Gottesdienst in der Kirche

Mission beginnt zu Hause

Einblick in die Weltkirche


Regensburg, 30. September 2026 

Die katholischen Bischöfe Vietnams haben die Familie zum Schwerpunkt ihrer Pastoral für 2027 gemacht. Jede katholische Familie soll zu einer „missionarischen Gemeinschaft“ werden. Eltern sollen den Glauben an ihre Kinder weitergeben, gemeinsam beten und andere Familien begleiten.

Die katholischen Bischöfe Vietnams haben sich vom 21. bis 24. September in Thái Bình im Norden des Landes zur Vollversammlung ihrer Bischofskonferenz getroffen. Zum Abschluss veröffentlichten sie einen Pastoralbrief unter dem Leitwort „Jede katholische Familie ist eine missionarische Gemeinschaft“.

Unterzeichnet wurde er vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Joseph Nguyễn Năng von Ho-Chi-Minh-Stadt, und ihrem Generalsekretär, Bischof Joseph Đỗ Mạnh Hùng von Phan Thiết. Der Brief setzt ein Missionsprogramm fort, das die Bischöfe 2025 beschlossen hatten. Das Jahr 2026 steht unter dem Leitwort „Jeder Christ ist ein missionarischer Jünger“. 2027 rückt die Familie in den Mittelpunkt. Im dritten Jahr soll der missionarische Aufbruch der gesamten Kirche im Zentrum stehen.

Die Bischöfe richten den Blick dabei bereits auf 2033. Dann erinnert die Kirche des Landes an 500 Jahre Evangelisierung Vietnams. Sie datiert den Beginn der Verkündigung des Evangeliums auf das Jahr 1533. Die Geschichte der vietnamesischen Kirche ist von Mission, Verfolgung und einer großen Zahl von Märtyrern geprägt.

Die Familie als Hauskirche

Ausgangspunkt des neuen Pastoralbriefes ist das Bild der Familie als „Hauskirche“. Der aus der kirchlichen Tradition stammende Begriff bezeichnet die Familie als ersten Ort gelebten Glaubens. Auch das Zweite Vatikanische Konzil griff ihn auf. Daraus folge, so die Bischöfe, nicht nur eine besondere Würde, sondern auch ein Auftrag. Wie die Kirche insgesamt zur Verkündigung des Evangeliums gesandt sei, nehme auch die christliche Familie an dieser Sendung teil.

Die Bischöfe berufen sich dabei auf Johannes Paul II. und dessen Apostolisches Schreiben „Familiaris Consortio“ über die christliche Familie. Ehepartner und Eltern, so schrieb der Papst, seien Zeugen Christi und „Missionare der Liebe und des Lebens“.

Dieser Auftrag beginnt nach Vorstellung der Bischöfe im eigenen Haus. Eheleute sollen ihr Eheversprechen leben. Eltern sollen ihren Kindern den Glauben weitergeben. Familienmitglieder sollen einander zuhören, gemeinsam nach dem Willen Gottes fragen und sich gegenseitig im Glauben unterstützen.

Danach weitet sich der Kreis. Katholische Familien sollen sich in ihren Pfarreien engagieren und andere Familien begleiten. Schließlich richtet sich der Blick auf nichtchristliche Nachbarn. Die Bischöfe rufen Katholiken dazu auf, mit ihnen in guter Nachbarschaft zu leben, sie in schwierigen Situationen zu besuchen und ihnen zu helfen. Wo es möglich sei, sollen sie auch von Christus und vom Evangelium sprechen. Damit knüpfen sie an eine Praxis an, die bereits die frühe Kirche prägte.

Eltern bleiben die ersten Katecheten

Besonders ausführlich widmet sich der Brief der Weitergabe des Glaubens an Kinder. Die Bischöfe warnen davor, diese Aufgabe vollständig an Pfarreien, Religionsunterricht oder Katecheten abzugeben. Eltern seien die „ersten und unersetzlichen Verkünder des Evangeliums“ für ihre Kinder. Ihr Gebet, ihre Frömmigkeit und ihr persönliches Beispiel prägten die Glaubenserziehung.

Das ist in Vietnam besonders bedeutsam, weil Katecheten eine wichtige Rolle im kirchlichen Leben spielen. Nach Angaben der vatikanischen Nachrichtenagentur Fides waren 2025 rund 56.000 Katecheten in den 27 Diözesen tätig. Viele von ihnen sind Laien und unterweisen ehrenamtlich Kinder und Jugendliche im Glauben. Neuere Angaben aus der vietnamesischen Kirche sprechen inzwischen sogar von rund 70.000 jungen Katecheten und Mitarbeitern in Pfarreien und katholischen Vereinigungen.

Mit der Stärkung der Familie stellen die Bischöfe deren Arbeit nicht infrage. Sie unterscheiden vielmehr zwischen der Unterstützung durch die Gemeinde und der Verantwortung der Eltern. Glaubenserziehung könne nicht allein Aufgabe kirchlicher Fachleute sein.

Dabei bleiben die Bischöfe nicht im Ungefähren. Familien sollen täglich eine feste Zeit für gemeinsames Gebet vorsehen. Sie sollen die Heilige Schrift lesen, den Rosenkranz beten und vor und nach den Mahlzeiten beten. Auch Jahrestage und Familienfeste sollen bewusst begangen werden. Sie könnten Erinnerung bewahren, Beziehungen stärken und die Weitergabe des Glaubens fördern. Die Familie soll nicht nur Ort religiöser Unterweisung sein, sondern ein Ort, an dem Glaubenspraxis sichtbar wird.

Hilfe für Familien in Schwierigkeiten

Die Bischöfe zeichnen damit keine heile katholische Familienwelt. Kirchliche Verbände und Bewegungen sollen besonders jene Familien begleiten, deren Situation schwieriger ist. Genannt werden junge Familien, Migrantenfamilien, geschiedene Familien und Haushalte, die sich vom religiösen Leben entfernt haben. Sie sollen andere Familien treffen, gemeinsam beten, Erfahrungen austauschen und einander unterstützen können. Damit sind Gemeinden, Verbände und gefestigte Familien besonders gefordert.

Auch die Priester werden unmittelbar angesprochen. Vor allem Pfarrer sollen der Familienpastoral in ihren Gemeinden mehr Gewicht geben. Dazu zählen die Vorbereitung auf die Ehe, die Begleitung frisch verheirateter Paare, Besuche bei Familien in Schwierigkeiten und die Glaubensbildung innerhalb der Familie. Auch Sexualerziehung für junge Menschen nennt das Schreiben ausdrücklich.

Die Bischöfe schlagen zudem vor, Familien auszubilden, die fest im Glauben stehen und anschließend andere Ehepaare und Familien begleiten können. Eine Pfarrei mit vielen solchen Familien werde zu einer enger verbundenen Gemeinschaft, die sich stärker am kirchlichen Leben und an der Evangelisierung beteilige.

Eine Familie soll zum „Haus des Gebets“, zur „Schule des Glaubens“ und zu einer Gemeinschaft werden, die das Evangelium weitergibt. Dafür nennen die Bischöfe keine außergewöhnlichen Mittel. Sie nennen gemeinsames Gebet, die Erziehung der Kinder, die Treue der Eheleute, Hilfe für andere Familien und die Begegnung mit den Nachbarn. Mission, schreiben die vietnamesischen Bischöfe ihren Gläubigen ins Stammbuch, beginnt im eigenen Haus.

Bischöfe unterstützen den Aufbau der Familienmission

Bereits im laufenden Jahr werden dafür Strukturen aufgebaut. Die Katholische Akademie Vietnams bietet 2026 ein eigenes Ausbildungsprogramm für Ehe- und Familienpastoral an. Es richtet sich an Priester, Ordensleute und Laien, die in diesem Bereich arbeiten wollen. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem katholisches Eherecht, aktuelle Fragen des Familienlebens, Psychologie, Beratung und die Organisation der Familienpastoral auf verschiedenen kirchlichen Ebenen.

Die katholische Kirche Vietnams ist in absoluten Zahlen groß, bleibt im Land aber eine Minderheit. Ende 2025 lebten nach kirchlichen Statistiken rund 7,57 Millionen Katholiken unter etwa 102,3 Millionen Einwohnern. Das entspricht rund 7,4 Prozent der Bevölkerung. Die Kirche gliedert sich in 27 Diözesen und drei Kirchenprovinzen, also regionale Zusammenschlüsse mehrerer Diözesen unter einem Metropoliten: Hanoi, Huế und Ho-Chi-Minh-Stadt. Mehr als 8.300 Priester und knapp 28.500 Ordensleute waren Ende 2025 im Land tätig.

Text: Peter Winnemöller
Foto: Shutterstock
 



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