bischöfe aus myanmar mit Gastgeschenk

Nach dem Ad-limina-Besuch in Rom: Bischöfe aus Myanmar zu Gast in Regensburg

Bischof Rudolf: „Don‘t forget Myanmar“


Rom/Regensburg/Yangon, 9. Juni 2026

Nach ihrem Ad-limina-Besuch bei Papst Leo XIV. waren Bischöfe der Bischofskonferenz von Myanmar in Regensburg zu Gast. Im Mittelpunkt standen die dramatische Lage des Landes, die Verbundenheit mit der Kirche in Myanmar und das 25-jährige Jubiläum des Stipendienprogramms, das katholischen Laien seit 2001 ein Studium in Thailand ermöglicht. Die Planung und Durchführung des Besuchs lag wesentlich bei Dr. Thomas Rigl, dem Leiter der Fachstelle Weltkirche im Bistum Regensburg.

Kardinal Charles Maung Bo, Erzbischof von Yangon und Präsident der Katholischen Bischofskonferenz von Myanmar, blickte nach der Begegnung der Bischöfe seines Landes mit Papst Leo XIV. mit großer Dankbarkeit auf das Gespräch im Vatikan zurück. Der Papst habe den Bischöfen das Gefühl gegeben, dass „Myanmar nicht vergessen ist, sondern immer in seinen Gebeten bleibt“, sagte Kardinal Bo gegenüber Vatican News.

Kardinal Bo und weitere Bischöfe aus Myanmar hielten sich zu ihren Ad-limina-Besuchen in Rom auf und wurden am Freitag, 5. Juni, von Papst Leo XIV. empfangen. Fast zwei Stunden dauerte die Begegnung. Zur Sprache kamen die Lage im Land, die Antwort der Kirche auf Krieg, Gewalt und Vertreibung, die Ausbildung der Priesteramtskandidaten sowie die Begleitung und Weiterbildung der Priester.

Nach den Worten Kardinal Bos sicherte der Papst zu, die internationale Gemeinschaft weiterhin an Myanmar zu erinnern. Er werde die Welt weiter bitten, das Land in seiner Krise nicht allein zu lassen, so wie es bereits Papst Franziskus in den vergangenen Jahren mit dem Appell „Non dimenticare il Myanmar“ getan hatte: Vergesst Myanmar nicht.

Myanmar befindet sich seit dem Militärputsch von 2021 in einer dramatischen Krise. Der Staatsstreich löste einen anhaltenden Bürgerkrieg aus, kostete Tausende Menschen das Leben und vertrieb Millionen Menschen aus ihrer Heimat. Im März 2025 wurde das Land zusätzlich von einem schweren Erdbeben getroffen, das die ohnehin angespannte Lage weiter verschärfte.

Überschattet wurde der Besuch der Bischöfe in Rom auch von der unmittelbaren Betroffenheit der Kirche. Nach den Berichten aus Myanmar sind mehrere Bischöfe durch Krieg, Vertreibung und die unsichere Lage gezwungen, ihre Seelsorge unter extrem erschwerten Bedingungen auszuüben. Sie haben ihre Diözesen jedoch nicht verlassen, sondern sind bei den Gläubigen geblieben. Teilweise betreuen sie ihre Gemeinden von entlegenen Pfarreien aus, teilweise leisten sie zeitweise auch in Flüchtlingslagern außerhalb Myanmars Seelsorge. Von den Gästen in Regensburg berichteten dies insbesondere die Bistümer Banmaw, Loikaw und Mindat.

Gerade deshalb sprachen die Bischöfe mit Papst Leo XIV. nicht nur über die politische und humanitäre Krise, sondern auch über die Zukunft der kirchlichen Arbeit, über Priesteramtskandidaten und über die Priesterweihe in einem Land, in dem das kirchliche Leben unter schwersten Bedingungen weitergeht.

Die Bischöfe schilderten dem Papst die schwierige Situation ausführlich, sagte Kardinal Bo. Zugleich berichteten sie von der Kraft des Glaubens im Land. Bischöfe, Priester, Ordensleute und Gläubige bewahren trotz Krieg, Vertreibung und Unsicherheit eine große innere Widerstandskraft.

„Wir waren sehr glücklich, den Papst zu treffen, und wir kehrten erneuert und gestärkt nach Hause zurück“, sagte Kardinal Bo nach der Audienz. Für die Bischöfe aus Myanmar war die Begegnung mit Papst Leo XIV. damit nicht nur ein Gespräch über die Not des Landes, sondern auch ein Zeichen geistlicher Nähe zur Kirche in Myanmar. „Trotz der schwierigen Lage wuchs die Kirche in Myanmar und wurde sehr gestärkt“, sagte Kardinal Bo.

 

Myanmar zu Gast in Regensburg

Im Anschluss an ihren Aufenthalt in Rom kamen die Gäste aus Myanmar nach Regensburg. Sie trafen am Sonntag, 7. Juni, am Flughafen München ein und reisten weiter nach Regensburg, wo sie im Priesterseminar untergebracht wurden. Zu den Gästen gehörten Kardinal Charles Maung Bo, Erzbischof Basilio Athai, Weihbischof Noel Saw Naw Aye, Bischof Henry Eikhlein, Bischof Maurice Nyunt Wai, Bischof Augustine Thang Zawm Hung, Bischof John Maung La Sam, Bischof Raymond Sum Lut Gam, Bischof Lucas Dau Ze, Bischof Celso Ba Shwe, Bischof John Saw Yaw Han, Bischof Felix Lian Khen Thang, Bischof Lucius Hre Kung sowie Pfarrer Dominic Thang Suan Lang, Geschäftsführer der Bischofskonferenz. Am Abend stand ein gemeinsames Abendessen im Restaurant Bischofshof auf dem Programm.

Der Montag begann mit der Eucharistiefeier in der Hauskapelle des Priesterseminars. Danach folgten eine englischsprachige Führung durch den Dom und den Domkreuzgang sowie ein Besuch des Wohnhauses von Kardinal Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. in Pentling. Am Nachmittag fand im Bischöflichen Ordinariat ein Hintergrundgespräch mit Bischof Rudolf statt. Dabei wurden die Situation in Myanmar, die Bedeutung des Stipendienprogramms, die Lage der Seelsorge und notwendige Unterstützung besprochen.

Bischof Rudolf betonte bei der Begegnung, Myanmar dürfe in seiner schweren Krise nicht vergessen werden. Der Besuch der Bischöfe aus Myanmar sowohl in Rom als auch in Regensburg sei ein starkes Zeichen der Verbundenheit mit der Kirche in einem Land, das seit Jahren unter Krieg, Vertreibung und großer Not leide.

Daran anschließend besuchten die Gäste die Krippensammlung des Bistums Regensburg sowie das vor einigen Monaten eröffnete „Institut für religiöse Alltagskultur“ in der Schwarzen-Bären-Straße 2.

Am späten Nachmittag schloss sich eine kurze Dankandacht in der Wolfgangskrypta von St. Emmeram an. Danach begann im Saal des Emmeram Forums der Festakt und Begegnungsabend zum 25-jährigen Jubiläum des Stipendienprogramms für Myanmar.

25 Jahre Stipendienprogramm Myanmar

Der Festakt verband Dank, Rückblick und konkrete Erfahrungsberichte. Ein Vokalquartett ehemaliger Domspatzen um Marcus Weigl gab dem Abend einen feierlichen musikalischen Rahmen. Bischof Rudolf begrüßte die Gäste und zeichnete in einem kurzen Abriss die Chronologie der Beziehungen zu Myanmar nach. Kardinal Bo sprach über die Bedeutung des Stipendienprogramms für die katholische Kirche in Myanmar und richtete den Blick sowohl auf die vergangenen 25 Jahre als auch auf die aktuellen Herausforderungen durch Krieg, Vertreibung und eine vielfache Krise.

Kurze Statements von Stipendiaten und Bischöfen machten konkrete Wege ehemaliger Stipendiaten aus verschiedenen Diözesen sichtbar. Für den KAAD sprachen Dr. Heinrich Geiger über die Entstehung des Programms und Dr. Anselm Feldmann über dessen Bedeutung aus Sicht des Katholischen Akademischen Austauschdienstes. Das Kürzel KAAD bleibt auch nach der Umbenennung erhalten (früher: Katholischer Akademischer Ausländer-Dienst). Außerdem berichtete Prof. Dr. med. Michael T. F. Pawlik, stellvertretender Ärztlicher Direktor des Caritaskrankenhauses St. Josef, vom Einsatz eines Regensburger Ärzteteams in Myanmar.

Mit einem Schlusswort von Bischof Rudolf und der Einladung zum Stehempfang fand der Abend seinen Ausklang. Am Dienstag, 9. Juni, endete der Besuch nach einer Messfeier in St. Jakob, dem Frühstück und der Abreise mit dem Zug nach Frankfurt am Main.

Das Stipendienprogramm des Bistums Regensburg für Laien aus Myanmar

Seit 2001 trägt das Bistum Regensburg die Kosten eines Stipendienprogramms vollständig, das katholischen Laien aus Myanmar ein Studium in Thailand ermöglicht. Vom 7. bis 9. Juni 2026 wurde mit einer Begegnung in Regensburg das 25-jährige Jubiläum gefeiert.

Ausgangslage für das Stipendienprogramm

Katholiken stellen mit rund 700.000 Gläubigen bei über 50 Millionen Einwohnern nur gut ein Prozent der Bevölkerung Myanmars; Christen insgesamt etwa fünf Prozent. Viele leben in abgelegenen, von Bürgerkriegen geprägten Bergregionen mit schwierigen Bildungsbedingungen oder seit Jahren in Flüchtlingslagern. Zudem waren Universitäten wegen politischer Unruhen immer wieder über längere Zeit geschlossen, Abschlüsse wurden international nicht anerkannt, und Armut zwang viele trotz Qualifikation zur Arbeit in der Landwirtschaft.

 

2011 erfolgte eine vorsichtige Öffnung. 2016 ergab sich mit der Wahl der Partei von Aung San Suu Kyi eine gesellschaftliche Entwicklung, die der Kirche und der Zivilgesellschaft neue Arbeitsfelder eröffnete. Das gab auch früheren Stipendiaten neue Möglichkeiten.

Mit dem Militärputsch von 2021 und dem bis heute andauernden Bürgerkrieg hat sich die Lage radikal verändert. Die Studienbedingungen im Land sind drastisch erschwert. Ein Studium im Ausland ist für viele eine der wenigen Möglichkeiten, einen qualifizierten Abschluss zu erwerben, bleibt ohne Unterstützung aber nicht finanzierbar. Auch die Angst vor Zwangsrekrutierung durch das Militär an den Universitäten hält viele vom Studium in Myanmar ab.

Kooperationsmodell

Vor diesem Hintergrund startete das Bistum Regensburg 2001 gemeinsam mit Bistümern in Myanmar, der kirchlichen Assumption University in Bangkok und dem Katholischen Akademischen Austauschdienst ein Stipendienprogramm. Es ermöglicht katholischen Laien ein Studium in Thailand. Das Bistum Regensburg übernimmt die Kosten vollständig. Der KAAD begleitet die Studierenden fachlich, akademisch und persönlich.

Ziele des Projekts

Neben besseren Lebensperspektiven für die Stipendiaten stärkt das Programm die Ortskirchen durch qualifizierte Fachkräfte und fördert gesellschaftliches Engagement. Nach dem Studium leisten die Teilnehmenden Dienst in ihren Diözesen, etwa in Bildung, IT, Management oder Caritasarbeit. Mit der politischen Öffnung Myanmars eröffneten sich ihnen zusätzliche Möglichkeiten, sich aktiv in Gesellschaft und Wirtschaft einzubringen.

Der Militärputsch von 2021 hat das Ziel des Projekts, qualifizierte Fachkräfte auszubilden, nicht verändert. Wohl aber haben sich die Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit und der Einsatz der Stipendiaten verschoben. So rücken zum Beispiel Ausbildungen zur Traumabehandlung oder Pädagogikstudien zum Aufbau eines neuen Bildungssystems in Gegenden, in denen die Militärregierung nicht das Sagen hat, stärker in den Vordergrund.

Die Kirche steht in ihrer Sorge für die vielen Flüchtlinge im Land und an der thailändischen Grenze weiter vor großen Herausforderungen. Neue Schulen in Flüchtlingslagern und Katastrophenhilfe gehören zu den Arbeitsfeldern, in denen die vom Programm unterstützten Studierenden verstärkt aktiv sind.

Statistik

Bis zum Jubiläum hatten 70 Studierende das Studium mit einem Bachelor- oder Masterabschluss abgeschlossen, sechs studierten zu diesem Zeitpunkt in Bangkok. Von den insgesamt 76 Studierenden waren 43 weiblich und 33 männlich.

In Kürze folgt hier ein längerer Bericht über die Festveranstaltung am Abend.

Text und Fotos: Stefan Groß in Zusammenarbeit mit Gregor Tautz



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