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Zur Neuigkeit
Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni
Roksanas Rückkehr zur Schule
Aachen, 10. Juni 2026
Anlässlich des Tags gegen Kinderarbeit am 12. Juni macht das Kinderhilfswerk Die Sternsinger auf die Geschichte von Roksana aus Bangladesch aufmerksam: Zwei Jahre lang musste sie hart arbeiten. Die Sternsinger-Partnerorganisation Caritas ermöglichte dem heute zehnjährigen Mädchen, wieder in die Schule zu gehen.
„Ich muss schneller werden“, denkt Roksana, während sie in der Markthalle Bananen sortiert und zu den Lastwagen bringt. „Wenn ich schneller bin, werde ich nicht angebrüllt oder geschlagen.“ Doch ihre Arme schmerzen und sie ist müde, die Säcke mit den Bananen werden schwerer, Roksanas Bewegungen langsamer. Von acht Uhr morgens bis 14 Uhr nachmittags muss das zierliche Mädchen arbeiten. Geregelte Pausen gibt es nicht. Der Chef macht ihr Angst. Er schimpft und treibt sie und die anderen arbeitenden Kinder an. „Ich will so gern in die Schule gehen und Zeit zum Spielen haben“, denkt sie sich. Manchmal spricht sie mit ihrer Mutter darüber, aber es scheint keinen Ausweg aus der Arbeit zu geben. Immer wieder fehlt es an Geld für Essen, Wohnen oder Medikamente. Wie soll sich die Familie da noch Schulbücher und Schuluniform leisten?
Mit ihrer Mutter und ihren zwei älteren Schwestern wohnt Roksana in einem Häuschen aus Wellblech, dicht an dicht mit ähnlichen Unterkünften in einer schmalen Gasse eines Bahnhofviertels. Hier gibt es keine Hausnummern, keine Kanalisation und keine Spielplätze. Die meisten Menschen sind aus dem armen Norden des südasiatischen Landes in die Millionenstadt gezogen – auf der Suche nach Einkommen und einem besseren Leben. So auch Roksanas Familie. Kurz nach der Ankunft in Dhaka verlässt der Vater die Familie für eine andere Frau. Roksanas Mutter ist auf sich allein gestellt. Zwar findet sie Arbeit als Küchen- und Reinigungskraft in einem Hotel. Aber sie verdient nicht genug, um ihre Töchter und sich über die Runden zu bringen. Statt in die Schule zu gehen, schließt sich Roksana anderen Kindern des Viertels an, die auf dem Bananenmarkt arbeiten. An guten Tagen bekommt sie umgerechnet 50 Cent – und ein paar Bananen. An schlechten Tagen gibt es nur 40 Cent. Nachmittags passt Roksana auf das Baby ihrer Schwester und zwei weitere Kleinkinder auf, damit deren Mütter arbeiten gehen können. Zeit zu lernen oder spielen hat das Mädchen nicht.
Zwei Jahre harte Arbeit
Zwei Jahre lang muss Roksana auf dem Bananenmarkt arbeiten, bevor sich ihr Leben ändert. Auf einem ihrer Rundgänge durch das Viertel fällt den Sozialarbeiterinnen Jahanara und Rubina von der Caritas Bangladesch auf, wie sich das Mädchen zwischen den Marktständen und den Kleinlastern abmüht. Sie sprechen Roksana an und fragen nach, warum sie arbeitet, wo und wie sie lebt. „Jahanara und Rubina waren sehr nett. Sie sagten, dass sie mir helfen wollen“, erinnert sich Roksana. Noch am selben Abend besuchen Jahanara und Rubina Roksanas Mutter. Sie erfahren von den Schwierigkeiten der Familie und dass es der Mutter schier unmöglich scheint, ihre Tochter in die Schule zu schicken. Die beiden Sternsinger-Partnerinnen gehen behutsam vor. Sie erklären Roksanas Mutter, wie sie sie praktisch und finanziell unterstützen können. Sie unterstreichen aber auch, dass das Mädchen ein Recht auf Schule und Freizeit hat. Gemeinsam entwickeln sie weitere Schritte, um Roksana den Schulbesuch zu ermöglichen.
Im Januar 2026 ist es so weit. Der erste Schultag ist da. Stolz zieht Roksana ihre Schuluniform an, nimmt ihre neue Schultasche und macht sich in Begleitung von Jahanara und Rubina auf den Weg. Die beiden haben für sie einen Platz an der Mutter-Teresa-Grundschule gefunden, nur wenige Gehminuten von Roksanas Zuhause entfernt. Roksana ist aufgeregt und voller Vorfreude. Sie muss nicht mehr arbeiten, sie darf lernen und spielen! Schnell gewöhnt sie sich an den Schulalltag und erzählt ihrer Mutter abends, was sie erlebt hat. Die beiden sind sich nah. Auch Roksanas ältere Schwestern freuen sich, dass das Mädchen nun in die Schule gehen kann.

Traumberuf Ärztin
Ein halbes Jahr später ist Roksana immer noch voller Begeisterung. „Ich gehe gerne in die Schule“, sagt sie lächelnd. Lernen macht ihr Spaß, sie freut sich aber auch über die Pausen. „Ich habe schnell Freunde gefunden, und wir haben unsere Lieblingsspiele.“ Einmal im Monat geht Roksana zu den Treffen der Caritas für ehemalige Kinderarbeiterinnen und Kinderarbeiter. Sie sprechen über die Schule, erfahren mehr über ihre Rechte und stärken sich gegenseitig. Roksanas Mutter Momena nimmt zweimal im Monat an den Elterntreffen des Sternsinger-Partners teil. Der Austausch mit anderen Müttern tut ihr gut. „Bei den Treffen geht es auch darum, die Eltern für die Rechte und den Schutz ihrer Kinder zu sensibilisieren und alleinstehende Mütter zu beraten, wie sie weitere Hilfe erhalten können“, berichtet Caritas-Mitarbeiter Rocky Corraya.
Roksana ist im Unterricht konzentriert und macht sorgfältig ihre Hausaufgaben. „Mein größter Traum ist es, später Ärztin zu werden“, sagt sie. „Aber Pilotin oder Polizistin würde mir auch gefallen.“ Sie weiß, dass sie für diese Berufe einen guten Schulabschluss braucht. Ihre größte Sorge ist, dass sie wegen der Armut ihrer Familie irgendwann wieder die Schule abbrechen muss. Das Caritas-Team versucht, ihr diese Angst zu nehmen. Mit Hilfe der Sternsinger wird Roksana weiterhin zur Schule gehen können. Auch Roksanas Mutter will alles dafür tun. Roksana soll es eines Tages besser haben. Liebevoll schmiegt sich das Mädchen an ihre Mutter. Sie hilft ihr weiterhin im Haushalt und hütet gelegentlich das Kind ihrer Schwester. Aber sie muss keine Bananen mehr schleppen und ist nicht mehr zu müde, um zu lernen und zu spielen.

Text: Robert Baumann/Die Sternsinger
(kw)
Weitere Infos
Kinderarbeit in Bangladesch
Trotz Fortschritten im Kampf gegen Kinderarbeit und Ratifizierungen der ILO-Konventionen zur Bekämpfung von Kinderarbeit arbeiten in Bangladesch noch rund 1,8 Millionen Kinder – 1,1 Millionen sogar unter ausbeuterischen und gefährlichen Bedingungen. Die meisten schuften ohne legalen Vertrag, zum Beispiel in der Landwirtschaft, in Haushalten, in der Fischerei und in der Textilwirtschaft. Mit Prävention und Aufklärung, Kinderschutz, Bildung und Armutsbekämpfung setzen sich Sternsinger-Partner gegen Kinderarbeit ein.






