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Zur Neuigkeit
Abt Petrus-Adrian Lerchenmüller zu Gast bei Pfingstwallfahrt in Maria Steinbach
„Wir dürfen das Beten nicht verlernen“
Maria Steinbach, 22. Mai 2026
Wenn der Klang von Alphörnern durch das sanfte Hügelland des Unterallgäus hallt und der Duft von Weihrauch sich mit der frischen Frühlingsluft verbindet, dann feiert Maria Steinbach in der Diözese Augsburg seinen großen Tag. Der Pfingstmontag ist im Legauer Ortsteil nicht einfach nur ein Feiertag im Kalender. Er ist der unumstrittene Höhepunkt des Wallfahrtsjahres. Ein Tag, an dem die tiefe Verwurzelung von Spiritualität, Gemeinschaft und lebendiger Tradition für Hunderte von Pilgern und Besuchern aus der gesamten Region mit Händen greifbar wird. In diesem Jahr war Abt Petrus-Adrian Lerchenmüller vom Prämonstratenserkloster Windberg (Landkreis Straubing-Bogen) aus dem Bistum Regensburg Festprediger.
Wer den Weg nach Maria Steinbach sucht, bringt oft ein Herz voller Alltagsgedanken oder Lebensfragen mit. Doch die Erfahrung zeigt seit Generationen: Aus Maria Steinbach geht niemand ohne Trost weg. Inmitten der Hektik der Pfingstreisewelle – während kilometerlange Staus den Brenner lahmlegten – entschieden sich die Gläubigen ganz bewusst für einen anderen Weg: den Weg der inneren Einkehr in diesem heiligen Kraftort. Längst gilt Maria Steinbach als der größte Marienwallfahrtsort zwischen Altötting und Einsiedeln.
Rückkehr zu den Wurzeln der Kindheit
Salvatorianerpater Hubert Veeser leitet die Pfarr- und Wallfahrtsseelsorge mit viel Herzblut und sprach zu Beginn des Festtages einen herzlichen Willkommensgruß. Dieser Gruß galt ganz besonders dem diesjährigen Festprediger, Abt Petrus-Adrian Lerchenmüller OPraem, der als Abt auch eng mit dem Kloster Roggenburg (Bistum Augsburg) verbunden ist und diese Reise auch für einen Besuch bei den dortigen Mitbrüdern nutzte. Für Abt Petrus-Adrian war dieser Pfingstmontag eine zutiefst persönliche Heimkehr. Der gebürtige Scheidegger, der lange Zeit Pfarrer im oberbayerischen Steingaden war, verriet bei seiner Begrüßung, dass er Maria Steinbach schon im Alter von fünf oder sechs Jahren an der Hand seiner Großmutter kennenlernen durfte. Umso größer war die Freude, dass auch zahlreiche ehemalige Pfarreimitglieder aus seiner alten Heimat den Weg ins Unterallgäu gefunden hatten.
In einer berührenden, lebensnahen Predigt inmitten der Gläubigen schlug Abt Petrus-Adrian eine Brücke vom Pfingstgeschehen in Jerusalem in die Gegenwart. Er verglich das Ankommen der Pilger – von denen viele bereits in der Nacht zu Fuß aufgebrochen waren – mit den Jüngern, Frauen und Maria, die sich nach Christi Himmelfahrt voller Fragen in das biblische Obergemach zurückzogen, um Ruhe und das gemeinsame Gebet zu suchen.
„Sind Sie nicht auch jetzt in einem Obergemach?“, fragte der Abt die Festgemeinde. „Angekommen von unterschiedlichen Wegen, mit ganz vielem im Kopf. Hier im Obergemach Maria Steinbach steht jetzt das Gebet im Mittelpunkt.“ Niemand sei an diesem Ort allein. Die Gottesmutter stehe vor den Gläubigen – mit einem weiten Herzen, das alle menschlichen Sorgen zu ihrem Sohn Jesus Christus trägt. Der auferstandene Christus schenke den Menschen hier seinen Frieden und zeige den Weg in einen weit geöffneten Himmel.
Ein Plädoyer für das Gebet und den Zusammenhalt
Mit Blick auf die aktuellen Strukturdebatten in der Kirche fand der Abt in seiner Predigt deutliche Worte: Statt sich in organisatorischen Notständen und Verwaltungsfragen um Pfarreizusammenlegungen und Pfarrgrößen von 20.000 oder 40.000 Mitgliedern zu verlieren, müssten sich die Menschen viel öfter in solche geistlichen Obergemächer zurückziehen. „Wir dürfen das Beten nicht verlernen“, betonte Abt Petrus-Adrian sichtlich bewegt. „Ich bin froh und dankbar, dass ich hier in Steinbach ein Stück weit das Beten lernen durfte – zusammen mit meiner Großmutter, ich denke, in der zweiten Bank vor der Schmerzhaften Gottesmutter war es.“ Vertrauen in den Heiligen Geist, Vertrauen auf die Gemeinschaft und festes Zusammenhalten seien der Schlüssel für die Zukunft.
Gemeinsam mit Abt Petrus-Adrian Lerchenmüller zelebrierte mit Pater Johannes-Baptist Christian Schmid (Pfarrer im Ursprungsort der Steinbacher-Wallfahrt in Rot an der Rot) ein weiterer Prämonstratenser, sowie die beiden Salvatorianerpatres P. Hubert Veeser und P. Josef Mayer die Eucharistie beim Festgottesdienst.
Ein musikalisches Feuerwerk und lebendiges Brauchtum
Die feierliche Liturgie bot in der prachtvollen Barockkirche einen Raum des tiefen Innehaltens, der durch ein wahres musikalisches Feuerwerk getragen wurde. Der Kirchenchor Maria Steinbach entzündete gemeinsam mit erstklassigen Instrumentalisten unter der Leitung von Dirigent Stefan Ewandinger eine feierliche Haydn-Messe. An der historischen Gabler-Orgel spielte Dorothea Ewandinger. Aus vollem Herzen stimmten die Wallfahrer in die traditionellen Pfingstlieder sowie dem Maria Steinbacher Marienlied ein.
Festfreude im Kirchhof
Nach der geistlichen Nahrung zog es die Menschen hinaus in den Kirchhof, wo das anschließende Wallfahrtsfest bewies, dass Glaube und Lebensfreude untrennbar zusammengehören. Ein buntes Treiben erfüllte den Ort. Der Regional- und Kreativmarkt lud zum Entdecken von heimischem Handwerk ein, während die Klänge von Musikkapellen und Alphornbläsern für festliche Stimmung sorgten. Spannende Einblicke boten die gut besuchten Kirchen-, Kirchturm- und Orgelführungen, welche die Geheimnisse des Barockjuwels offenbarten. Auch für die jüngsten Wallfahrer war mit zahlreichen Kinderangeboten bestens gesorgt, während Essen und Getränke für das leibliche Wohl der Pilger bereitstanden.
Das spirituelle Erbe der Prämonstratenser
Die barocke Pracht des „Rokoko-Juwels“ verdankt der Ort vollständig dem Wirken des Prämonstratenserordens der Reichsabtei Rot an der Rot, zu deren Territorium Steinbach bis zur Säkularisation 1803 gehörte. Die Wallfahrt begann im Mai 1723 mit einer Heilig-Kreuz-Reliquie, verlagerte sich nach Berichten über Wunderheilungen und eine mystische „Augenwende“ einer Statue jedoch schnell zur Marienverehrung. 1734 folgte die offizielle Ernennung zum Marienwallfahrtsort. Weil die alte Kirche den Pilgerstrom nicht mehr fassen konnte, ließen die Roter Äbte ab 1749 das heutige Gotteshaus unter der Leitung des prämonstratensischen Pater Benedikt Stadelhofer errichten und weihten es 1755 ein. Seit 1952 liegt die Seelsorge in den Händen der Salvatorianer. Und die Brücke zum Bistum Regensburg und dem Landkreis Straubing-Bogen wird nicht nur durch den diesjährigen Festprediger geschlagen, denn der aus der Pfarrei Atting stammende Pater Heinrich Mühlbauer SDS war insgesamt 19 Jahre lang (bis 2014) als Wallfahrts- und Pfarrseelsorger in Maria Steinbach tätig.
Text und Fotos: Irmgard Hilmer
(jas)







