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Zur Neuigkeit
Vortrag beim Akademischen Forum Albertus Magnus
Kathedralkirche St. Peter
Regensburg, 28. Juli 2026
Zahlreiche Interessierte waren der Einladung des Akademischen Forums Albertus Magnus gefolgt, um einen Vortrag des Liturgiewissenschaftlers Dr. Sven Boenneke über den Regensburger Dom als Kathedralkirche zu hören. Dabei zeigte der Referent eindrucksvoll, dass der Dom weit mehr ist als ein historisch bedeutendes Bauwerk: Er ist das sichtbare Zentrum des kirchlichen Lebens im Bistum.
Ausgangspunkt seiner Überlegungen war das nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil erneuerte „Zeremoniale für die Bischöfe“. Dieses liturgische Regelwerk beschreibt nicht nur äußere Abläufe, sondern entfaltet eine theologische Sicht auf das Amt des Bischofs und die Bedeutung der Kathedralkirche. Grundlage dafür ist die Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium, die den Bischof als „hohen Priester seiner Herde“ bezeichnet. In seiner Person wird die Einheit der Ortskirche sichtbar.
Der Dom ist nach den Worten Boennekes deshalb Kathedrale, weil sich dort die Kathedra, der Bischofssitz, befindet. Sie ist Zeichen des Lehr- und Hirtenamtes des Diözesanbischofs. Zugleich verdeutlicht sie, dass die Kirche nicht nur eine Gemeinschaft gleicher Überzeugungen ist, sondern um den Bischof als Nachfolger der Apostel versammelt wird.
Besondere Aufmerksamkeit widmete der Referent den liturgischen Orten innerhalb der Kathedrale. Die Kathedra, der Altarraum, der Altar und der Ambo seien nicht bloß funktionale Einrichtungen, sondern Ausdruck des Wesens der Kirche. So müsse die Kathedra den Bischof als Vorsteher der Gemeinde erkennbar machen. Der Altarraum wiederum bilde durch seine Gestaltung den Verkündigungs- und Leitungsdienst der Kirche ab.
Auch der Altar und der Ambo haben nach den liturgischen Vorgaben eine zentrale Bedeutung. Der Altar steht als Mittelpunkt des Kirchenraums für Christus selbst und verweist zugleich auf Opfer und Mahlgemeinschaft. Der Ambo ist der herausgehobene Ort der Verkündigung des Wortes Gottes. Beide sollen in der Kathedrale beispielhaft gestaltet sein und damit Vorbild für alle Kirchen der Diözese werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Rolle des Doms als Mittelpunkt des liturgischen Lebens des Bistums. Hier feiert der Bischof die großen Gottesdienste des Kirchenjahres, spendet die Heiligen Weihen und weiht in der Chrisammesse die heiligen Öle, die für das sakramentale Leben der Gläubigen unverzichtbar sind. Auch die Feier der Domweihe und Wallfahrten aus den Pfarreien unterstreichen die verbindende Funktion der Kathedrale.
Abschließend hob Boenneke hervor, dass die Liturgie Kirche nicht nur ausdrückt, sondern auch aufbaut. In der gefeierten Liturgie der Kathedrale werde die Ortskirche in besonderer Weise erfahrbar. Der Regensburger Dom sei deshalb seit seinen Anfängen vor 750 Jahren nicht nur ein architektonisches Wahrzeichen, sondern ein Ort, an dem sich das Wesen der Kirche konkret und sichtbar vollziehe.
In der anschließenden Aussprache wurden die Ausführungen des Referenten vertieft und auf die konkrete Situation des Regensburger Doms bezogen. Dabei wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass die im liturgischen Verständnis bedeutsamen Apostelleuchter im Dom fehlen. Dies wurde von den Diskutanten als ein Desiderat benannt, das die symbolische Aussagekraft des Kathedralraums künftig noch stärker unterstreichen könnte.
Mit seinem Vortrag machte der Referent deutlich: Die Kathedrale ist weit mehr als ein beeindruckendes Bauwerk. Sie ist das geistliche Zentrum der Diözese und ein sichtbares Zeichen der Einheit von Bischof, Priestern und Gläubigen. Das große Interesse der Zuhörer zeigte zugleich, dass die Fragen nach Bedeutung, Auftrag und geistlicher Ausstrahlung des Regensburger Doms auch heute viele Menschen bewegen.
Text und Foto: Dr. Christian Schulz
(chb)




