Weihbischof steht mit Gläubigen auf dem Annaberg

Weihbischof Graf feiert Abschluss der Wallfahrtswoche auf dem Annaberg

„Liebe, und was du willst, das tu“


Sulzbach-Rosenberg, 28. Juli 2026 

Zum Patroziniumsfest der Wallfahrtswoche auf dem Annaberg konnte Pfarrer Herbert Mader zahlreiche Wallfahrer sowie Weihbischof Dr. Josef Graf bei herrlichem Sommerwetter begrüßen. Der Bereich um den Freialtar hatte sich bis auf den letzten Platz gefüllt und einige Gläubige feierten den Gottesdienst stehend oder im Gras sitzend mit. 

In feierlicher Prozession zog der liturgische Dienst mit Fahnenabordnungen von der Wallfahrtskirche zum Freialtar. Die ganze Woche über schon geht es um das Leitwort „Herz“, sagte der Stadtpfarrer. Herzensanliegen hätten die Menschen immer wieder hierher zur Mutter Anna, zu Maria und zu Jesus gebracht. Auch das Gnadenbild habe er heute mit einer Votivgabe, einem silbernen Herz geschmückt, das eine unbekannte Person bereits vor hunderten von Jahren dorthin geheftet habe. Das Herzensanliegen dahinter kenne man nicht, aber es sei wohl erhört worden, so der Pfarrer. Sein besonderer Gruß galt an diesem Abschlusstag der Festwoche, dem Hauptzelebranten und Prediger des Festgottesdienstes, Weihbischof Dr. Josef Graf. 

Der Weihbischof wählte für diesen Gottesdienst bewusst das Messformular der Heiligen Joachim und Anna, den Großeltern Jesu. Deren Gedenktag falle in diesem Jahr genau auf den heutigen Sonntag. Seit sechs Jahren sei dies in unserer Kirche auch der Welttag der Großeltern und Senioren. Zwar sei der Weihbischof natürlich als Geistlicher kein Großvater, aber er befinde sich nunmehr in seinem 70. Lebensjahr und gehöre daher nun doch auf jeden Fall zu den Senioren. 

In der Tradition seien die beiden Großeltern Joachim und Anna sehr bald bezeugt worden, so der Weihbischof in seiner Predigt. Bei der liturgischen Verehrung der Großeltern Jesu gehe es um das Geheimnis der Menschwerdung. Das Thema der Festwoche „Dilige, et quod vis fac“ – „Liebe, und was du willst, das tu“ umfasse auch die großelterliche Liebe der Heiligen Mutter Anna. Diese Liebe sei zärtlich und wohltuend für die Enkelkinder. Oftmals fänden die Kinder in unserer heutigen Zeit bei den Großeltern mehr Halt als bei den Eltern. Großeltern seien ein großes Geschenk, so der Prediger; sie lassen oft mehr durchgehen, als die eigenen Eltern. Das Jesuskind, habe wohl auch seine Großeltern mütterlicherseits gekannt. Ob Jesus wohl auch einmal eine Trotzphase hatte, ob er wohl auch einmal bockig war, fragte der Weihbischof? Großeltern könnten eher einmal die Augen zudrücken, ohne dabei die Autorität der Eltern zu untergraben. Die Liebe der Großeltern tue den Enkeln gut, stellte Weihbischof Graf fest.

Das Charisma der „Alten“

Der Heilige Papst Johannes-Paul II. habe in seinem apostolischen Schreiben über die Aufgaben der christlichen Familien in der Welt von heute, schon vor 45 Jahren geschrieben, „Die Alten haben oft das Carisma, Barrieren zwischen den Generationen zu überwinden, ehe sie entstehen.“ Der Weihbischof wünschte den Großeltern viel Freude an ihren Enkelkindern. 

Ein zweiter Aspekt am Welttag der Großeltern und Senioren sei die Liebe im Blick auf die Großeltern. Nicht nur, dass diese Liebe schenken könnten, sondern sie seien auch Menschen, die Liebe bräuchten. Die sie hoffentlich auch von ihren Kindern und Enkeln erfahren dürften. Das würde ein großes Themenfeld unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Lage berühren. Gerade in den vergangenen Wochen wurde in der Politik wieder viel von finanziellen Problemen, nicht zuletzt auch bei der gesetzlichen Rentenversicherung, gesprochen. Immer weniger Erwerbstätige, die in die Rentenversicherung einzahlen und immer mehr Rentner. Gewiss ein gravierendes Problem. Auch von Seiten der Kirche müsse man alles tun, damit die Seniorinnen und Senioren nicht als Last empfunden würden, so der Prediger.

Christen sollen Menschen mit sehenden Augen und hörenden Ohren sein 

Auch Papst Leo habe zum Welttag der Großeltern und Senioren ebenso eine Botschaft verfasst und zur liebenden Zuwendung zu den Alten aufgefordert. Der liebende Blick Gottes ruhe auf den Alten in besonderer Weise, so schreibt der Heilige Vater. Dazu gehörten auch die Gebrechlichen und Hilfsbedürftigen. Papst Leo schreibt in seiner Botschaft, es sei in jedem Alter schön, aber besonders, wenn man nicht mehr jung ist, zu entdecken, dass wir von Gott mit einer unvergänglichen Liebe beschenkt sind. Er richtet stets seine Augen auf uns. Im Evangelium zum Gedenktag der heiligen Joachim und Anna preise Jesus seine Jünger selig, weil ihre Augen sehen und ihre Ohren hören. Diese Seligpreisung solle für uns alle gelten. Wir Christen sollten Menschen mit sehenden Augen und mit hörenden Ohren sein. Wir sollten die Not der Mitmenschen sehen und ihnen nach Kräften Gehör schenken. Gerade die alten Menschen seien oft Menschen offener Ohren und offener Augen. Sie hätten ein Gespür, nicht nur für ihre Kinder und Enkel, sondern für alle, die ein aufmunterndes Wort bräuchten, oder wenigstens jemand der zuhört und Zuwendung schenkt. Das hörende Herz sei immer ein Herz der Liebe, ergänzter Weihbischof Graf. 

Am Ende des Pontifikalgottesdienstes dankte Landrat Richard Reisinger dem Weihbischof für sein Kommen und seine berührenden Worte. Er habe beim Gottesdienst und in der Predigt wieder einmal unter Beweis gestellt, wie lebensnah man als Weihbischof sein könne. Wie alle fleißigen und verdienten Akteure auf dem Annaberg erhielt auch der Bischof ein Lebkuchenherz mit dem Leitwort der Festwoche als kleines Präsent. Ebenso überreichte Landrat Reisinger ein solches Herz an Stadtpfarrer Herbert Mader, bei dem die Fäden für diese Festwoche schon Monate zuvor zusammenliefen. 

Pfarrer Mader forderte die Gläubigen abschließend dazu auf, heute und in den nächsten Wochen ihre Gebetsanliegen zur Mutter Anna zu tragen. Mit dem Totengedenken und dem St.-Anna-Lied endete eine überaus gelungene und festliche Annabergfestwoche 2026.

Text und Fotos: Wolfgang Schöpf
(jas)
 



Nachrichten