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Zur Neuigkeit
Ein Weltjugendtag im Land der Märtyrer
Einblick in die Weltkirche
Regensburg, 26. August 2026
Der kommende Weltjugendtag führt die jungen Menschen zu den Märtyrern des Landes, zu einer lebendigen katholischen Soziallehre und zu einem eigenen freudigen Bekenntnis zum Glauben an Jesus Christus.
Die Vorbereitungen zum Weltjugendtag 2027 in Seoul sind in die nächste Phase eingetreten. In Gwangju haben sich Mitte August Jugendliche zu einem Vorbereitungsprogramm getroffen. Außerdem hatten die Organisatoren kurz zuvor die offizielle Hymne für den Weltjugendtag vorgestellt. Das katholische Jugendtreffen in Asien wird mehr als nur ein religiöses Großereignis sein. Es soll ein Weg der Glaubensbildung werden, Im Mittelpunkt steht die katholische Soziallehre, die Papst Leo XIV. ein großes Anliegen ist. Außerdem sollen es Tage der Erinnerung an einige besondere Märtyrer und Heilige werden.
Der Weltjugendtag wird vom 3. bis 8. August 2027 in der südkoreanischen Hauptstadt stattfinden. Vorher sind vom 29. Juli bis 2. August Tage in den Diözesen geplant. Daran sollen sich alle 15 katholischen Diözesen Südkoreas beteiligen. So wird der Weltjugendtag zu einem nationalen kirchlichen Projekt. Seoul ist ein besonderer Ort für ein weltweites Jugendtreffen. Das Land ist politisch geteilt und es ist der erste Weltjugendtag, der in einem geteilten Land stattfindet. Es gibt noch eine weitere Premiere. Der kommende Weltjugendtag findet in einem Land mit nichtchristlicher Mehrheit der Bevölkerung statt. Es ist nach Manila im Jahr 1995 erst der zweite in Asien.
Katholische Soziallehre lernen
Am 15. und 16. August fand ein Treffen zur Vorbereitung in Gwangju statt. Der Ort liegt im Südwesten Südkoreas, etwa 270 Kilometer südlich von Seoul. Die Stadt ist eine eigenständige Metropole und bildet zugleich das urbane Zentrum der umliegenden Provinz Jeollanam-do, also Süd-Jeolla. Im Mittelpunkt des Treffens an der Katholischen Universität Gwangju stand die Soziallehre der Kirche. Pater Vincenzo Segil Son sagte dort nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Fides, katholische Soziallehre sei nicht einfach eine Art Wohltätigkeitslehre nach dem Muster „Helft den Armen“. Es gehe vielmehr um die Frage, welche Gesellschaft gebaut werden müsse, damit Menschen in Würde leben können.
Südkorea steht für Hochtechnologie, Bildung, wirtschaftliche Kraft und globale Jugendkultur. K-Pop, Serien, digitale Plattformen und Seoul als moderne Metropole prägen längst das Bild des Landes in der Welt. Zugleich kennt Südkorea Leistungsdruck, Einsamkeit, soziale Spaltung, niedrige Geburtenraten, den ungelösten Konflikt mit Nordkorea. Die Jugend des Landes lebt zwischen Erfolgserwartung und Zukunftsangst. Wenn die Kirche hier über ihre Soziallehre spricht, konzentriert sich der Blick auf die Frage, wie die Würde der Menschen in einer so extrem beschleunigten und technologisierten Gesellschaft geschützt werden kann.
Sichtbare Kirche der Zeugen
Die katholische Kirche in Korea ist klein, aber sichtbar. Sie ist nicht aus einer alten christlichen Mehrheitskultur entstanden. Sie wird von einer eigenen Geschichte getragen. Der Glaube kam im 18. Jahrhundert durch koreanische Laien ins Land. Bücher, Studienkreise und Suchbewegungen bereiteten den Boden, bevor ausländische Missionare hier wirken konnten. Aus dieser Tradition wuchs eine Kirche, die von Anfang an stark vom Zeugnis der Laien geprägt war. Viele Christen bezahlten dieses Zeugnis mit dem Leben.
Die koreanische Märtyrertradition steht ausdrücklich im Zentrum der Vorbereitung des globalen Jugendtreffens. Die offizielle Hymne des Weltjugendtages wurde unter dem Titel „Confidite, Ego Vici Mundum“ vorgestellt. Auf Deutsch bedeutet das: „Habt Vertrauen, ich habe die Welt besiegt“. Der Satz stammt aus dem Johannesevangelium. Die Videos zur Hymne zeigen die Orte des Martyriums koreanischer Katholiken. Dazu gehören das Märtyrerheiligtum Seosomun und Saenamteo, der Ort der Hinrichtung des heiligen Andreas Kim Taegon, des ersten koreanischen Priesters und Märtyrers.
Bedeutende Heilige als Patrone
Die Organisatoren setzen damit ein klares Zeichen. Seoul 2027 soll ein Jugendtreffen unserer Zeit sein, das auf dem Boden der christlichen Geschichte des Landes steht. Zum Weltjugendtag gehören Musik, starke Bilder, digitale Verbreitung und eine junge Sprache. In Korea führt dieser moderne Klang zurück zu den Orten, an denen Christen ihren Glauben mit dem Leben bezeugt haben. Das ist die Wirklichkeit unseres Glaubens. Junge Menschen zu Christus einzuladen, bedeutet auch, den jungen Menschen jene zu zeigen, die vor ihnen geglaubt haben.
Fünf Patrone begleiten den kommenden Weltjugendtag. Zuerst der Heilige Papst Johannes Paul II., der Gründer der Weltjugendtage, der zu seinen Lebzeiten die Jugend der Welt zum Gebet gerufen hat und als Heiliger damit nicht aufhört. Der heilige Andreas Kim Taegon und seine Gefährten sind die großen Glaubenszeugen Koreas. Die heilige Franziska Xavier Cabrini ist die erste US-Bürgerin, die heiliggesprochen wurde. Die heilige Josephine Bakhita ist die Patronin der Opfer von Menschenhandel und moderner Sklaverei. Der heilige Carlo Acutis wird auch der Heilige des Internet genannt. Er starb als Jugendlicher. Diese Auswahl verbindet unterschiedliche Erfahrungen. Da sind Märtyrer und Mission, Migration und soziale Not, digitale Kultur und jugendliche Heiligkeit.
Jünger Jesu werden
Erzbischof Peter Soon-Taick Chung von Seoul sagte, er hoffe, junge Menschen entdeckten in diesen Heiligen Beispiele für ihr eigenes Leben und bauten durch die Vorbereitung eine geistliche Verbindung zu ihnen auf. Die Vorbereitung in Korea verbindet damit drei Linien. Die erste ist das Zeugnis der Märtyrer. Die zweite ist die Frage nach einer gerechten Gesellschaft. Die dritte ist die Sprache einer digitalen Jugendkultur. Die koreanische Vorbereitung versucht, diese Linien zusammenzuführen. Der Glaube der Märtyrer soll junge Menschen nicht in die Vergangenheit ziehen. Er soll ihnen Mut für die Gegenwart geben.
Auch das offizielle Gebet für den Weltjugendtag nimmt diese Linie auf. Es bittet darum, die Flamme des Glaubens der koreanischen Märtyrer in den Herzen der jungen Menschen zu entzünden. Die Jugendlichen sollen Jünger Jesu werden, die das Evangelium des Friedens, der Liebe und der Wahrheit leben. Seoul 2027 ist ein Treffen für katholische Jugendliche und eine Einladung, den Glauben öffentlich zu leben.
Diese öffentliche Dimension ist wichtig. Südkorea ist religiös vielfältig und stark säkular geprägt. Christen leben dort nicht in einer katholischen Kultur. Der Weltjugendtag wird also nicht einfach in ein vertrautes kirchliches Umfeld hinein gefeiert. Er findet in einer Gesellschaft statt, die modern, plural und leistungsorientiert ist. Katholische Jugendpastoral muss mehr erreichen als Begeisterung für einige Tage. Sie muss jungen Menschen helfen, Christus in Schule, Universität, Beruf, Familie, Politik und digitaler Öffentlichkeit zu bezeugen.
Vorbereitungen an einem historisch bedeutenden Ort
Gwangju ist als Ort der Vorbereitung ein Ort mit starkem Symbolcharakter. Die Stadt steht in Südkorea für Demokratiegeschichte und Erinnerung an Gewalt. Das Massaker von Gwangju 1980 gehört zu den prägenden Ereignissen der modernen koreanischen Geschichte. Wenn dort junge Katholiken über Menschenwürde, Soziallehre und gerechte Gesellschaft sprechen, passiert das vor der Folie der jüngeren Geschichte des Landes. Die Kirche spricht hier in einem Land, in dem politische Freiheit, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Erinnerung hart errungen wurden.
Der Weltjugendtag 2027 hat mit der intensiven Vorbereitung in den Diözesen schon jetzt begonnen. Jugendliche lernen die katholische Soziallehre kennen. Sie beten mit der offiziellen Hymne. Sie besuchen Orte des Martyriums. Sie begegnen Heiligen, deren Lebenswege sehr verschieden sind. Sie werden auf ein Glaubensfest vorbereitet, das zugleich ein Auftrag ist.
Sendung in die Welt
Der jetzige Stand der Vorbereitung ist mehr als nur ein organisatorischer Fortschritt. Die Hymne ist vorgestellt. Die Diözesen arbeiten an Programmen. Junge Menschen werden in Gwangju und anderswo geistlich und sozial geschult. Die Patrone sind benannt. Die Tage in den Diözesen sind geplant. Doch hinter all dem Engagement steht ein viel tiefer gehender inhaltlicher Akzent. Seoul 2027 will junge Katholiken nicht nur sammeln. Der WJT 2027 will die jungen Menschen am Ende senden.
Als modernes Jugendtreffen in einer der technologisch fortgeschrittensten Gesellschaften der Welt erinnert es an Märtyrer. Es zeigt eine Kirche in einem nichtchristlichen Land die selbstbewusst über katholische Soziallehre spricht. Wer das Video der Hymne ansieht, die Musik ist schön und auch für ältere Ohren hörenswert, sieht, wie die Kirche in Korea junge Menschen zu Orten führt, an denen Christen für ihren Glauben starben. Das ist die Botschaft. Wer heute mutig glauben will, braucht sowohl Freude am Evangelium und als auch den Mut in der Welt dafür einzustehen. Die Jugendlichen sollen Jünger Jesu werden.
Text: Peter Winnemöller
Foto: Shutterstock




