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Zur Neuigkeit
Zum Tod von Pfarrer Josef Renner
Brückenbauer und Missionar in Ghana
Regensburg/Tamale, 6. August 2026
Das Bistum Regensburg trauert um einen unermüdlichen Seelsorger, leidenschaftlichen Missionar und großen Visionär der Weltkirche. Pfarrer i. R. und Dekan a. D. Josef Renner ist am 2. August 2026 im Alter von 83 Jahren in seiner afrikanischen Wahlheimat Tamale in Ghana verstorben. Gott, der Herr über Leben und Tod, hat seinen treuen Diener zu sich gerufen – einen Priester, der den einfachen Lebensstil und die grenzenlose Liebe zu allen Menschen nach dem Vorbild des heiligen Franziskus zu seinem lebenslangen Programm gemacht hatte.
Die frühe Berufung und erste Schritte in Westafrika
Josef Renner wurde am 6. Januar 1943 in Wörth an der Donau geboren und wuchs in Untersteinbach bei Süssenbach auf. Schon in der ersten Klasse des Gymnasiums erwachte in ihm durch packende Missionsberichte die tiefe Begeisterung für den Missionsberuf. Nach dem Theologiestudium in Innsbruck, Regensburg und Liverpool wurde er am 18. Februar 1970 in Regensburg-St. Emmeram zum Diakon geweiht. Bereits am 1. Mai 1970 betrat er in Accra das erste Mal ghanaischen Boden. Da er von Anfang an bei den ganz Armen sein wollte, schickte man ihn in den unwegsamen Norden des Landes, in das Gebiet der heutigen Diözese Yendi. Ein schwerer gesundheitlicher Rückschlag durch eine lebensbedrohliche Erkrankung an Malaria und Gelbsucht im August 1971 zwang ihn jedoch zur intensiven medizinischen Behandlung nach Deutschland zurück.
Seine Zeit des Diakonatseinsatzes setzte er daraufhin in der Pfarrei Atting fort. Am 1. Juli 1972 empfing Josef Renner im Hohen Dom zu Regensburg schließlich die Priesterweihe und feierte am 16. Juli 1972 in Süssenbach seine Primiz. Bald schloss er sich der Werdenfelser Bruderschaft und der Fokolarbewegung an. Nach einer ersten Kaplanszeit in Tirschenreuth, die ihn spirituell und ökumenisch tief prägte, zog es ihn jedoch unaufhaltsam zurück in die Mission.
Das Lebenswerk in Chamba
Im Jahr 1975 kehrte Josef Renner als Kaplan nach Bimbilla in Ghana zurück. Zwei Jahre später, 1977, erhielt er den visionären Auftrag, die völlig neue Pfarrei Chamba aufzubauen, in deren Gebiet heute rund 45.000 Menschen leben. Mit Hilfe eines kanadischen Klosterbruders schaffte er das Fundament für eine florierende Region. Im Jahr 1978 wurde die Kirche geweiht, und 1980 folgten eine Klinik sowie ein Entbindungsheim, in dem er mangels Personals anfangs selbst als Helfer anpackte. Aus den von ihm gegründeten Volksschulen gingen später unter anderem fünf Priester hervor. Nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch durch die jahrelange, extreme körperliche Überlastung kehrte er 1989 nach Europa zurück. Von September 1989 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2013 wirkte er mit pastoralem Eifer 24 Jahre lang als Pfarrer in Kollnburg und Kirchaitnach sowie viele Jahre als Dekan des Dekanats Viechtach. Zusätzlich übernahm er für viele Jahre das Amt des Sprechers und geistlichen Begleiters der Katholischen Charismatischen Erneuerung im Bistum Regensburg.
Der „zweite Frühling“ und die neue Staatsangehörigkeit
Zu Beginn seiner Pensionierung im Jahr 2013 kehrte Renner nach Afrika zurück, um in seiner alten Pfarrei Chamba ein modernes Bildungszentrum zu errichten. Um dieses Projekt finanziell und organisatorisch abzusichern, gründete seine ehemalige Schülerin Irmgard Hilmer aus Atting im Jahr 2014 den Verein „Ghana-Hilfe Pfarrer Renner e.V.“. Gemeinsam mit dem Verein wurden Lastwagen, Pick-ups und Busse gekauft. Das Baumaterial fuhr er oft selbst auf die Baustellen und so wurde mit vereinten Kräften ein Gebäude nach dem anderen aus dem Boden gestampft. Im Laufe der Jahre entstanden über 50 Gebäude, darunter die Schulgebäude Gymnasium, Realschule, Volksschule und Kindergarten. Verwaltungsbauten, Lehrerwohnungen, ein Frauenkloster, sieben Tiefbrunnen für sauberes Trinkwasser sowie Wohnheime für Mädchen und Jungen. Heute besuchen über 1000 Kinder diese Schulen. Das „Holy Spirit Senior Schulzentrum“ in Chamba wurde nicht zuletzt durch seinen Einsatz zu einer der besten Bildungseinrichtungen in ganz Nord-Ghana.
Seine letzten zehn Lebensjahre bezeichnete Pfarrer Renner selbst als die schönsten und erfolgreichsten Jahre seines Lebens. In dieser Zeit brachte er auch gemeinsam mit dem Verein zwei Bücher auf den Markt „Ohne Christus wäre ich verzweifelt“ und „Mit Christus unter den Menschen“, die von seiner Missionarstätigkeit in den verschiedenen Zeitepochen berichten. Eine tiefe Zufriedenheit und Erleichterung war für ihn, dass der Verein Ghana-Hilfe Pfarrer Renner e.V. sein Lebenswerk in Chamba selbständig übernahm und zusicherte, sein Lebenswerk und Herzensprojekt auch über seinen Tod hinaus weiterzuführen.
Maligu Na – Ehrenhäuptling für Entwicklung
Seine tiefgreifenden Verdienste um die Infrastruktur, Gesundheit und Bildung blieben auch der traditionellen ghanaischen Führung nicht verborgen: Im Jahr 2017 wurde Pfarrer Josef Renner in einer feierlichen Zeremonie zum „Maligu Naa“ (Titel eines Ehrenhäuptlings ) ernannt. Nachdem er im Januar 2021 feierlich verabschiedet worden war, zog er für seinen endgültigen Ruhestand in ein Neubaugebiet der Großstadt Tamale um. 2025 nahm Pfarrer Renner die ghanaische Staatsangehörigkeit an.
Requiem am 14. August in Süßenbach
Nach einem achttägigen Krankenhausaufenthalt schloss der verdiente Missionar am 2. August 2026 in Tamale für immer die Augen. Gläubige, Freunde und Wegbegleiter in der Heimat sind herzlich eingeladen, des Verstorbenen bei den kommenden Gedenkgottesdiensten zu gedenken. Ein Requiem als Auferstehungsgottesdienst findet am Freitag, den 14. August 2026, um 18 Uhr, in seiner Heimatgemeinde St. Jakobus in Süßenbach statt. Ein weiteres Requiem wird am Samstag, 12. September 2026, um 10 Uhr, in seiner langjährigen Wirkungsstätte Hl. Dreifaltigkeit in Kollnburg gefeiert.
Zudem wird der Verein Ghana-Hilfe Pfarrer Renner e.V. im kommenden Frühjahr 2027 im Rahmen seiner Jahreshauptversammlung einen großen, feierlichen Gedenkgottesdienst in Atting gestalten – an genau dem Ort, an dem vor 56 Jahren die gemeinsame Arbeit ihren Anfang nahm.
Lesen Sie hier den offiziellen Nachruf von Matthew Yitiereh, Bischof der ghanaischen Diözese Yendi.
Text und Fotos: © Irmgard Hilmer
(jas)








