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Zur Neuigkeit
Sozialethiker Elmar Nass lobt „Magnifica humanitas“
„Ethischer Kompass“
Regensburg, 28. Mai 2026
Dem Priester und Sozialethiker Elmar Nass zufolge bietet die am Pfingstmontag veröffentlichte Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV. zur Künstlichen Intelligenz einen „ethischen Kompass“, aber keine „konkrete Politik“. Nass lehrt an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) und hat kürzlich ein Buch mit dem Titel „Christliche KI-Ethik“ publiziert.
Der Pontifex markiere in seiner Enzyklika „zentrale Linien für den Bau einer katholischen KI-Ethik, die sich in den technikethischen Diskurs als gewinnend einbringen kann“, argumentierte Nass in einem Beitrag für das Kölner Domradio am Montag. „Sie stellt mit diesem Bau der Mauer von Jerusalem die personale Perspektive ins Zentrum. Damit wird für die technische Revolution unserer Tage ein christlicher Humanismus als gut begründete Orientierung initiiert, der wieder begeistern und herausfordern kann, will und muss.“
Der „rote Faden der KI-Enzyklika“ sei „die Frage, auf welchen Steinen wir die Zukunft der Menschheit bauen wollen: Errichten wir einen Turm zu Babel oder die Mauern von Jerusalem? Sprich: Bewegen wir uns auf den gottlosen Untergang des Menschen durch falschen Fortschrittsglauben zu oder gestalten wir mit Gott seine Zukunft durch moralisch guten Fortschritt?“
„Der Papst greift wie sein großer Vorgänger die aktuell herausfordernde Revolution seiner Zeit auf und spricht von wesentlich neuen Dingen“, fuhr Nass fort. „Nach den oft homiletisch gehaltenen Texten seines Vorgängers Franziskus kehrt Leo dabei zurück zu einer systematischen Soziallehre.“ Das bedeute: „Er adressiert Herausforderungen, bietet einen ethischen Kompass und mit dessen Hilfe Grundlinien für Lösungswege und Ziele an, ohne dabei ins Detail zu gehen und konkrete Politik zu machen.“
Wie viele andere Beobachter ging auch Nass in seinem Beitrag auf den Zusammenhang von KI und Krieg ein. „Eine Grammatik gewaltsamer Konflikte mache sich diese Logik des Stärkeren zunutze und habe Dialog und Diplomatie wieder verdrängt“, so der Sozialethiker unter Verweis auf die Enzyklika. „Krieg gelte so wieder als notwendig und auch als moralisch sauber. Die Fragen nach KI und Krieg müssen gemeinsam diskutiert werden, denn es kommt auf die Logik ihres Einsatzes an. Und die ist das Thema der Enzyklika. Gerade junge Menschen, die mit der neuen Technologie groß werden und ein Leben ohne sie nicht kennen, müssten vor Gefahren geschützt werden.“
Papst Leo verfolge in Magnifica humanitas „einen christlichen Humanismus und stellt den Blick auf Christus in den Mittelpunkt unseres personalen Menschenbildes. Sozialethische Orientierung baue daneben auf Heilige Schrift, Tradition, Kirchenväter und die Theologie des Mittelalters. Damit ist die naturrechtliche Linie der Soziallehre im Gegensatz zu Franziskus wieder stärker betont.“ Tatsächlich läute die Enzyklika nach dem Pontifikat von Franziskus wieder „eine Renaissance systematischer Soziallehre ein. Der habituelle Blick auf Christus, Naturrecht und das daraus abgeleitete Personenverständnis stehen im Zentrum. Hiermit erteilt der Papst allen eine Absage, die Ethik ohne Menschenbild betreiben wollen. Vielmehr ist die Enzyklika ein Anstoß, über unser Menschsein, unsere Würde und die Ziele eines Fortschritts im Dienst der Humanitas nachzudenken.“
Am Ende seines Beitrags ging Nass auch auf einige Punkte ein, die ungeklärt blieben: „Warum wird beim Kompass nicht zwischen Werten und Prinzipien unterschieden? Der Wert Menschenwürde wird dem Personprinzip zugeordnet und die (soziale) Gerechtigkeit taucht erstmals in der Geschichte der Soziallehre als ein Prinzip auf. Die Solidarität wird mit der Brüderlichkeit vermischt. Dabei ist sie im Gegensatz zur Tugend ein Rechtsprinzip.“
„In der Auseinandersetzung mit dem Phänomen KI kommt die Frage nach einer verschwimmenden Differenz zwischen Mensch und humanoider Robotik noch zu kurz, auch die Folgen virtueller Realitäten gerade im Umgang mit Verstorbenen“, so Nass weiter. „Es werden ethische Programmierungen gefordert, ohne klare Abgrenzung zur so genannten Künstlichen Moral. Diese behauptet letztlich das Ende jeder menschlichen Ethik. Kritisiert wird die Verabsolutierung der Intelligenz in der KI. Aber ist das überhaupt Intelligenz?“
Mit mehr als 40.000 Wörtern in der deutschen Fassung gehört Magnifica humanitas zu den längsten päpstlichen Lehrschreiben. Es ist die erste Enzyklika, die sich mit der Künstlichen Intelligenz befasst. Allerdings befassten sich bereits andere vatikanische Texte mit dem Thema, insbesondere die Note Antiqua et nova aus dem Jahr 2025, die vom Dikasterium für die Glaubenslehre und vom Dikasterium für die Kultur und die Bildung stammte, sowie Quo vadis, humanitas?, einen Anfang dieses Jahres von der Internationalen Theologischen Kommission veröffentlichten Text. Beide Dokumente werden häufig in den Fußnoten von Magnifica humanitas zitiert.
Text: Vatican News
(sig)




