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Unbefleckte Empfängnis – Was heißt das?

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Neun Monate vor dem Geburtsfest der Gottesmutter feiert die Kirche ihre „unbefleckte Empfängnis“. Um Missverständnissen vorzubeugen: Gefeiert wird nicht, dass Maria Jesus durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen hat. Es geht darum, dass Maria schon vor ihrer Geburt frei von der Erbsünde war. Erbsünde – kein leichter Begriff. Wie kann es sein, dass Sünde vererbt wird? Ist Sünde etwas, das in den Genen der Menschheit liegt und von Generation zu Generation weitervererbt würde? Nicht ganz.

 

Jeder Mensch ist Sünder

Wenn die Kirche von Erbschuld spricht, bringt sie eine ganz grundlegende menschliche Erfahrung zum Ausdruck: Jeder Mensch ist Sünder. Auch die Heiligen waren Sünder. Insofern ist nur Christus selbst die unbestrittene Ausnahme: Er war den Menschen in allem gleich, außer eben der Sünde. Alle anderen aber sind Sünder. Wenn man von Erbschuld spricht, kommt aber noch etwas anderes dazu. Sünde ist eine geschichtliche Größe, sie fängt nie bei Null an, sondern wirkt durch die Generationen der Menschheitsgeschichte hindurch.

 

Erbsünde und Erlösung durch Christus

Schon immer lebt der Mensch als Sünder vor Gott – das drückt die Lehre von der Erbsünde aus. Der eigentliche Plan Gottes für die Welt war ein anderer: Er sollte in einem „Freundschaftsverhältnis“ zu Gott stehen. Dieses Angebot hat Adam ausgeschlagen. Aus freien Stücken kann der Mensch nicht mehr in diesen Stand der Gnade gelangen – das geschieht durch Christus, den „neuen Adam“. Insofern kann man von der Erbsünde nur sprechen, wenn man auch über die Erlösung durch Jesus spricht.

Das zeichnet alle Menschen aus, daher wird diese Süde vererbt, nicht in einem genetischen, sondern im theologischen Sinn. Robert Spaemann formulierte das so: „Die Erbsünde ist ja nicht eine positive Qualität, die jeder Mensch von seinen Vorfahren erbt, sondern das Fehlen einer Qualität, die er hätte erben sollen.“ Obwohl Gott die Schöpfung als vollkommen geschaffen hat, ist sie es nicht. Obwohl der Mensch zum heiligen Leben berufen wird, strauchelt er immer wieder, fällt. Das meint die Lehre der Erbsünde.

 

Maria und die Lehre von der Kirche

Und genau davor ist Maria bewahrt worden, glaubt die Kirche. Früh schon entwickelt sich die Vorstellung, Maria als die Mutter des Herrn könne nicht genauso von der Erbsünde betroffen gewesen sein wie alle anderen Menschen. Dazu kam aber noch eine zweite Dimension: Maria ist immer ein Bild für das ganze Volk Gottes. Papst Benedikt XVI. lehrte, dass alle mariologischen Aussagen letztlich schon zuvor über die Kirche getroffen wurden. Aus Gnade hat Gott Maria vor der Erbsünde bewahrt. Das ist ein Hinweis darauf, was sein eigentlicher Plan für diese Welt war. Es ist aber auch Zeichen für das Ziel, zu dem Gott die Menschheit führen möchte.

 

Wann wurde Maria von der Erbsünde befreit?

Groß umstritten war die Lehre, Maria sei von der Erbsünde befreit, viele Jahrhunderte lang eigentlich nicht. Im Mittelalter entbrannte jedoch ein Streit, wann diese Befreiung stattgefunden habe. Die dominikanischen Theologen vertraten im Anschluss an Thomas von Aquin die Auffassung, Maria sei nach ihrer Empfängnis von der Erbsünde befreit worden. Das lag auch an gewissen biologischen Auffassungen des Thomas. Er dachte, der Mensch wäre erst nach einigen Wochen im Mutterleib mit Geist ausgestattet. Erst ein geistbegabter Mensch kann ja von der Erbsünde bewahrt werden. Die Franziskaner dagegen lehrten, Maria sei schon bei ihrer Empfängnis – also bei der Zeugung – ohne Erbschuld gewesen.

 

Lange Geschichte des Hochfestes

Diese Auffassung hat sich durchgesetzt. 1477 wurden Messtexte für das Hochfest von Papst Sixtus IV. approbiert. Er bestätigte, was schon lange gefeiert wurde. 1854 erhob Papst Pius IX. die unbefleckte Empfängnis zum Dogma. Bis heute gilt: Wann immer die Kirche ein Marienfest feiert, sagt sie auch etwas über die Kirche selbst aus. Das merkt man in den Messtexten des Hochfestes stark. Es geht nicht nur um Maria, die Kirche wird viel grundsätzlicher. So etwa im Gabengebet: „An ihrem Fest feiern wir das Opfer, das alle Schuld der Menschen tilgt. Befreie uns auf ihre Fürsprache aus der Verstrickung in das Böse.“

Die Kirche feiert das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember.