Porträt von Bischof Oster

Passauer Bischof Oster zur päpstlichen KI-Enzyklika

„...ziemlich beeindruckt“


Passau / Regensburg, 28. Mai 2026

Der Passauer Bischof Stefan Oster SDB hat sich in einem über 23 Minuten dauernden YouTube-Video „ziemlich beeindruckt“ gezeigt von der Enzyklika Magnifica humanitas, die Papst Leo XIV. am Pfingstmontag über das Thema der Künstlichen Intelligenz veröffentlicht hatte. Mit Blick auf das Bild vom „Turm zu Babel“ – im Gegensatz zu einer „Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen“ –, das Leo gleich zu Beginn der Enzyklika formulierte, sprach Oster von einem „Paukenschlag“.

„Was war der Turm von Babel?“, fragte Oster. „Die Menschheit, die ohne Gott einen Turm bauen wollte, der zum Himmel reicht, das heißt sich in gewisser Weise ermächtigen wollte, in gewisser Weise sein wollte wie Gott. Und die Folge war, dass gewissermaßen Gott darüber gelacht hat, dass dieser Gebrauch und Missbrauch von Selbstermächtigung am Ende dazu führt, dass sich die Menschheit zerstreut, dass sie sich nicht mehr miteinander versteht, dass das die gegenseitige Verantwortung und Kommunikationsfähigkeit verloren geht.“ KI sei „irgendwie ein Turm der Selbstermächtigung“, so der Bischof von Passau.

„Wir stehen wieder“, fuhr Oster unter Verweis auf die Enzyklika fort, „an einem entscheidenden Augenblick der Geschichte. Wo wir die Wahl zu treffen haben, nützen wir als Menschheit die KI und alle technologischen Möglichkeiten nur gewissermaßen egoistisch aus, um unsere eigene Macht aufzublasen, zu vergrößern und damit wesentliche Gruppen der Menschheit auf der Strecke zu lassen? Oder lassen wir die KI ein Instrument sein, das auch uns hilft, unsere Solidarität, unsere Kommunikationsfähigkeit, unser Wissen, das wir daraus bekommen, so zu verwenden, dass es dem Aufbau der Menschheit dient, mit allen Gefahren, die darin liegen, mit allen Chancen, die darin liegen? 

Die Wahl, vor die sich die Menscheit nun gestellt sehe, deutlich zu machen dies sei „gewissermaßen die große Linie, die sich durch die Enzyklika zieht“. Papst Leo wolle „uns aufmerksam machen, dass wir nicht den Menschen reduzieren dürfen durch technische Möglichkeiten, durch technische Ermächtigung, dass auch wir selbst nur noch reduziert werden auf einen Datensatz, der austauschbar wird und der nicht zulässt, dass es echte Beziehungen, qualitätsvolle Beziehungen, Liebe gibt“.

„Der menschliche Geist, das menschliche Herz ist viel umfangreicher als jede KI-Datensammlung, auch wenn zum Beispiel die Rechenkapazitäten oder die Beschaffung von schneller Information unglaublich Fortschritt macht und unglaublich schnell zur Verfügung steht“, erläuterte Oster. „Deswegen ersetzt sie niemals ein menschliches Herz, das niemand bilden kann, das niemand aufbauen kann mit technischen oder künstlichen Möglichkeiten. Die Menschheit ist großartig – aber, ja, die Menschheit ist auch abgründig. Wir sind auch erlösungsbedürftige Sünder.“

Der Bischof fuhr fort: „Und dann kommt der in mir heraus, der vor allem Macht interessiert ist, der seine eigene Größe, seinen eigenen Größenwahn zelebrieren will, indem er andere klein hält“ und sich „an anderen abreagiert, andere benutzt und ausnutzt zur Vergrößerung des eigenen Ego. Und wenn die KI insgesamt diesem Ziel dient, dem Machtaufbau, dann verlieren wir etwas von unserer Menschlichkeit.“

Wie die meisten anderen Beobachter ging Oster auf den Aspekt des Zusammenhangs von Krieg und KI ein, den Leo in Magnifica humanitas untersucht hatte. „Es darf nicht passieren, dass sich für große Entscheidungen, die Leben und Tod betreffen oder die große ethische Entscheidungen betreffen, dass wir gewissermaßen uns von der Verantwortung für die Entscheidung als Menschen entkoppeln“, sagte er. „Das ist eigentlich eine verheerende Entwicklung. Das ist so, und das ist ein intensives, großes Kapitel über die Frage nach dem Frieden und der Möglichkeit des Krieges mit den Mitteln der KI.“

Abschließend wandte sich Oster direkt an die Zuschauer: „Es ist eine ein wirklich gelungener, tiefer Text, der uns manche Fragen neu denken, neu sehen und verstehen lässt. Ich hoffe, dass es auch euch hilft, euch da hineinzulesen, vielleicht auch hineinzufuchsen, weil es da und dort auch anspruchsvoll ist. Aber es ist auch schön geschrieben und es fordert uns heraus.“

Text: CNA Deutsch

(sig)



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