Gruppenfoto auf der Treppe

Bischof Rudolf im Gespräch mit dem BDKJ

Pastorale Entwicklung 2034, Wehrdienst und KI


Regensburg/Nittendorf, 30. September 2026 

Die Rolle der Verbände – auch der Jugendverbände – im Kontext der Pastoralen Entwicklung 2034 (PE 34), Wehrpflicht und Wehrgerechtigkeit sowie die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz in der Kirche. Um diese Aspekte ging es beim Gespräch des BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) – Diözesanverband Regensburg mit Bischof Rudolf Voderholzer im Haus Werdenfels. 

Mit einem zum Nachdenken anregenden Impuls zum Thema „Zeit“ lenkten Mitglieder des Diözesanvorstands auf allgemeine Erfahrungen wie auch auf die Inhalte des folgenden Gesprächs hin. Dieses moderierte der hauptamtliche BDKJ-Diözesanvorsitzende Michael Kölbl, der einleitend den Bischof nach der Rolle der Jugendverbände im Bistum und die gegenseitigen Erwartungen fragte.

(Jugend)Verbände - Brückenköpfe in die säkulare Welt

„Die Jugendverbände sind ein Teil der großen Verbandslandschaft im Bistum, wir sind verbandlich gut aufgestellt“, antwortete er. Er wies ihnen eine hohe Bedeutung zu, machte aber auch darauf aufmerksam, dass die Wurzeln in der unteren Ebene, der Pfarrei, lägen. Besonders die Funktion als „Lernort von Kirche“ rückte der Bischof in den Fokus. In diesem Kontext sprach er die PE 34 an, die nach seiner Ansicht die Verbände „wohl nicht so dramatisch berühren“ werde wie die Pfarreien. In der Verbandsarbeit werde zudem die überregionale bis zur Weltkirche reichende Struktur deutlich und damit andere Blickwinkel vermittelt. Die Jugendverbände bat er, bei der PE 34 mitzuhelfen, da sich auch Chancen bieten würden. „Jugendverbände sind immer auch Orte der politischen Bildungsarbeit, Brückenköpfe in die säkulare Welt – in Politik, Wissenschaft, Kultur und Kunst. Durch Bildungsarbeit ist es möglich, Leute zu formen und zu entwickeln, die später Verantwortung übernehmen können“, nannte der Bischof einen weiteren zentralen Punkt. Gerade in der aktuellen politischen Landschaft, wo „eine vernünftige, gute politische Mitte“ fehle, sei dieser Aspekt nötig, so Bischof Voderholzer am Ende seines Statements.

Die Strukturänderungen müssen mit einem geistlichen Prozess einhergehen

Die Pastorale Entwicklung 2034 war dann auch das erste Schwerpunktthema. Der Bischof verwies auf die Zehnjahresschritte bei der Umsetzung, auf die Höchstgröße von sechs Pfarreien für Pfarreiengemeinschaften (mit einem Pfarrer, einem Pfarrvikar und je nach Struktur weiteren pastoralen Mitarbeitern). Einschnitte und Veränderungen werde es bei den Immobilien (Pfarrhäuser, Pfarr- und Jugendheime) geben. Andere Nutzungen bzw. Träger der Gebäude seien zu erwarten, die Entscheidung liege jedoch bei den Pfarreien. „Wir werden nicht mehr alle bezuschussen können“, gestand der Bischof. „Es wird keine Pfarrei aufgelöst“, trat er zudem oft in der Öffentlichkeit vernehmbaren Äußerungen entgegen. „Der Wert der Pfarreien ist sehr hoch, für die Leute vor Ort ist das Heimat. Jede Pfarrei bleibt selbständig. Wir müssen halt sehen, wie sie sich zusammenfinden“, vertiefte er diesen Aspekt. Er empfahl, schon jetzt im Blick auf künftige Pfarreiengemeinschaften Gespräche zu führen und Kooperationen zu beginnen. „Es darf jetzt nicht bei den Struktur-Fragen bleiben, sondern es muss mit einem geistlichen Prozess – Caritas, Verkündigung, Liturgie – einhergehen“, schloss Bischof Rudolf seine Ausführungen zur PE 34.

„Den Beruf des Seelsorgers attraktiver gestalten“

In den Diskussionsbeiträgen ging es um die Zukunft der Pfarr- und Jugendheime. Diese seien nicht nur Versammlungsorte der Jugendverbände und identitätsstiftend, sondern „Treffpunkte für junge Menschen, wo sie Kontakt zur Pfarrei bekämen sowie Kirche und Dorf mitgestalten würden. Das Gespräch drehte sich hier auch um die Bezüge zwischen den kirchlichen Häusern und den Wirtshäusern, die vielfach auch als Orte für Begegnung und Gemeinschaft wegfallen. Es sei Kreativität angesagt, „wie man mit den Gebäuden umgeht“, so der Bischof. In eine andere Richtung zielte ein weiterer Beitrag. „Eine Alternative wäre es doch, den Beruf des Seelsorgers attraktiver zu gestalten“, schlug der junge Mann vor, der zudem vermutet, dass die Arbeit der Betreuung von sechs Pfarreien eher schwierig zu leisten sei. Bischof Voderholzer verwies auf das duale System in der Priesterausbildung, wo die Studenten ab dem ersten Semester mit der Pfarrarbeit vertraut gemacht würden. Mit durchschnittlich 6000 bis 7000 Katholiken seien die Anforderungen der künftigen Pfarreiengemeinschaften zu bewältigen, so der Bistumschef.

„Die Aussetzung der Wehrpflicht war ein großer Fehler“

Ein Thema, das bereits vergangene Versammlungen bestimmt hat, ist der Wehrdienst bzw. die Wehrpflicht. Bischof Voderholzer verwies auf seine eigenen Erfahrungen von 15 Monaten Wehrdienst in der Zeit 1979/80. Er gab einen kurzen Rückblick auf die Zeit seither (Kalter Krieg, Eiserner Vorhang, Wende 1989/90). „Durch die Ereignisse 1989 und die Wiedervereinigung sind wir ein bisschen blauäugig geworden. Die Aussetzung der Wehrpflicht war ein großer Fehler“, bezog er klar Stellung – auch vor dem Hintergrund, dass Vladimir Putin seit seiner Übernahme des Präsidentenamtes den Zerfall der UdSSR rückgängig zu machen bereit ist. „Russland rüstet immens auf. In einer solchen Situation kann es sich die NATO nicht leisten, sich als wehrlose Beute zu präsentieren“, analysierte der Bischof – auch auf Basis von Gesprächen zuletzt mit hohen Militärvertretern. „Ich sehe nicht, dass das Problem auf rein freiwilliger Basis zu lösen ist“, meinte er zur Debatte um die Reaktivierung der Wehrpflicht.

Beim BDKJ gebe es keine eindeutige Positionierung, erklärte Michael Kölbl dazu. Denn es handle sich in erster Linie um eine individuelle Angelegenheit, so dass es schwer sei, sich als Verband zu positionieren. Bischof Voderholzer verwies auf das wohl auch weiterhin geltende Recht auf Kriegsdienstverweigerung. In der Diskussion ging es ums Kirchenasyl bei dieser Frage (Bischof Voderholzer: „ultima ratio“, aber rechtlich wohl kein Bestand), um die neuen Formen der Kriegsführung (Drohnen) und den Aspekt der Abschreckung.

„Die KI denkt nicht, sie rechnet“

Das dritte zentrale Thema war die Künstliche Intelligenz (KI) und ihr Einsatz in kirchlichen Feldern. Zugleich „mit Faszination und großer Sorge“ blickt Bischof Rudolf darauf. Der Output sei „faszinierend gut bis katastrophal schlecht“, beschrieb er seine Erfahrungen. „Wir neigen dazu, zu anthropomorphisieren“, also mit der KI wie mit einem Menschen zu kommunizieren. „Die KI denkt nicht, sie rechnet“, betonte der Oberhirte. Ihr würden alle menschlichen Wesensmerkmale wie Leiblichkeit, Empathie, Gewissen bis hin zu geistigen Aspekten wie Transzendenz- und Gottesbezug, Seele fehlen. „Das geht in den Debatten unter“, kritisierte er. Klar sprach er sich für kreative Betätigungen und das Lernen aus. „Vor lauter Künstlicher Intelligenz sollten wir die natürliche Intelligenz nicht vergessen. Die KI ist ein nützliches Instrument zur Lebenserleichterung, wir dürfen uns ihr aber nicht unterwerfen“, empfahl und bilanzierte er.

Bischof gegen „Internetpfarrei“

Den „Prozentsatz der mit KI erstellten Predigten“ wollte ein Teilnehmer wissen. „Vorlagen für Predigten gab es immer schon. Das persönliche Zeugnis ist wichtig, und es ist erlaubt, sich gut zuarbeiten zu lassen“, beantwortete der Bischof diese Frage. Wenig anfangen kann er dagegen mit einer „Internetpfarrei“, die ein weiterer Teilnehmer vorschlug. „Es geht um das Leibhaftige, um echte Dinge (Brot, Wein, Öle etc.) und schließlich um den Weg zur Transzendenzeröffnung“, widersprach der Bischof deutlich. Natürlich sei die „Nutzung dieser Kanzel“ – also des Internets – wichtig und sinnvoll, aber nur im ergänzenden und nicht im ersetzenden Sinn. Diözesanjugendpfarrer und BDKJ-Präses Matthias Strätz wies schließlich auf dem am Tag zuvor (24. September) seliggesprochenen US-amerikanischen Bischof und Medienpionier Fulton Sheen hin, der quasi „der erste große Influenzer“ gewesen sei. Bischof Voderholzer nannte in diesem Kontext noch den am 7. September 2025 heiliggesprochenen Carlo Acutis.

Text und Fotos: Markus Bauer 



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