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Zur Neuigkeit
Trotz gesellschaftlichen Traditionsbruchs glauben Ordensfrauen an die Zukunft christlicher Gemeinschaft
Trotz Krise: „Gott hat etwas mit uns vor“
Regensburg, 10. Juni 2026
Beim jährlichen Gespräch mit Ordensoberinnen und weiteren Vertreterinnen von Ordensgemeinschaften im Bischöflichen Ordinariat standen die Zukunft der Orden, die Herausforderungen alternder Konvente und die Kraft gelebter christlicher Gemeinschaft im Mittelpunkt. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer würdigte den Dienst der Ordensfrauen als unverzichtbares Zeugnis für Kirche und Gesellschaft. Zugleich erinnerte er an die dramatische Lage in Myanmar, an den seligen Eustachius Kugler und an die Bedeutung religiöser Alltagskultur.
Jährliches Treffen im Bischöflichen Ordinariat
Am Mittwoch, 10. Juni, traf Bischof Rudolf Ordensoberinnen und weitere Vertreterinnen von Ordensgemeinschaften zum alljährlichen Gespräch im Bischöflichen Ordinariat. Das gemeinsame Treffen, die Feier der Vesper sowie der abendliche Ausklang im Bischofshof sind mittlerweile eine gute Tradition in der Diözese. Für den Regensburger Bischof bot das Treffen nicht nur die Möglichkeit, die Ordensfrauen aus dem gesamten Bistumsgebiet persönlich wiederzusehen. Es gab ihm auch Gelegenheit, mit ihnen über aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen, Ängste und Nöte zu sprechen, die ihre Gemeinschaften und Kongregationen betreffen. Zugleich ging es um einen Rückblick auf das vergangene Jahr, um Veränderungen in den Orden und um die Frage, wo die Diözese helfend und unterstützend tätig werden kann.
Neben den Ordensoberinnen, Generaloberinnen, Äbtissinnen, Priorinnen und Regionalpriorinnen war auch Prof. Dr. Josef Kreiml, Hauptabteilungsleiter der Hauptabteilung IV „Orden – Geistliche Gemeinschaften“, zum dritten Mal in dieser Funktion als Gastgeber des Gesprächs anwesend. Teilnehmerinnen waren Äbtissin Sr. M. Christiane Hansen OCist, Äbtissin Sr. M. Maximiliana Haslauer OSC, Generaloberin Sr. M. Jakobe Schmid, Generaloberin Sr. Maria Kreiner OSF, Oberin Sr. M. Elisabeth Rost, Hausoberin Sr. Betty Perukunnel CMC, Priorin Sr. Marina Dirks OP, Sr. Flavia Büglmeier OP, Regionalpriorin Sr. Maureen Miselo OP, Priorin Sr. Alexia Dendere OP, Provinzoberin Sr. M. Lioba Langemeyer, Oberin Sr. M. Annjetta Hirscher ISSM, Provinzoberin Sr. M. Ilga Dreier ISSM, Sr. M. Hildegard Meise SAS, Generaloberin Sr. M. Xaveria Zajaczkowska SAS, Oberin Sr. Celsa Anna Czaja CSSJ und Oberin Sr. Franziska Pakula.
Alternde Gemeinschaften und neue Wege
In einem fast zweistündigen Austausch wurden aktuelle Themen, Perspektiven und Anliegen mit der Leitung der Diözese besprochen. Im Mittelpunkt des offenen Gesprächs standen unter anderem Fragen, wie sich die Ordensschwestern bei immer weniger Nachwuchs für die Zukunft aufstellen können. Ein Thema des Gesprächs war auch das „Ordensnetzwerk alternder Gemeinschaften“, eine Einrichtung der Deutschen Ordensobernkonferenz. Es unterstützt alternde Ordensgemeinschaften in den oft komplexen Prozessen notwendig gewordener Veränderungen, etwa bei Fragen der Organisation und Pflege, bei der Leitungsverantwortung, bei der Sicherstellung des geistlichen Lebens und bei der alltäglichen Versorgung.
Trotz des Rückgangs in den Ordensgemeinschaften zeigten sich die Ordensoberinnen dankbar für die vielen Schwestern aus Afrika, Asien und anderen Teilen der Weltkirche. Viele junge Ordensschwestern bereichern das klösterliche Leben und geben den Gemeinschaften neue Kraft. Sowohl Bischof Rudolf als auch Prof. Kreiml würdigten in ihrer Begrüßung das herausragende Engagement der Ordensfrauen in einer Zeit, die für die Orden immer schwerer wird.
Dienst am Menschen bleibt unverzichtbar
Gerade vor diesem Hintergrund sei der Einsatz der Ordensfrauen in Kirche und Alltag unverzichtbar. Sie leisteten Enormes in einer Gesellschaft, die sich zunehmend in digitale Räume zurückziehe und das unmittelbare Miteinander zu verlieren drohe. Was dabei verloren zu gehen drohe, so der gemeinsame Tenor, sei das, was den Glauben stärke und ihm Kraft, Fülle und Lebendigkeit verleihe: das gemeinsame Beten und Handeln im Dienst der Nächstenliebe. Dies alles seien Gründe genug, um mit aller Deutlichkeit hervorzuheben, dass der Einsatz der Schwestern für die Menschen und die Gesellschaft unverzichtbar bleibe.
Wie in guter Tradition bestand das gemeinsame Treffen aus zwei Teilen. Zunächst gab es eine Vorstellungsrunde, in der die Ordensfrauen von ihren Erfahrungen und Herausforderungen im vergangenen Jahr berichteten. Zur Sprache kamen kleiner werdende Gemeinschaften, älter werdende Schwestern, eine Welt, in der sich vieles in digitale Räume verlagert, und eine demografische Entwicklung, die bestätigt, dass viele Orden Mitglieder verlieren.
Bei allen angesprochenen Themen schwang auch Sorge mit, ebenso der Gedanke, dass man auf Altbewährtes verzichten müsse und nicht einfach in den gewohnten Bahnen weitergehen könne. Dennoch war das Gespräch von Fröhlichkeit und Hoffnung geprägt. Auch in Zeiten, in denen das klösterliche Leben augenblicklich keinen neuen Aufschwung erlebt, besteht die Hoffnung, dass es in Zukunft besser werden könnte und dass eine Erneuerung aus dem Glauben heraus wieder mehr Menschen in die Ordensgemeinschaften führen kann. Einige Schwestern berichteten davon, dass sich viele junge Menschen wieder taufen lassen wollen und damit ein Zeichen gegen jene Entwicklung setzen, die in den vergangenen Jahren vielerorts zu kleiner werdenden Ordensgemeinschaften geführt hat. Das Credo des Tages lautete: „Gott hat etwas mit uns vor“ – und deshalb könnten auch die Herausforderungen der Gegenwart nicht schrecken.

Myanmar im Gebet mittragen
Beim Gespräch mit den Ordensoberinnen erinnerte Bischof Rudolf auch an den Besuch der Bischofskonferenz von Myanmar in Regensburg. Die Bischöfe waren nach ihrem Aufenthalt in Rom auf der Rückreise im Bistum zu Gast. Anlass war die seit 25 Jahren gewachsene Verbindung zwischen dem Bistum Regensburg und der Kirche in Myanmar. In Zusammenarbeit mit dem KAAD unterstützt das Bistum Studentinnen und Studenten aus Myanmar, die an der Assumption University in Bangkok studieren.
Bischof Rudolf berichtete von erschütternden Schilderungen aus Myanmar. Seit der Machtübernahme des Militärs im Jahr 2021 habe sich die Lage dramatisch verschärft. Viele Orte seien von Gewalt, zerstörten Häusern, beschädigten Kathedralen und einer zerbrochenen Infrastruktur geprägt. Straßen seien unpassierbar, Verbindungen zwischen Orten kaum noch möglich. Wo man früher eine Stunde unterwegs gewesen sei, brauche man heute teils zwei Tage. Diese Not gelte es im Gebet mitzutragen und um Frieden zu bitten.
Der 10. Juni als Tag der Erinnerung
Zugleich erinnerte Bischof Rudolf an den 10. Juni als besonderen Tag für das Bistum Regensburg. An diesem Tag starb 1961 Erzbischof Michael Buchberger in Straubing. Außerdem jährte sich der Todestag des seligen Eustachius Kugler zum 80. Mal. Der Ordensmann der Barmherzigen Brüder hatte in Regensburg mit großem Gottvertrauen das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder aufgebaut und damit ein Werk geschaffen, das bis heute prägend ist.
Bischof Rudolf nahm dies zum Anlass, den Dienst der Ordensleute insgesamt zu würdigen. Was Ordensfrauen und Ordensmänner über Jahrzehnte aus Glauben, Hingabe und Nächstenliebe geleistet hätten, werde oft erst dann sichtbar, wenn diese Dienste heute von weltlichen Trägern übernommen werden müssten. Viele Aufgaben in Pflege, Bildung, Seelsorge und Gesundheitswesen seien lange von Menschen getragen worden, die ihr Leben ganz in den Dienst Gottes und der Menschen gestellt hätten.
Religiöse Alltagskultur bewahren
Ebenfalls betonte Bischof Rudolf, wie wichtig es sei, gerade mit Blick auf die Volksfrömmigkeit religiöse Gegenstände, Devotionalien, Rosenkränze, Kreuze, Heiligenbilder und Gebetbücher zu pflegen und die Menschen dazu zu ermutigen, diese Schätze auch im eigenen Glaubensleben zu gebrauchen. Für das Leben vieler Gläubiger seien solche Zeichen von großer Bedeutung, weil sie den Glauben im Alltag sichtbar und greifbar machten.
Auch mit Blick auf das Institut für religiöse Alltagskultur hob Bischof Rudolf hervor, dass diese Formen gelebter Frömmigkeit gesammelt, bewahrt und erschlossen werden müssten, um einer Kultur des Vergessens entgegenzutreten. Gerade in einer Zeit, in der vieles aus dem religiösen Gedächtnis der Gesellschaft verschwinde, sei es wichtig, solche Zeichen nicht nur museal zu betrachten, sondern sie als Ausdruck eines lebendigen Glaubens zu verstehen.
Nach dem gemeinsamen Treffen feierte Bischof Rudolf in der Bischöflichen Hauskapelle mit den höheren Ordensoberinnen eine „Vesper zum Gedenktag des seligen Eustachius Kugler“. Bei einem gemeinsamen Abendessen im Bischofshof klang das Treffen aus.
Hintergrund
Frauenorden gibt es in der christlichen Kirche seit den ersten Jahrhunderten nach Christus. Bereits im 3. und 4. Jahrhundert entschieden sich Frauen bewusst für ein Leben in Ehelosigkeit, Gebet und Dienst am Nächsten. Als eine der bedeutendsten frühen Gestalten gilt die heilige Scholastika (um 480–543), die Schwester des heiligen Benedikt von Nursia, die als Wegbereiterin des weiblichen Ordenslebens im Westen angesehen wird.
Im Mittelalter entstanden zahlreiche Frauenklöster und Ordensgemeinschaften, darunter Benediktinerinnen, Zisterzienserinnen, Klarissen, Dominikanerinnen und viele weitere Gemeinschaften. Besonders seit dem 19. Jahrhundert kamen zahlreiche Kongregationen hinzu, die sich der Krankenpflege, Bildung, Kinderbetreuung und sozialen Arbeit widmeten.
Heute leben Ordensfrauen weltweit in kontemplativen Gemeinschaften, die sich vor allem dem Gebet widmen, ebenso wie in apostolischen Gemeinschaften, die in Schulen, Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen und der Seelsorge tätig sind. Das organisierte weibliche Ordensleben blickt damit auf eine Geschichte von rund 1.700 Jahren zurück.
Text und Foto: Stefan Groß
(chb)




