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Zur Neuigkeit
Rund 170 Teilnehmer beim 22. Diözesanen Schöpfungstag in Viechtach
„Waldidylle – Industriekulisse“
Viechtach, 26. September 2026
Sonnenschein, milde Herbsttemperaturen und trockene Witterung boten den perfekten Rahmen für den 22. Diözesanen Schöpfungstag des Bistums Regensburg, zu dem sich rund 170 Teilnehmer im Pfarrzentrum der Pfarreiengemeinschaft Viechtach eingefunden hatten. Unter dem Leitwort „Waldidylle – Industriekulisse“ verband der Tag konkrete ökologische Fragestellungen mit gelebter Ökumene und schöpfungsspiritueller Reflexion.
Beate Eichinger, Umweltbeauftragte der Diözese Regensburg und Leiterin der Fachstelle Umwelt & ökosoziale Gerechtigkeit, eröffnete den Schöpfungstag und stellte heraus, dass es im Kern darum gehe, „eine Plattform zu schaffen für Menschen, die sich als Privatpersonen oder in kirchlichen Gruppen oder in gesellschaftspolitischen Initiativen für den Umweltschutz einsetzen, zusammenzubringen und ein stärkendes, motivierendes Gemeinschaftserlebnis zu schaffen“. Als gastgebender Seelsorger begrüßte Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad die Anwesenden und nahm Bezug auf eine im Altarraum angebrachte textile Himmelsleiter. Er erinnerte daran, dass die Schöpfung selbst der ursprünglichste Ort göttlicher Gegenwart sei: „Es gibt eine Himmelsleiter, die von Anfang an immer schon Bestand hatte, längst vor der Bibel und allen anderen Schriftreligionen. Das ist das, was mit uns auf diesem Planeten lebt: die Schöpfung, die Kreatur oder die Natur. Immer schon war das ein Ort, wo Menschen auch Gott erfahren haben und zu Gott kommen durften.“ Georg Bauer, 1. Vorsitzender des Naturparks Bayerischer Wald, betonte das enge Ineinandergreifen von Umweltbildung und Landschaftspflege. Naturparks förderten eine nachhaltige Regionalentwicklung und böten zusammen mit Umweltstationen Öffentlichkeitsarbeit, womit sie dazu beitrügen, „die Ansprüche der Menschen an ihre Lebens- und Wirtschaftsräume mit den Anforderungen von Landschafts- und Naturschutz in Einklang zu bringen“.
Ökologische Zukunftsfragen in aktuellen Debatten nicht verdrängen
Viechtachs 1. Bürgermeister Hans Greil warnte in seinem Grußwort vor menschlicher Überheblichkeit und mahnte einen achtsamen Umgang mit den Ressourcen an: „Der Mensch setzt sich ja gern als die Krone der Schöpfung. Aber dann, lieber Mensch, bist du angehalten, dass du wachsam bist und achtsam. Pass auf die Schöpfung auf, jeder für sich und wir alle miteinander!“ Dr. Ronny Raith, Landrat des Landkreises Regen, forderte mit Blick auf das zehnjährige Bestehen der Enzyklika Laudato si’, ökologische Zukunftsfragen in aktuellen Debatten nicht zu verdrängen. „Wir reden alle über Benzinpreise, wir reden alle über kriegerische Konflikte, wir reden alle über KI. Alles wichtig. Genauso wichtig ist es, Sozialreformen in den Blick zu nehmen. Aber was momentan überhaupt nicht diskutiert wird, ist die Frage: Wie erhalten wir unsere Lebensgrundlagen?“, so Raith, der seine Ausführungen mit dem Gebetsruf beschloss: „Lass uns so durch das Zeitliche gehen, dass wir das Ewige nicht verlieren.“
Natur wieder mehr Raum zur Selbstregeneration zugestehen
Im Festvortrag zerlegte der Fotograf, Journalist und Buchautor Herbert Pöhnl gängige Klischees über den Bayerischen Wald. Ausgehend von einem im Wald entdeckten, nassen „Heimat-Trumm“ brandmarkte er kitschige Fassaden wie Balkondreschflegel oder geschönte Prospektwerbung als bloße Scheinwelten, die von den realen Herausforderungen ablenken. Anhand von Dokumenten und Fotografien skizzierte er teils feinfühlig, teils ganz direkt den Pfad von den Urwäldern über den Kahlschlag der Holztrift bis zur Fichtenmonokultur, auch den Zusammenbruch durch den Borkenkäfer und die Gründung des Nationalparks thematisierte er. Pöhnl rief dazu auf, der Natur wieder mehr Raum zur Selbstregeneration zuzugestehen und forderte eine bewusste Konsumzurücknahme: „Eine Gesellschaft der Verbraucher, Produzenten, Vermarkter, Investoren, wie wir alle, erlaubt sich eine Nichtnutzung, einen Verzicht! Das ist eigentlich das ökologische Zeichen oder das moderne Zeichen: Wir können mal auf was verzichten!“ Im anschließenden Dialog ergänzte er pointiert: „Wer die Heimat liebt, muss sich Sorgen machen dürfen.“
Workshops und Infostände
Im Anschluss an den Vortrag strömten die Besucher in das Außengelände. Unterschiedliche Stände vom Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV), des Bund Naturschutz, des Blühpakts Bayern, der Katholischen Landvolkbewegung (KLB), bis hin zur Bahninitiative Go-VIT sowie regionale Erzeuger luden zu Diskussionen über Gebäudebrüter, Pilzkunde, Schienenverkehr und naturnahe Waldbewirtschaftung ein.
Mittags fand in der Stadtpfarrkirche die ökumenische Mittagsandacht statt. Dieser standen Domvikar Johannes Hofmann, die stellvertretende Dekanin Kathrin Nagel (evangelisch-lutherisch, Dekanatsbezirk Cham/Sulzbach-Rosenberg), Archimandrit Georgios Siomos (griechisch-orthodox, Vorsitzender der ACK Bayern), Dekan Johannes Poiger (alt-katholisch), Daniela Trautwein und Binia Spanner (neuapostolische Kirchengemeinde Straubing) sowie Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad vor, musikalisch gestaltet vom Kirchenchor und Jugendchor der Pfarreiengemeinschaft unter der Leitung von Alexander Feih. Beate Eichinger hieß die Gemeinde willkommen und hob hervor: „Heute begehen wir bereits zum 22. Mal feierlich und frohgemut als Zeichen der Schöpfungswoche diesen Tag. Jedes Jahr erinnern wir mit unserer Andacht an Gottes Schöpfung, unsere Verantwortung für die Schöpfung und bitten um Frieden und Bewahrung. Diese schöne Tradition fügt sich ein in die ökumenische Schöpfungszeit.“
Stadtpfarrer Dr. Werner Konrad stellte in seiner Predigt das Gedicht „Gabe“ des Nobelpreisträgers Czesław Miłosz in den Mittelpunkt, in dem ein seltener Augenblick tiefen Friedens beschrieben wird: „Diesen kostbaren Augenblick des absichtslosen Glücks schildert uns der polnische Dichter und Literaturnobelpreisträger Czesław Miłosz. Er steht da im Garten, und dann kommt ihm das Gefühl, als ob plötzlich all seine Sorgen, all sein Verlangen, alle schmerzhaften Erinnerungen aufgesogen und verschwunden wären, wie der Nebel vor der Sonne.“ Diesem Ideal stellte Konrad die alltägliche Zerrissenheit der Gegenwart und das von Paulus beschriebene Seufzen der Schöpfung gegenüber: „Und diese Sehnsucht nach diesen Hintergründen, nach dieser göttlichen Wirklichkeit, ist wichtig. Denn wer sich ihr überlässt, entzieht sich gleichzeitig der Tyrannei des Vordergründigen, das immer so tut, als ob es das Einzige ist, was da wäre.“ Nach den Fürbitten der Arbeitsgemeinschaft Schöpfungstag kündigte Beate Eichinger an: „Es ist ja inzwischen eine kleine Tradition, dass am Ende der Schöpfungsandacht die Staffelstab-Übergabe des folgenden Schöpfungstages erfolgt.“ Damit lud der Eggenfeldener Stadtpfarrer Egon Dirscherl herzlich zum nächsten Schöpfungstag ein: am Samstag, 25. September 2027 in Eggenfelden.
Exkursionen und Führungen
Am Nachmittag verteilten sich die Teilnehmer auf Exkursionen und Arbeitsgruppen. Zur Auswahl standen unter anderem Führungen zur Pfahl-Infostelle am Quarzriff des Großen Pfahls, eine Waldbegehung mit Förstern und Landwirten sowie eine Bahnfahrt nach Gumpenried zur Erörterung des Schienenverkehrs im ländlichen Raum. Vor Ort beschäftigten sich weitere Gruppen mit Impulsen zum Franziskus-Jubiläum, den Energie- und Biodiversitätsmaßnahmen der Pfarrei Viechtach sowie der Herstellung pflanzlicher Mittel aus der Wald-Apotheke. Bei Kaffee und Kuchen klang die Veranstaltung mit einem kleinen Bühnenprogramm im Pfarrgarten aus.
Text und Fotos: Sabrina Melis
(jas)











