Blick in die Basilika

Wolfgangswoche: 90 Jahre Gebetsgemeinschaft für Berufe der Kirche

Glaubwürdige Vorbilder und beharrliches Gebet


Regensburg, 25. Juni 2026 

Mit einer feierlichen Pontifikalmesse in der Basilika St. Emmeram wurde im Rahmen der Wolfgangswoche das 90-jährige Bestehen der Gebetsgemeinschaft für Berufe der Kirche (PWB) im Bistum Regensburg gefeiert. Gemeinsam mit zahlreichen Gläubigen, Priestern sowie Unterstützern und Förderern der Gebetsgemeinschaft erinnerte Bischof Rudolf Voderholzer an die Bedeutung des Gebets für geistliche Berufungen und dankte den Mitgliedern für ihr langjähriges Engagement.

Unter dem Motto „Ein Grund zum Feiern – ein Anlass zum Danken“ verwies Pfarrer Franz Pfeffer, Direktor der Diözesanstelle Berufungspastoral, auf das doppelte Jubiläum: Während die Gebetsgemeinschaft in Deutschland ihr 100-jähriges Bestehen feiert, besteht sie im Bistum Regensburg seit 90 Jahren. Zugleich wurde am Festtag des heiligen Johannes des Täufers dessen besondere Rolle als Wegbereiter Christi in den Mittelpunkt gestellt.

In seiner Predigt griff Bischof Rudolf Voderholzer dieses Motiv auf. Ausgehend von einer persönlichen Erinnerung an einen Vorfall beim Marathonlauf der Olympischen Spiele 1972 in München stellte er den Gegensatz zwischen einem falschen und einem echten „Vorläufer“ heraus. Während ein Läufer, der sich in die Zielgerade eingeschmuggelt hatte und kurzfristig die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog, verwies Johannes der Täufer nicht auf seine eigene Person, sondern stets auf Christus. Seine Aufgabe sei nicht Selbstdarstellung, sondern Wegbereitung. Johannes sei jemand, „dessen ganze Existenz in den hinweisenden Zeigefinger ausmündet“, so der Regensburger Oberhirte.

Daran anknüpfend betonte der Bischof die Bedeutung von Menschen, die auch heute den Glauben glaubwürdig vorleben und dadurch Berufungen fördern. Priester- und Ordensberufungen entstünden dort, wo eine lebendige Glaubensgemeinschaft, überzeugende Vorbilder und das Gebet zusammenwirken.

Als drei wesentliche Voraussetzungen für das Wachsen geistlicher Berufungen nannte Bischof Rudolf Voderholzer eine lebendige Glaubensatmosphäre in der Kirche, glaubwürdige Vorbilder sowie das beharrliche Gebet um geistliche Berufe. Der Priestermangel sei aus seiner Sicht vor allem ein „Symptom für nachlassende Glaubenskraft in unserer Kirche“. Zugleich erinnerte er an den Auftrag Jesu: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,37).

Im Zusammenhang mit dem Jubiläum würdigte der Bischof auch das Päpstliche Werk für geistliche Berufe, das in diesem Jahr auf eine 100-jährige Geschichte zurückblickt. Er erinnerte an die Gründung des „Frauenhilfswerks für Priesterberufe“ durch Prinzessin Maria Immaculata von Sachsen-Coburg und Gotha im Jahr 1926 sowie an dessen Einführung im Bistum Regensburg durch Erzbischof Michael Buchberger im Jahr 1936. Nach dem Verbot der Initiative durch das NS-Regime wurde sie 1941 von Papst Pius XII. in das weltweite Päpstliche Werk für Priesterberufe überführt.

Die geistliche Bewegung habe bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. „Nicht alles, was kirchlich aus Deutschland kommt, ist schlecht“, betonte Bischof Rudolf und unterstrich: „Die Gebetsinitiative ist heute wichtiger denn je“. Die Kirche dürfe nicht wie ein Unternehmen verstanden werden. Sie sei „nicht ein Konzern oder ein Betrieb, eine Behörde“, sondern lebe aus Gebet, Glauben und geistlicher Erneuerung.

Zum Abschluss seiner Predigt sprach der Bischof den Mitgliedern der Gebetsgemeinschaft seinen ausdrücklichen Dank aus: „Danke für Ihren Gebetsdienst, danke für Ihren Wegbereiterdienst!“

Nach dem Gottesdienst kamen die Mitglieder der Gebetsgemeinschaft zu einem gemeinsamen Mittagessen zusammen. Den Festtag beschlossen sie mit einer Andacht in der Wallfahrtskirche Mariaort sowie der Ehrung langjährig engagierter Mitglieder. 

Für besondere Verdienste um die Gebetsgemeinschaft wurden folgende Mitglieder besonders geehrt und mit einer Dankesurkunde ausgezeichnet: Frau Erika Hamberger, Pfarrei Teisnach, Frau Ingrid Meier, Pfarrei Offenstetten, Frau Gisela Riedl, Pfarrei Kirchberg/Opf., Frau Anneliese Schmid, Pfarrei Kollnburg, Frau Agnes Lehner, Pfarrei Stephansposching und Frau Monika Köglmeier, Pfarrei Mallersdorf. 

Text und Fotos: Christian Beirowski
(jas)

Weitere Infos

Weitere Informationen zum Thema Berufung oder der Gebetsgemeinschaft für Berufe der Kirche (PWB) erhalten Sie unter: 

Diözesanstelle Berufungspastoral



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