Erntedankaltar

Zehn Jahre Bäuerliche Familienberatung in der Diözese Regensburg

Anlaufstelle für landwirtschaftliche Familien in Krisen


Werdenfels, 5. Oktober 2025

Die Bäuerliche Familienberatung in der Diözese Regensburg feierte ihr zehnjähriges Bestehen mit einer feierlichen Vesper mit Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und einem Festakt im Haus Werdenfels. Seit ihrer Gründung im Oktober 2015 begleitet und unterstützt die Einrichtung landwirtschaftliche Familien bei sozialen, finanziellen oder psychischen Herausforderungen und leistet damit einen wertvollen Beitrag für das Leben und Arbeiten auf den Höfen.

Feierlicher Auftakt mit Erntedank

Der Jubiläumstag begann mit einer feierlichen Vesper, die im Zeichen des Erntedankfestes stand. Harald Staudinger, Leiter der Bäuerlichen Familienberatung, brachte dabei symbolische Gaben wie Ähren, Ackererde, einen Tisch, Wein, eine Uhr und ein Modellauto zum Altar – Sinnbilder für Naturverbundenheit, Zeit, Dialog und das Unterwegssein für Ratsuchende. In seiner Predigt betonte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die tiefe Verbindung zwischen Landwirtschaft und Glauben. Das Erntedankfest, wohl das älteste religiöse Fest, sei ein Ausdruck von Dankbarkeit für die empfangenen Gaben. Die enge Beziehung der Landwirte zur Natur mache dieses Fest besonders zu ihrem eigenen. Vor diesem Hintergrund habe er die Gründung der Bäuerlichen Familienberatung von Anfang an mitgetragen. Der Bischof hob zudem die Bedeutung der Beratung hervor: Sie solle gute Wege aufzeigen, Konflikte lösen helfen und zu neuen Perspektiven führen – eingebettet in passende wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Neben Bischof Voderholzer gestalteten Landvolk-Seelsorger Pater Christian Liebenstein SDB und der designierte KLB-Landesseelsorger Franz Walden die Vesper mit.

Rückblick und Ausblick beim Festakt

Im anschließenden Festakt begrüßten die KLB-Diözesanvorsitzenden Christine Reitinger und Max Hastreiter zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik, Landwirtschaft und Beratung. Sie erinnerten an die Gründung der Einrichtung im Jahr 2015 und betonten die zentralen Prinzipien der Arbeit: Zuhören, Wahrnehmen und Ernstnehmen. Die Landtagsabgeordnete Petra Högl unterstrich die Bedeutung der Beratung angesichts des wachsenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und psychischen Drucks auf landwirtschaftliche Familien. Sie sprach sich für mehr Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit aus, da diese unverzichtbar für die Gesellschaft sei. Auch die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger betonte die Wichtigkeit des Unterstützungsnetzwerks und die Notwendigkeit, auf neue Herausforderungen flexibel zu reagieren.

Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes in der Oberpfalz, Ely Eibisch, wies auf die enge Zusammenarbeit mit den Geschäftsstellen des Verbandes hin und hob die Bedeutung frühzeitiger Unterstützung bei psychischen Belastungen hervor. Er plädierte für mehr Offenheit im Umgang mit seelischen Erkrankungen und ein weiterhin starkes Beratungsteam. Annette Dodel, stellvertretende Leiterin des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg/Schwandorf, sowie Pfarrer Walter Engeler von der Landwirtschaftlichen Familienberatung der bayerischen Landeskirche würdigten die wertvolle Arbeit der Einrichtung. Engeler betonte, dass das Vertrauen der Landwirtinnen und Landwirte in die Beratung stetig gewachsen und die Hemmschwelle zur Inanspruchnahme gesunken sei.

Zehn Jahre erfolgreiche Arbeit

Ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre zeigte die kontinuierliche Entwicklung der Beratungsstelle. Nach dem Aufbau eines ehrenamtlichen Teams und einer intensiven Ausbildungsphase von 2015 bis 2017 sind heute 13 Beraterinnen und Berater aktiv. Alle Mitglieder des ursprünglichen Teams sind nach wie vor im Einsatz. Der Erfahrungsaustausch und die enge Vernetzung mit sieben weiteren bayerischen Beratungsstellen gelten als wichtige Erfolgsfaktoren. Die Einrichtung hat sich zur Anlaufstelle für landwirtschaftliche Familien in Krisen entwickelt und steht für professionelle Unterstützung, regelmäßige Fortbildungen und Supervision. Für die Zukunft sollen Kooperationen weiter ausgebaut und psychosoziale Beratung noch stärker enttabuisiert werden.

Im Festvortrag verglich Helga Grömer, langjährige Leiterin der Ländlichen Familienberatung im Bistum Passau, Beratung mit dem „Dengeln“ einer Sense – ein Prozess der Unterbrechung und Neuausrichtung. Sie zeigte auf, wie bewusste Unterbrechung Perspektivwechsel ermöglicht und neue Lösungswege eröffnet. Entscheidend seien dabei Veränderungsbereitschaft, Zuversicht und Vertrauen. Mit Dankesworten an alle Beteiligten und einer musikalischen Umrahmung durch das Bläserquintett „Tritonus Brass“ klang der Festakt aus. Beim anschließenden gemeinsamen Abendessen bot sich den Gästen Gelegenheit für Gespräche und Austausch.

Hintergrund

Die Bäuerliche Familienberatung in der Diözese Regensburg wurde 2015 gegründet, um bäuerliche Familien in herausfordernden Lebenssituationen zu begleiten. Die Beratung ist vertraulich, kostenfrei und richtet sich an alle landwirtschaftlichen Betriebe, unabhängig von Konfession oder Betriebsgröße. Aktuell engagieren sich 13 Beraterinnen und Berater, die regelmäßig geschult werden und eng mit landwirtschaftlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Akteuren zusammenarbeiten. Kontakt: https://www.klb-regensburg.de/ueber-uns/einrichtungen

Text und Fotos: Markus Bauer
(jas)



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