefressen zu haben, musste nun der Löwe das Holz herbeitragen, bis er eines Tages die zurückkehrende Karawane mit dem Esel als Leittier erblickte. Mit donnerndem Schweifschlagen und Brüllen brachte er den Esel zu Hieronymus zurück, der nahm aber die Karawanenleute freundlich auf und erhielt reichen Lohn für das Kloster.

Hieronymus studierte Hebräisch und verfasste exegetische Werke. Aufgrund von Auseinandersetzungen über die Beschlüsse des 1. Konzils von Nicäa verließ er die Mönchsgemeinschaft und kam wieder nach Antiochia, wo er seine geplante Heimreise krankheitshalber abbrechen musste. 379 wurde er hier durch Patriarch Paulinus von Antiochia zum Priester geweiht. Zusammen mit dem griechischen Kirchenlehrer Gregor von Nazianz verbrachte er die Jahre 380 und 381 in Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul, wo er in seiner Chronik die Kirchengeschichte des Eusebius von Cäsarea überarbeitete, ins Lateinische übersetzte und bis ins Jahr 378 weiterführte. 382 kehrte Hieronymus nach Rom zurück zur Teilnahme an der vom römischen Bischof Damasus I. einberufenen Synode. Damasus machte ihn zu seinem Sekretär - in den Legenden des 15. Jahrhunderts wird deshalb erzählt, er habe die Kardinalswürde angetragen bekommen, aber abgelehnt - und beauftragte Hieronymus, der nun sieben Sprachen beherrschte, mit der Übersetzung der Bibel ins Lateinische; Hieronymus übersetzte aus den Urtexten und schuf die bis heute für die katholische Kirche verbindliche Vulgata.

Im Jahre 385 verließ Hieronymus Rom und reiste mit einer Gruppe von Frauen über Zypern, Antiochia und die Einsiedlerkolonie Nitria - beim heutigen Al Barnuji in Ägypten - nach Betlehem, wo er 386 ankam und dann zusammen mit Paula aus deren Vermögen vier Klöster gründete: drei Nonnenklöster und eines für Mönche, dessen Leitung er übernahm. Überliefert aus dieser Zeit sind 93 Predigten an die Mönche, v. a. über Psalmen und das Evangelium des Markus.

35 Jahre lang wirkte Hieronymus zurückgezogen, aber mit intensiver schriftstellerischer Tätigkeit, wurde zu einem der bedeutendsten Theologen aller Zeiten, oft in seiner Gelehrsamkeit mit Augustinus verglichen; 19 seiner Briefe an diesen sind erhalten. Er verfasste Bibelkommentare zu den Psalmen, den Propheten, zu Prediger (Kohelet), zum Evangelium des Matthäus, den Briefen an die Galater und die Epheser, an Titus und die Philipper sowie zur Offenbarung des Johannes, die wegen des reichen historisch-archäologischen Wissens geschätzt wurden, dazu exegetische Werke wie Liber interpretationis hebraicorum nominum, Buch zum Verständnis der hebräischen Namen und Liber quaestionum hebraicarum in Genesim, Buch der hebräischen Elemente in der Schöpfungsgeschichte, und vollendete die Übersetzung der Vulgata. Die erste christliche Literaturgeschichte De viris illustribus, Über die ausgezeichneten Männer mit der Darstellung von 135 Autoren von Petrus bis zu Hieronymus selbst lobt die Heiligen- und Reliquienverehrung. Ein als Martyrologium des Hieronymus weit verbreiteter Heiligenkalender steht in dieser Tradition, stammt aber nicht von ihm, sondern entstand wohl erst nach 430 in Oberitalien und wurde um 600 in Südfrankreich angereichert; er umfasst rund 6000 Märtyrernamen der gesamten Kirche.

Hieronymus' Grab ist in der Krypta der Geburtskirche in Betlehem. Er blieb für das ganze Mittelalter die große Lehrautorität, besonders in Bibelfragen und für das asketische und Kloster-Leben. Im 13. Jahrhundert wurden seine Gebeine nach Rom überführt in die BasilikaSanta Maria Maggiore, die auch Maria ad Praesepe, Maria zur Krippe genannt wird weil dort unter dem Hauptaltar Bretter der Krippe Jesu aus Betlehem als Reliquien verehrt werden. 1295 wurde Hieronymus zum Kirchenlehrer ernannt.

Text: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

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