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Zur Neuigkeit
Schmuckstücke im Bistum: Ein spätgotisches Kaselkreuz aus Kötzting im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang
Von Oberbayern über den Bayerwald ins Land Salzburg

Bad Kötzting, 2. September 2026
Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer Reihe „Schmuckstücke im Bistum“ stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserem aktuellen Beitrag lenkt Dr. Rimsl den Blick auf das Fragment einer Kasel, einer Dauerleihgabe der Pfarrei Kötzting, die nun im Bergbau- und Gotikmuseum in Leogang in Österreich zu sehen ist.
Textilkunst steht oft nicht im Fokus der Aufmerksamkeit, wenn es um Kunst geht. An die Lagerung stellt sie zudem hohe Ansprüche: Sie ist empfindlich gegen Licht, Feuchtigkeit führt zu Schimmel, Mottenbefall zu Fraßschäden. Historische Stücke sind entsprechend seltener. Noch stärker gilt das für Gebrauchstextilien: Sie sind zur Benutzung bestimmt, und Benutzung bedeutet immer auch Abnutzung. Das betrifft auch liturgische Gewänder.
Als große Besonderheit hat sich daher in Kötzting das Fragment einer Kasel, also eines Messgewandes, aus der Mitte des 15. Jahrhunderts erhalten: Ein bestickter Stoffbesatz mit dem Gekreuzigten, der ursprünglich am Rücken einer Kasel prangte. Der Gewandstoff selbst ist nicht erhalten. Der Besatz mit den kunstvollen Stickereien wurde aber abgenommen und aufbewahrt.
Bemerkenswert ist die Gestalt des Kreuzes, das als Astkreuz mit einem lebenden Stamm wiedergegeben wird. Das Holz, an dem Jesus gestorben ist, wird so als Baum des Lebens umgedeutet.
Unterhalb des Kreuzes ist unter einer Arkade der heilige Benedikt mit dem Giftbecher dargestellt, ein Hinweis auf das Benediktinerkloster Rott, zwischen Rosenheim und Wasserburg über dem Inn gelegen. Das Kloster hatte seit seiner Gründung im 11. Jahrhundert weitverstreute Besitzungen, unter anderem in der Kötztinger Gegend. Wahrscheinlich gaben die Rotter Benediktiner das Messgewand für ihre ‚Außenstelle‘ im Bayerischen Wald in Auftrag.
Hier wurde es lange im Pfarrhof aufbewahrt. Öffentlich zu sehen war es aber leider nicht.
Das hat sich geändert: Seit 2025 befindet es sich als Dauerleihgabe der Pfarrei Kötzting im Bergbau- und Gotikmuseum in Leogang (Land Salzburg, Österreich), wo es nun unter konservatorisch geeigneten Bedingungen besichtigt werden kann.
Hier ist es in guter Gesellschaft: Das Museum zeigt neben Zeugnissen der Bergbaugeschichte vor allem hervorragende Werke der österreichischen und süddeutschen Gotik.
Und noch eine Verbindung gibt es, zumindest eine indirekte: Denn zu Kloster Rott gehörte nicht nur Kötzting, sondern auch das tirolische Pillerseetal. Und das Pillerseetal wiederum grenzt direkt westlich an Leogang.
So bleibt das spätgotische Kaselkreuz aus Kötzting (fast) im Wirkungskreis seiner Auftraggeber.
Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz, Fotos: © Kunstsammlungen im Bistum Regensburg
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